20. Juni 2005 · Quelle: PNN

Zur Arbeit nach Polen

Werder — Auch in der Baubranche wird auf Völk­erver­ständi­gung geset­zt: Durch das Europäis­che Aus­bil­dungs- und Aus­tausch­pro­gramm Leonar­do, welch­es seit den 90er Jahren EU-weit läuft, erhal­ten Auszu­bildende in handw­erk­lichen Berufen die Möglichkeit, Prak­ti­ka in anderen Län­dern zu absolvieren. Vor kurzem waren fünf Lehrlinge vom Über­be­trieblichen Aus­bil­dungszen­trum (ÜAZ) Werder für drei Wochen im Pol­nis­chen Zgierz, um mit ein­heimis­chen Kol­le­gen ein Denkmal zu restaurieren. 

Dabei han­delt es sich um das Mah­n­mahl „100 Ermordete“. Im Zweit­en Weltkrieg hat­ten festgenommene pol­nis­che Wider­ständler hier zwei SS-Män­ner über­wältigt und getötet. Dafür wur­den von der SS 100 Pol­nis­che Zivilis­ten hin­gerichtet. Entsprechend groß ist der sym­bol­is­che Wert dieser Aktion. „Der Hin­ter­grund war uns dur­chaus bewusst“, berichtet der ange­hende Stahl- und Beton­bauer Fer­ry Leib­nitz. Von pol­nis­ch­er Seite wurde das Pro­jekt sehr aufmerk­sam beobachtet. Die Stadt Zgierz war von der Arbeit der Deutschen let­z­tendlich so begeis­tert, dass der Stadt­präsi­dent sie zu Ehren­bürg­ern gemacht hat. Denn eigentlich soll­ten die Lehrlinge ihre pol­nis­chen Kol­le­gen lediglich unter­stützen. „Wir haben uns aber voll einge­bracht“, erzählen sie. Putz abschla­gen, säu­bern, grundieren und stre­ichen. Man sei von ihren Fer­tigkeit­en pos­i­tiv über­rascht gewe­sen, so Leib­nitz, der das so begrün­det: „Bei pol­nis­chen Auszu­bilden­den sieht das wohl anders aus, da fehlt es manch­mal noch an der Prax­is.“ Die sprach­lichen Bar­ri­eren habe man mit gebrochnem Englisch sowie „Hän­den und Füßen“ über­brück­en kön­nen. Ein Dol­metsch­er sei nicht durchge­hend dabei gewesen. 

Neben der Arbeit haben die Lehrlinge auch das Land ken­nen gel­ernt, unter anderem standen Exkur­sio­nen nach Warschau und Lodz auf dem Pro­gramm. Leib­nitz und seine vier Kol­le­gen Chris­t­ian Bölke, David Fiet­zke, David Hoff­mann und Mar­cel Urban waren ihrer­seits fasziniert vom Nach­bar­land. Im Sep­tem­ber wollen sie noch ein­mal nach Zgierz fahren. 

Par­al­lel zu ihrem Pro­jekt beleuchtete eine 12. Klasse von einem Berlin­er Gym­na­si­um den his­torischen Hin­ter­grund der „100 Ermorde­ten“. Bei der Präsen­ta­tion sollen die fünf Werder­an­er dabei sein. So wer­den gle­ich zwei „Brück­en“ gebaut: Zum einen zwis­chen den Handw­erk­ern, zum anderen zu den Abiturienten. 

Die Lehrlinge haben mit ihrem Prak­tikum jet­zt auch einen Plus­punkt im Lebenslauf, denn so gefragt wie im Aus­land seien sie in Deutsch­land längst nicht mehr, bericht­en sie. Schot­t­land und die Schweiz seien die Ziele der fünf, wenn die Lehre abgeschlossen ist. Im ÜAZ-Werder wer­den die ange­hen­den Handw­erk­er durch Prak­ti­ka und Bil­dungsko­op­er­a­tio­nen auch auf eine Zukun­ft außer­halb Deutsch­lands vor­bere­it­et. „Pro­jek­te im Aus­land sind eine echte Chance für die Jugendlichen, und auch für uns als Aus­bilder“, so ÜAZ-Leit­er Matthias Gedicke. Regelmäßig reisen Lehrlinge aus Werder zum Beispiel ins ital­ienis­che Man­to­va, um dort beim Auf­bau eines Klosters zu helfen. Kon­tak­te beste­hen auch nach Nor­we­gen, wo die Azu­bis zwei Monate auf ver­schiede­nen Baustellen ver­brin­gen. Betreut wer­den solche Pro­jek­te vom Bil­dungsvere­in Bautech­nik. Geschäfts­führerin Ange­li­ka Thor­mann: „Viele wollen gle­ich da bleiben, oft müssen wir sie überre­den, wenig­stens zur Gesel­len­prü­fung noch ein­mal zurück zu kom­men.“ Von den elf Lehrlin­gen, die in diesem Jahr ihr Prak­tikum dort absolviert haben, hät­ten sieben gle­ich eine Anstel­lung gefun­den. TL

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