10. Juni 2005 · Quelle: MOZ

Zwischen Unkraut und Schmierereien

(Ste­fan Lötsch, MOZ) Fürsten­walde — Das Unkraut sprießt, der Beton ist teil­weise beschmiert, lange lag ein ver­rot­teter Kranz im Blu­men­beet, die Feuer­schalen sind ver­rostet, die Gewächse im Hochbeet keine Freude: Die Grab­stät­ten für rus­sis­che Gefal­l­ene samt Gedenkstätte auf den Ottomar-Geschke-Platz sind keine Zier, Abhil­fe auf abse­hbare Zeit nicht in Sicht. Für die Sanierung, für die es schon fer­tige Pläne gibt, fehlt das Geld. 

Im Gegen­satz zur auf Hochglanz raus­geputzten Süd­spitze — der heutige Platz am Stern — führt die Nord­spitze des Ottomar-Geschke-Platzes ein Aschen­put­tel-Dasein. Lediglich bei Gedenk­feiern, wie zum Beispiel kür­zlich zum Kriegsende am 8. Mai, kommt die Fläche in den Blick — und das eher neg­a­tiv. So machte Maria Meinl (PDS) jüngst im Stad­ten­twick­lungsauss­chuss darauf aufmerk­sam, dass die Gedenkstätte einen sehr unor­dentlichen und ungepflegten Ein­druck mache. 

Dabei han­delt es sich nicht nur — je nach Geschmack — um ein architek­tonisch nicht son­der­lich gelun­ge­nes Denkmal, son­dern um eine Grab­stätte. In den Hochbeeten an der Seite zur Dr.-Wilhelm-Külz-Straße liegen 366 Sol­dat­en der Roten Armee begraben, die beim Kämpfen um Fürsten­walde gefall­en sind. Das städtis­che Wegeleit­sys­tem macht darauf nicht aufmerk­sam, lediglich wer rus­sisch kann, erfährt weniges darüber auf dem Stein. 

Are­als und Grab­stellen wer­den regelmäßig gepflegt, sagt Stadt-Sprecherin Anne-Gret Trilling. Laut Pflege­plan ist der Betrieb­shof im Auf­trag der Stadt von März bis Sep­tem­ber jew­eils in der 2. Woche auf dem Geschke­platz unter­wegs, um dort zu reini­gen und zu pflegen. 

Eine generelle Umgestal­tung des Platzes und der Anlage ist der­weil in näch­ster Zeit nicht zu erwarten. Zwar gibt es fort­geschrit­tene Pläne, die auch schon im Stad­ten­twick­lungsauss­chuss vorgestellt wur­den. Unter anderem sollte die hässliche Beton­wand zur Robert-Have­mann-Straße hin ver­schwinden, eben­so die Tribüne vor der Mauer. Für die Real­isierung fehlt aber das Geld. Eine Umbet­tung der sterblichen Über­reste kommt allerd­ings nicht infrage, dage­gen hat­ten sich die zuständi­gen Stellen ausgesprochen. 

Ins­ge­samt 2114 Gefal­l­ene des 2. Weltkrieges sind an fünf Stellen in der Stadt Fürsten­walde beerdigt, weiß Gün­ter Kuhn, Super­in­ten­dent i.R und Mit­glied im Volks­bund Deutsche Kriegs­gräber­für­sorge. Der größte Sol­daten­fried­hof mit 668 Sol­dat­en, aber auch Zivilis­ten, ist an der Hegel­straße. Dort find­en auch jährlich zum Volk­strauertag Ver­anstal­tun­gen statt. 

Daneben liegen rund 500 Sol­dat­en der Roten Armee im Stadt­park. 408 deutsche Sol­dat­en und 141 ander­er Nation­al­itäten sind auf dem “Sol­daten­berg” auf dem Neuen Fried­hof bestat­tet. Erst vor eini­gen Jahren hat­te Gün­ter Kuhn noch auf dem Süd-Fried­hof ein Grab mit 17 Toten ent­deckt, darunter auch Soldaten.

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