19. Juli 2005 · Quelle: neues deutschland

Zerstörung von MON 810

Wider­stand gegen die Grüne Gen­tech­nik wurde bis jet­zt über die Bil­dung gen­tech­nikfreier Regio­nen oder in radikaler Form durch geheim-gehal­tene Feld­ver­wüs­tun­gen aus­geübt. Die Ini­tia­tive »Gen­dreck weg« plant eine neue Form zivilen Unge­hor­sams – Ende Juli eine öffentliche Feld­be­freiung in Ostbrandenburg.

Auch wenn es in let­zter Zeit wieder stiller um den Wider­stand gegen den Anbau von gen­verän­derten Pflanzen gewor­den ist, geht der von Renate Künast prophezeite »Krieg auf den Dör­fern« weit­er. Daran ändert auch das in Teilen ver­ab­schiedete neue Gen­tech­nikge­setz nichts, denn die wichtig­sten Sicher­heits­bes­tim­mungen gegen die Kon­t­a­m­i­na­tion durch gen­verän­derte Pollen sind entwed­er noch nicht beschlossen oder kön­nten im Ver­mit­tlungsauss­chuss wieder gekippt werden.

Zen­trum des Wider­stand ist derzeit das Land Bran­den­burg. Dort hat die Bürg­erini­tia­tive »Gen­dreck weg« für das näch­ste Woch­enende eine »Frei­willige Feld­be­freiung« angekündigt. Es ist die erste öffentlich angekündigte Zer­störung von Gen­tech-Feldern in Deutsch­land. Bis jet­zt wur­den Anbau­flächen meist in Nacht- und Nebe­lak­tio­nen von kleineren Grup­pen ver­wüstet. Die Bürg­erini­tia­tive hinge­gen hat sog­ar schon Ort und Zeit­punkt des »Verge­hens« bekan­nt gegeben: Hohen­stein bei Straus­berg am 31. Juli um 14 Uhr.

Die Ini­tia­toren wollen im Anschluss an eine Kundge­bung auf einem ca. zehn Hek­tar großen Mai­sack­er mit der gen­ma­nip­ulierten Sorte »MON 810« Pflanzen her­auszureißen, bis die Polizei ein­schre­it­et, erk­lärt Jür­gen Binder, der zusam­men mit seinem Kol­le­gen Michael Grolm die Aktion koor­diniert, gegenüber ND. An die hun­dert Aktivis­ten wollen an der »Feld­be­freiung« teil­nehmen und sich not­falls ver­haften zu lassen. Weit­ere 300 Bürg­er wer­den die Aktivis­ten begleit­en. Unter den Gen­tech­nikgeg­n­ern find­en sich neben Biobauern und Naturkost­ladenbe­sitzern eine bunte Mis­chung aus Angestell­ten, Selb­st­ständi­gen, Arbeit­ern und Stu­den­ten. Unter­stützung erfährt die Ini­tia­tive zudem aus dem Aus­land – u.a. von dem leg­endären franzö­sis­chen Bauern­führer Jose Bové, von Van­dana Shi­va, Preisträgerin des alter­na­tiv­en Nobel­preis­es, sowie dem äthiopis­chen Umwelt­min­is­ter Tewolde Berhan Egzabher.

Jür­gen Binder ist fest entschlossen, den Anbau von gen­verän­derten Organ­is­men (GVO) in Deutsch­land zu ver­hin­dern. Als Imk­er ist er beson­ders von der Ein­führung der Grü­nen Gen­tech­nik betrof­fen. Die Bienen wür­den die gen­tech­nisch verän­derten Pollen von den Mais­feldern sam­meln, um ihren Nach­wuchs damit zu füt­tern. So könne länger­fristig kein GVO-freier Honig mehr garantiert wer­den. Außer­dem wür­den die Insek­ten die Pollen auf kon­ven­tionelle Felder oder anliegende Naturschutzge­bi­ete verteilen. Binder sorgt sich wegen möglich­er Gefahren für die Sorten­vielfalt und Insek­ten­re­sisten­zen. So wirkt das in der Mais­sorte »MON 810« enthal­tende Gen nicht nur gegen den Maiszünsler, son­dern auch gegen andere Insek­ten. In Ungarn, Polen, der Slowakei und Öster­re­ich ist diese Mais­sorte ver­boten, in Deutsch­land dage­gen bed­ingt zugelassen.

Die Idee zu der »Feld­be­freiung« sei let­zten April ent­standen, als in Stuttgart über tausend Bauern gegen die Grüne Gen­tech­nik demon­stri­erten, sagt Binder. Die Aktivis­ten der Bürg­erini­tia­tive »Gen­dreck weg« hät­ten sich schließlich auf Ost-Bran­den­burg geeinigt, da dort die größte Anbau­re­gion von GVO in Deutsch­land liege. Hier befind­en sich 123 der ins­ge­samt 300 Hek­tar, auf denen in diesem Jahr gen­tech­nisch verän­dert­er Mais in Deutsch­land aus­gesät wurde. Außer­dem liegt das Mais­feld unweit des Natur­parks Märkische Schweiz.

»Unsere Aktion ist eine öffentliche Wil­len­säußerung«, betonte der Imk­er. Und nicht die let­zte. Auf die Frage, wie die Gen­tech­nikgeg­n­er dem voraus­sichtlichen Regierungswech­sel hin zu ein­er gen­tech­nikfre­undlichen Poli­tik ent­ge­gen sähen, antwortet Binder entschlossen: »In Deutsch­land bleibt kein Gen-Feld stehen.« 

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