12. März 2013 · Quelle: Opferperspektive

Zunahme rassistischer Angriffe in Brandenburg

Potsdam - Brandenburger Beratungsstelle veröffentlicht Jahresstatistik 2012

Für das Jahr 2012 hat der Vere­in Opfer­per­spek­tive 95 rechtsmo­tivierte Gewalt­tat­en im Land Bran­den­burg gezählt. Die erfassten Straftat­en richteten sich nach Ken­nt­nis der Beratungsstelle gegen min­destens 146 Per­so­n­en. Im Ver­gle­ich zum Vor­jahr wurde ein Anstieg der Gewalt­tat­en doku­men­tiert, 2011 waren 84 Fälle rechter Gewalt reg­istri­ert worden.

Es wur­den 60 Kör­per­ver­let­zun­gen, 23 ver­suchte Kör­per­ver­let­zun­gen und Bedro­hun­gen, fünf Raub­de­lik­te, drei Brand­s­tiftun­gen und vier Sachbeschädi­gun­gen reg­istri­ert. Der Anteil der ras­sis­tisch motivierten Gewalt­tat­en erhöhte sich auf fast 50 Prozent. Gle­ichzeit­ig wur­den etwas weniger Angriffe gegen nicht-Rechte Jugendliche und alter­na­tive Men­schen verze­ich­net. In 46 der 95 Fälle wur­den Flüchtlinge und Migran­tInnen ange­grif­f­en. 31 Angriffe wur­den aus Hass auf poli­tis­che Feinde began­gen. 15 Über­griffe richteten sich gegen alter­na­tive Jugendliche. In zwei der 95 Fällen han­delte es sich um Angriffe auf ver­meintlich sozial benachteiligte Per­so­n­en. Ein Angriff wurde aus homo­phoben Motiv­en begangen.

Wie in den Vor­jahren ergibt sich ein regionaler Schw­er­punkt im Süden Bran­den­burgs. Seit Jahren sind Cot­tbus und Spree-Neiße ein Schw­er­punkt rechter Gewalt. Allein in Sprem­berg wur­den im let­zten Jahr sechs rechte Angriffe verübt. Alle Täter lassen sich der organ­isierten Neon­aziszene zuord­nen. Ein beson­ders bru­taler Über­griff ereignete sich in der Nacht vom 12. Mai 2012 in Sprem­berg. Fünf Jugendliche wur­den vor einem Jugend­club von min­destens sechs Per­so­n­en ange­grif­f­en. Die mit Teleskop-Schlagstöck­en bewaffneten Recht­en schlu­gen die Scheiben ihres Autos ein und ver­sucht­en, einen der Jugendlichen aus dem Auto zu zer­ren. Alle Betrof­fe­nen erlit­ten Schnit­twun­den und Prel­lun­gen, einem Jugendlichen wurde die Hand gebrochen. Die Angriffe organ­isiert­er Neon­azis ver­wan­deln Sprem­berg für die Betrof­fe­nen in eine Angst­zone. Die Gewalt zielt nicht nur auf alter­na­tive Jugendliche: Nach einem Bericht über Neon­azi­ak­tiv­itäten in der Region wur­den an der Redak­tion der Lausitzer Rund­schau Tierin­nereien ange­bracht und Neon­azi­parolen gesprüht.

Beson­ders beun­ruhi­gend sind auch die Aktiv­itäten der mil­i­tan­ten Neon­azi­gruppe »Nationaler Wider­stand Berlin« in Bran­den­burg. Anfänglich waren es Hak­enkreuzschmiereien auf Stolper- und Gedenksteinen für die Opfer des Faschis­mus. Vor dem Haus eines Jugendlichen in Storkow wur­den im Som­mer die Worte »Game Over« und sein Name gesprüht. In der Nacht vom 9. Okto­ber 2012 wurde das Flüchtling­sheim in Waß­manns­dorf ange­grif­f­en, hier hin­ter­ließen die Täter ein Hak­enkreuz und den Schriftzug »Ros­tock ist über­all«. Bei allen Aktio­nen wurde sich durch das Hin­ter­lassen des Schriftzugs »NW-Berlin« zu den Tat­en bekan­nt. Die Angriffe auf Flüchtling­sheime und Wohn­häuser zeigen, wie unan­greif­bar sich die Täter fühlen.

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