26. November 2002 · Quelle: Uckermärker Antifas

Wut und Trauer”


Antifaschis­tis­che Grup­pen aus der Uck­er­mark unter­stützen die für den 30.11.2002 in Pot­zlow, Strehlow und Pren­zlau geplanten Kundge­bun­gen und Demon­stra­tio­nen.

Mit Trauer und Entset­zen haben wir vom grausamen Tod des 16 — jähri­gen Mar­i­nus Schöberl aus Ger­swalde erfahren müssen. Unsere Anteil­nahme gilt den Fre­un­den und Ange­höri­gen.

In unsere Trauer mis­cht sich aber auch Wut!
Wut über eine erneute recht­sex­treme Gewalt­tat in der Uck­er­mark. Es hätte jeden tre­f­fen kön­nen und es hat schon viel zu viele getrof­fen, die nicht in das Welt­bild der selb­ster­nan­nten Her­ren­men­schen passen.
Wir sind wütend darüber wie wenig in der Uck­er­mark bis heute die Nor­mal­ität recht­sex­tremer Dom­i­nanz wahrgenom­men, geschweige denn in Frage gestellt wird. Der Ort des Geschehens ist beliebig auswech­sel­bar — Dede­low, War­nitz, Gollmitz, Grünow, Pin­now, Brüs­sow, … Pot­zlow. Es wun­dert uns auch nicht, daß wieder ein­mal ein Dorffest Aus­gangspunkt der schreck­lichen Gewalt­tat war. Solche Dorf- und Stadt­feste sind in der Uck­er­mark fast über­all „No go areas“ für Fremde, Flüchtlinge oder linke Jugendliche, ohne das dies die Ver­ant­wortlichen inter­essiert.

Es macht uns wütend, wenn in der gle­ichen Woche, in der diese Tat bekan­nt wurde, der Innen­min­is­ter des Lan­des Bran­den­burg, Schön­bohm, in einem Inter­view mit der recht­sex­tremen „Jun­gen Frei­heit“ von einem Zusam­men­hang zwis­chen „Dem Kampf gegen Rechts“ und der Zahl recht­sex­tremer Gewalt­tat­en faselt — Engage­ment gegen Recht­sex­trem­is­mus befördert also solche Tat­en!? Es ist dieses gesellschaftliche Kli­ma von Igno­ranz, Ver­harm­lo­sung, Intol­er­anz und Ras­sis­mus, in dem immer neue Täter­gen­er­a­tio­nen über­all in der Uck­er­mark aufwach­sen und sich als Teil des gesellschaftlichen Kon­sens fühlen kön­nen.
Nicht zulet­zt fra­gen wir uns, was noch passieren soll, damit Jugend­poli­tik in der Uck­er­mark endlich aufhört, „die Jungs von der Strasse holen zu wollen“ und sie zu akzep­tieren, statt sich mit ihnen auseinan­derzuset­zen und jugend­kul­turelle Alter­na­tiv­en zu fördern.

Wenn wir also zu dieser Demon­stra­tion aufrufen, dann geht es uns nicht um die Stig­ma­tisierung eines Ortes. Pot­zlow ist lei­der über­all. Viele Flüchtlinge, nicht- rechte Jugendliche, Obdachlose oder Aussied­lerIn­nen aus der Uck­er­mark haben in den let­zten Jahren Gewalt, Diskri­m­inierung uns Aus­gren­zung erfahren müssen. Ihre Trauer, ihr Entset­zen und ihre Wut muß einen Raum bekom­men. Die ist für uns ein ganz wichtiger Grund für den Aufruf zu dieser Demon­stra­tion. Pot­zlow war und ist kein Einzelfall! Das was dort passiert ist, muß in den Kon­text des gesellschaftlichen Kli­mas in dieser Region gestellt wer­den. Und wenn nicht endlich eine ern­sthafte Auseinan­der­set­zung über das gesellschaftliche Kli­ma hier, über Ras­sis­mus und Vorurteile, über die Igno­ranz und Ver­harm­lo­sung des Prob­lems und über Jugend­poli­tik geführt wird, wird Pot­zlow sich wieder­holen!

Pot­zlow ist über­all! Dem recht­en Kon­sens ent­ge­gen­treten!
Für eine antifaschis­tis­che, alter­na­tive Jugend­kul­tur!

Antifa Uck­er­mark

(tel) 0172.394.21.47

antifa_uckermark@yahoo.de

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