7. Mai 2005 · Quelle: MAZ

Zug des Grauens” durch Dorf Zechlin

DORF ZECHLIN Wenn an diesem Son­ntag der Befreiung gedacht wird, darf man
auch die KZ-Häftlinge, die kurz zuvor durch das Rup­pin­er Land gezo­gen sind,
nicht vergessen. “Es ist aber schw­er über diese Zeit in geeigneter Form und
an einem entsprechen­den Ort zu erin­nern”, stellt Moni­ka Adomeit fest.

Adomeit kommt selb­st aus Dorf Zech­lin und hat über den Ort ein Buch
geschrieben (die MAZ berichtete). Darin komme der Todes­marsch nur auf ein­er
Seite vor, bedauert die Autorin. “Das war nicht der richtige Rah­men für
diese Erin­nerun­gen”, sagt die Autorin, die in Dorf Zech­lin zwar ihre ersten
Leben­s­jahre ver­bracht hat­te, aber damals zu klein war, um über die
Ereignisse aus eigen­er Erin­nerung bericht­en zu kön­nen. “Auch hat sich meine
Aufmerk­samkeit für dieses The­ma erst während der Recherchen zu dem Buch
her­auskristallisiert”, erzählt Adomeit.

“Ich habe ver­sucht mit den Men­schen vor Ort zu sprechen, doch das war ganz
schwierig — die Leute wollen nicht darüber reden.

Im Kreis­archiv sei sie dann auf Berichte von Zeitzeu­gen aus Dorf Zech­lin
gestoßen, die den Todes­marsch, zwis­chen dem 21. April und 2. Mai, und die
Zeit um den 8. Mai schildern.

Wie zum Beispiel die Dorf Zech­liner­in Martha Ziegler: “Es war Ende April.
Den genauen Tag kann ich nicht mehr sagen. Wir bere­it­eten uns selb­st auf
unsere Flucht vor, weil die Front immer näher kam. Ständig flutete deutsches
Mil­itär auf der Straße zurück in Rich­tung West­en. Die so genan­nte
Wla­sow-Armee, vor­wiegend Berit­tene, zog west­wärts in Rich­tung West­en. Da
unser Haus (Gasthaus Mohnke) direkt an der Straße ste­ht, sahen wir sehr
viel. An diesem Tag schob sich ein Zug von völ­lig abgemagerten, zer­lumpten
und erschöpften Men­schen vor­bei unter Bewachung von SS-Leuten. Soweit wir
blick­en kon­nten, nahm der Zug des Grauens kein Ende.”

Oder Anna Nat­ter­er, wenn sie von den Mor­den an Häftlin­gen erzählt: “Am
Ort­saus­gang nach Fleck­en Zech­lin ist ein Häftling von der SS durch
Genickschuss getötet und ver­graben wor­den. Auch bei dem dama­li­gen
Bah­nüber­gang vor dem Ort­saus­gang nach Rheins­berg sind mehrere Häftlinge
erschossen wor­den. Meines Wis­sens nach sind die Toten nach Fleck­en Zech­lin
gebracht und dort beerdigt wor­den.”

Gesam­melt hat diese Zeug­nisse zwis­chen 1963 und 1965 der dama­lige
Bürg­er­meis­ter von Dorf Zech­lin Got­tfried Dit­trich, erzählt, Moni­ka Adomeit.
Wahrschein­lich wollte er aus Anlass des 20. Jahrestages der Ereignisse daran
erin­nern. Die Augen­zeu­gen, die damals befragt wur­den, leben heute nicht
mehr. Und so sind wir im Gedenken auf die schlum­mern­den Archiv­funde
angewiesen, die es als wertvolles Gut zu heben gilt.

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