13. September 2004 · Quelle: MAZ

Zeitzeugen berichten

Ehe­ma­lige Zwangsar­beit­er wer­den vom 20. bis 30. Sep­tem­ber in unser­er
Region zu Gast sein. Sie wer­den auf ver­schiede­nen Ver­anstal­tun­gen als
Zeitzeu­gen bericht­en.

“Ich hoffe, dass auch viele Ein­wohn­er zu den ver­schiede­nen Foren
kom­men”, sagt Irm­traud Carl, Vor­sitzende des Vere­ins Kul­tur­land­schaft
Dahme-Spree­wald.

Der Vere­in hat in den let­zten Jahren das The­ma Zwangsar­beit in unser­er
Region wieder ins Gespräch gebracht. Er erforschte die Schick­sale von
einzel­nen Per­so­n­en und trug die Betriebe und Ein­rich­tun­gen zusam­men, die
Zwangsar­beit­er beschäftigt haben. Außer­dem wur­den schon ver­schiedene
Tre­f­fen und Diskus­sio­nen organ­isiert. Auch ein Buch ist erschienen.
Dieses Mal wer­den acht Zwangsar­beit­er aus Polen und Hol­land erwartet.
Sie mussten zur Naz­izeit in Schöne­feld, Wildau und Wal­ters­dorf arbeit­en.
Die Gäste wer­den während ihres zehn­tägi­gen Aufen­thalts unter anderem vor
Schülern in Wildau, in Schöne­feld und in Schulzen­dorf sprechen. Sie
besuchen einen Gottes­di­enst in der katholis­chen Kirche in Königs
Wuster­hausen. Hier fan­den während der Zwangsar­beit Gottes­di­en­ste in
Pol­nisch statt.

Auf dem Fried­hof von Wal­ters­dorf wird am Grab von Zwangsar­beit­ern ein
Kranz niedergelegt. Vere­insvor­sitzende Irm­traud Carl meint: “Ein
Höhep­unkt des Besuchs wird sich­er das Forum am 28. Sep­tem­ber mit
mehreren Opfer­grup­pen des Nation­al­sozial­is­mus sein.” Auf dieser
Ver­anstal­tung in Königs Wuster­hausen ist eine Lesung der jüdis­chen
Zwangsar­bei­t­erin Vera Friedlän­der geplant. Die Gäste aus Polen und
Hol­land wer­den aber auch eine Dampfer­fahrt auf dem Zeuthen­er See
unternehmen, die Schlöss­er in Pots­dam und Branitz besichti­gen, bei
Zen­ner in Trep­tow gemütlich am Wass­er Kaf­fee trinken, durch die gläserne
Kup­pel des Reich­stages in Berlin spazieren und sich von der Kochk­lasse
der Gesamtschule Schöne­feld über­raschen lassen. “Wir freuen uns schon
sehr auf den Besuch”, sagt Irm­traud Carl. Einziger Wer­mut­stropfen: Es
kön­nte das let­zte Zwangsar­beit­ertr­e­f­fen sein. Irm­traud Carl: “Die
Stiftung Entschädi­gungs­fond, die unsere Aktion trägt, soll aufgelöst
wer­den.”

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