13. Juli 2006 · Quelle: World Cup Racism Help Line

World Cup Racism Help Line” zieht Bilanz

Die WM ist vor­bei, das Notruf-Tele­fon »World Cup Racism Help Line«
been­det seine Arbeit und zieht Bilanz: in Berlin und Bran­den­burg wurden
in der Zeit der WM 20 rechte und ras­sis­tis­che Vor­fälle gezählt. Zehn
standen in direk­tem Bezug zur WM, die andere Hälfte spiegelt die
Real­ität alltäglich­er ras­sis­tis­ch­er Gewalt wider. Von ein­er hohen, nicht
zu ermit­tel­nden Dunkelz­if­fer kann aus­ge­gan­gen werden.

Zu den wohl schw­er­sten Angrif­f­en während der WM gehört ein Über­fall auf
eine Gruppe von alter­na­tiv­en Jugendlichen in Schöne­feld am 18. Juni, bei
dem ein 15-jähriger Jugendlich­er äthiopis­ch­er Herkun­ft durch einen
Stein­wurf schw­er ver­let­zt wurde. Von der »Fan-Meile«in Frank­furt (Oder)
gin­gen nach dem kleinen Finale Deutsch­land-Por­tu­gal zwei Angriffe von
Nazi-Hooli­gans auf Linke aus. An drei der bekan­nt gewor­de­nen Übergriffe
waren Polizis­ten beteiligt: bei ras­sis­tis­chen Kon­trollen in Hin­blick auf
die sog. Res­i­den­zpflicht oder als Gewalt­täter in Uni­form. Ein weiteres
Beispiel von staatlichem Ras­sis­mus war das Ein­rei­se­ver­bot von
Street­foot­ball-Mannschaften aus Ghana und Nigeria.

Die im Vor­feld der WM geäußerten Befürch­tun­gen imageschädigender
Auss­chre­itun­gen haben sich nicht bestätigt. Die angekündigte Demo von
NPD und Neon­azis in Leipzig wurde abge­sagt. Die Hooli­gan-Gewalt wurde
mit polizeilich­er Repres­sion weit­ge­hend eingedämmt, zum Preis einer
weit­eren Ein­schränkung von Grund- und Frei­heit­srecht­en. Rassistische
Über­griffe bewegten sich auf dem Niveau der »Nor­mal­ität«, die jedoch in
kein­er Weise hin­nehm­bar ist. In der öffentlichen Wahrnehmung wurden
diese Erfahrun­gen völ­lig vom »Par­ty-otismus« überdeckt. Nach der WM wird
die »Nor­mal­ität« der ras­sis­tis­chen Gewalt weitergehen.

An dem Pro­jekt »World Cup Racism Help Line« haben sich rund 200 Menschen
ehre­namtlich beteiligt. Sie haben zehn­tausende Fly­er verteilt, vor dem
Sta­dion und an den Pub­lic View­ing Areas, um die Notruf-Num­mern bekannt
zu machen. Dutzende von HelferIn­nen waren an den Tele­fo­nen für sechs
ver­schiedene Sprachen in Bere­itschaft. Wir freuen uns, dass wir nur in
sehr weni­gen Fällen helfen mussten. Für die HelferIn­nen war das Projekt
eine wichtige Erfahrung: ein öffentlich­es Sig­nal praktischer
Sol­i­dar­ität; die Zusam­me­nar­beit von Migran­tInnen, Flüchtlingen,
deutschen AktivistIn­nen und Einzelper­so­n­en; die Auseinan­der­set­zung mit
dem ras­sis­tis­chen All­t­ag. Das beispiel­hafte Pro­jekt hat sich gelohnt, so
die ein­hel­lige Mei­n­ung der Beteiligten.

Die Chronolo­gie ras­sis­tis­ch­er Angriffe in Berlin und Bran­den­burg während
der WM kann auf der Web­site www.racismhelpline.de einge­se­hen werden.

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