10. Juni 2005 · Quelle: MOZ

Zuwanderer-Heim in Kürze empfangsbereit

(Jens Sell, MOZ) Straus­berg — Das neue Asyl­be­wer­ber­heim in der Wriezen­er Straße ist emp­fangs­bere­it. Rund 170 Zuwan­der­er sollen aus den Gebäu­den im Roten Luch bei Wald­siev­ers­dorf umziehen. In der Umge­bung des ehe­ma­li­gen Arbeit­samtes gibt es allerd­ings Bedenken, ob das Zusam­men­leben rei­bungs­los funk­tion­ieren werde. Die Woh­nungs­baugenossen­schaft sieht mit Sorge auf die Zuwe­gung über die Fritz-Reuter-Straße. 

Siegfried Jen­dreizik legt die Stirn in Fal­ten, wenn er vom Hof seines Wohn­haus­es auf das Nach­bar­grund­stück blickt. Seit fünf Jahren wohnt der frühere Bu­ckower Lok­führer in der Straus­berg­er Fritz-Reuter-Straße. Die Woh­nungs­baugenossen­schaft Auf­bau hat eines des früheren Offizier­shäuser saniert und um einen zweit­en mod­er­nen Flügel erweit­ert. In den Woh­nun­gen leben über­wiegend Senioren-Ehep­aare. Deshalb auch ist der kleine Spielplatz in ein­er Ecke des gepflegten Hofes offenkundig unbe­nutzt. Den früheren Sand­kas­ten hat die Genossen­schaft durch eine Kun­st­stoff­muschel erset­zt. Dort spie­len nur ab und zu Enkelkinder der Bewohner. 

Siegfried Jen­dreiziks Blick schweift über den seitlichen Zaun, wo hohes Gras unge­hemmt wächst. Nicht voll­ständig ist das Gras so hoch. Ein Streifen vor einem nur mit Draht gesicherten zwei­flüg­li­gen Tor zur ober­halb gele­ge­nen Treppe ist gemäht und deutet den Ver­lauf eines Weges an. Die Treppe führt vor das erste Arbeit­samt, das in Straus­berg nach der Wende ein­gerichtet wurde. 

Dort soll nach dem Willen des Land­kreis­es das Asyl­be­wer­ber­heim einziehen. “Es gibt den Antrag zur Umwid­mung zu ein­er Wohn­stätte für Zuwan­der­er”, hat­te Stadt­pla­nungschef Thomas Elsner am Dienstag­abend die Mit­glieder des Bau- und Umweltauss­chuss­es der Stadtverord­neten­ver­samm­lung unter dem Punkt Ver­schiedenes informiert. Pla­nungsrechtlich sei dies zuläs­sig. Die Zuwe­gung sei sich­er über die Wriezen­er Straße und die Zufahrt zum Ledi­gen­wohn­heim der Bun­deswehr vorge­se­hen, so der Stadtplaner. 

Klaus Weinzierl vom Vor­stand der Woh­nungs­baugenossen­schaft sieht hinge­gen den gemäht­en Streifen auf dem Nach­bar­grund­stück, das an die Fritz-Reuter-Straße gren­zt, mit Sorge: “Wir fürcht­en um die Wohn­qual­ität an diesem Stan­dort, wenn der Zugang zum geplanten Heim über diese Wiese erfol­gen soll.” Der Auf­sicht­srat der Genossen­schaft habe sich deshalb schriftlich mit Anfra­gen an den Lan­drat gewandt. Schon vor Jahren habe sich die Genossen­schaft um den Kauf des Nach­bar­grund­stücks beim Bun­desver­mö­gen­samt bewor­ben. Sie hätte gern ein weit­eres Wohn­haus an die Fritz-Reuter-Straße gebaut. Jet­zt seien wohl alle Chan­cen ver­flo­gen, ver­mutet Weinzierl. Den Stan­dort für das Zuwan­der­erheim hält er für ungeeignet: “Wir sind der Mei­n­ung, dass eine solche Ein­rich­tung nicht ins Zen­trum der Stadt gehört. Nicht nur unsere Mieter fürcht­en um ihre Ruhe. Das Ober­stufen­zen­trum mit seinen Tausenden Schülern kann auch zu Kon­flik­ten führen.” Siegfried Jen­dreizik betont, grund­sät­zlich keine Vor­be­halte gegenüber Asyl­be­wer­bern zu haben. Doch sagt er sich, wenn erst ein­mal das Tor im Zaun offen ste­he, wür­den auch hun­derte OSZ-Schüler über das Grund­stück zur Schule ziehen. 

Edel­gard Neukirch vom So­zialpark Märkisch-Oder­land, der das Heim betreiben soll, ist offen für die Bedenken der Anwohn­er: “Wir wer­den, wenn das Haus eröffnet ist, einen Tag der offe­nen Tür ver­anstal­ten und die Bürg­er dazu ein­laden.” Im direk­ten Gespräch könne man Vor­be­halte am besten abbauen. Wann das sein wird, hänge unter anderem von der Genehmi­gung der Umwid­mung ab. Der So­zialpark hat schon in den Umbau der früheren Behörde zur Wohn­stätte investiert. Jet­zt seien noch Aufla­gen in arbeitss­chutz- und brand­schutzrechtlich­er Hin­sicht zu erfüllen. 

Der Sozial­park kehrt mit dem Heim an eine frühere Wirkungsstätte zurück. Die kleine Vil­la neben dem Amts­ge­bäude war einst sein Sitz.

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