2. Dezember 2004 · Quelle: Tagesspiegel

Anklage wegen rassistischem Mordversuch

Pots­dam – Es war offen­bar nur ein glück­lich­er Zufall, dass der Afrikan­er mit dem Leben davonkam. Am frühen Mor­gen des 18. Juli 2004 stach in Brandenburg/Havel ein Mann dem Keni­an­er eine abge­broch­ene Bier­flasche in den Hals; die Schla­gad­er wurde knapp ver­fehlt. Die Staat­san­waltschaft Pots­dam hält den Angriff für ver­sucht­en Mord – und hat jet­zt eine entsprechende Anklage gegen den Tatverdächti­gen erhoben. Der 26 Jahre alte Torsten Z. war zur Tatzeit Ober­feld­webel der Bun­deswehr und wurde noch am Abend des 18. Juli in sein­er Kaserne in Nieder­sach­sen festgenom­men. Die Staat­san­waltschaft geht davon aus, dass Torsten Z. nach der Tat von Bran­den­burg nach Nieder­sach­sen fuhr, als sei nichts geschehen. Den Angriff auf den 28-jähri­gen Flüchtling habe Z. „aus frem­den­feindlich motiviert­er Wut” verübt. 

Eine zweite Anklage richtet sich gegen einen Bekan­nten von Z., den 30 Jahre alten Arbeit­slosen Andreas R. Ihm hält die Staat­san­waltschaft gefährliche Kör­per­ver­let­zung, Nöti­gung und Belei­di­gung vor. Warum die bei­den Tatverdächti­gen mit dem Asyl­be­wer­ber und einem keni­an­is­chen Lands­mann in der Diskothek „Piephahn” aneinan­der geri­eten, ist unklar. Andreas R. wurde erst mehrere Wochen nach der Tat ermit­telt und befind­et sich auf freiem Fuß. Wie Fam­i­lien­vater Torsten Z. war auch R. der Polizei vor den Ermit­tlun­gen zu der Attacke gegen den Afrikan­er nicht aufgefallen. 

Die Tat vom 18. Juli ist nur ein Beispiel für die weit­ere Zunahme aus­län­der­feindlich­er und son­stiger rechter Gewalt. In den ersten neun Monat­en 2004 hat die Polizei bere­its 75 ein­schlägige Gewalt­de­lik­te reg­istri­ert (2003 ins­ge­samt: 87). 111 Per­so­n­en seien von Jan­u­ar bis Sep­tem­ber ver­let­zt wor­den, antwortete Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm (CDU) kür­zlich auf eine par­la­men­tarische Anfrage. 

Die Gesamtzahl aller recht­en Straftat­en vom Jan­u­ar bis Sep­tem­ber war mit 720 so hoch, dass für das kom­plette Jahr 2004 eine ähn­lich harte Bilanz wie 2003 zu befürcht­en ist: Damals meldete die Polizei 993 rechte Delikte. 

Mehr Infos über den Angriff auf infori­ot gibts hier:

Angriff auf den Hals

Bran­den­burg­er wegen ver­sucht­en Mordes festgenommen

Feld­webel nach Angriff auf Keni­an­er verhaftet

Angriff auf Keni­an­er: Mit­täter noch flüchtig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Beiträge aus der Region

Die heuti­gen Veröf­fentlichun­gen von Frag­Den­Staat, rbb und dem ARD-Poli­tik­magazin Kon­traste führen vor Augen, zu welchen frag­würdi­gen Mit­teln das Bran­den­burg­er Innen­min­is­teri­um greift, um den Bau eines  Abschiebezen­trums am BER durchzusetzen.
Das Bünd­nis “Abschiebezen­trum BER ver­hin­dern” startet heute (04.07.2022) eine
Online-Aktionswoche gegen “Hard­er und Part­ner” – der Abschiebein­vestor soll das
geplante Abschiebezen­trum am Flughafen BER bauen.
An die Evan­ge­lis­che Kirche: Ver­ant­wor­tung JETZT. Protest entkrim­i­nal­isieren! Aufruf zur Demo “Gar­nisonkirche stop­pen”: Dien­stag, 7. Juni, 17 Uhr Start Am Grü­nen Git­ter 1, Frieden­skirche / Sitz des Ev. Kirchenkreis­es Potsdam 

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot