16. August 2013 · Quelle: Auf Bewährung

Auf Bewährung

Mecklenburger Band im Brandenburger Verfassungsschutzbericht

Im kür­zlich veröf­fentlicht­en Ver­fas­sungss­chutzbericht des Lan­des Bran­den­burg, heißt es unter der Rubrik „Hass-Musik im Extrem­is­mus – 2.2 Musik mit link­sex­trem­istis­chen Bezü­gen“:

„Auf Bewährung“ (Meck­len­burg-Vor­pom­mern) trat 2012 vier­mal in Bran­den­burg auf. Im April in Luck­en­walde (TF), im Mai in Neu­rup­pin (OPR), im Okto­ber in Cot­tbus und im Dezem­ber in Pots­dam. Auch diese Punkrock­band hat auf ihrem Ton­träger „Sturmwar­nung“ (2009) den ungezählten „All cops are bastards“-Songs ihre Vari­ante unter dem Titel „1312 (Hass wie noch nie)“ hinzuge­fügt:
„Wasser­w­er­fer, Trä­nen­gas tagtäglich hier in diesem Land / Mein Fre­und und Helfer wird zum Feind, das hab ich längst erkan­nt. / Es geht um meine Sicher­heit, die tun nur ihre Pflicht. / Doch ich bin mir sich­er, sich­er bin ich nicht. / (Refrain) Hass, Hass, Hass wie noch nie. / All cops are bas­tards, ACAB / Hass, Hass, Hass wie noch nie. / All cops are bas­tards, ACAB / ACAB, ACAB.“

So sehr es uns auch „ehrt“ als kleine Punkband eine solche Aufmerk­samkeit zu bekom­men, umso mehr kotzt uns die Erwäh­nung in diesem Bericht auch an. Nach­dem die Band FEINE SAHNE FISCHFILET in den Jahren 2011 und 2012 bere­its im Ver­fas­sungss­chutzbericht Meck­len­burg-Vor­pom­mern abge­fer­tigt wurde (sollte ja nie­man­dem ent­gan­gen sein, anson­sten google befra­gen oder sich dieses State­ment zu Gemüte führen), geht die Demon­tierung dieser Behörde auch in anderen Bun­deslän­dern weit­er. Der VS Bran­den­burg scheint sich sehr auf Punk-Bands spezial­isiert zu haben, denn als wäre es nicht schon absurd genug eine Band wie uns in ihren Bericht aufzunehmen, die bis auf ein paar Konz­erte gar nicht aktiv in ihrem Bun­des­land in Erschei­n­ung tritt, müssen auch noch andere Bands wie PESTPOCKEN, GLEICHLAUFSCHWANKUNG und KLARTEXT her­hal­ten, die z.T. eben­falls keinen bis wenig Bezug zu Bran­den­burg besitzen.
Während uns eine Vier­tel­seite gewid­met wird, wer­den aktive Neo-Nazi-Bands, die Ein­deutig den Holo­caust leug­nen, lediglich am Rand erwäh­nt.

Bere­its vor einiger Zeit haben wir bezüglich „1312 (Hass wie noch nie)“ für das Friedens­fes­ti­val Ost­fries­land fol­gen­des State­ment geschrieben:

Zum Lied „1.3.1.2.“ ist zu sagen, dass es etwa im Jahre 2008 ent­stand und auf unserem mit­tler­weile ver­grif­f­e­nen ersten Album veröf­fentlicht wurde. Trotz der Phrase „Don‘t fight for your coun­try, fight for your class!“, fand das Lied durch die Stelle „als Fußball­fan im Sta­dion, da bist du eh ver­has­st – zur Strafe geht’s für dich schon vor dem Spiel in‘n Knast“ regen Anklang in der poli­tisch eher recht­en Fußball­szene unser­er Region. Darum haben wir uns vor einiger Zeit vehe­ment dage­gen gewehrt, diesen Song von solchen Leuten instru­men­tal­isieren zu lassen. Es ist keineswegs der Sound­track zum „Krawall­touris­mus“, ganz im Gegen­teil. Es ist ein Lied GEGEN die Gewalt, die uns als poli­tis­che Men­schen, Punkrock­er und auch Sta­diongänger durch die „Staats­GE­WALT“ ent­ge­genge­bracht wurde und wird. Durch Willkür und Unrecht­mäßigkeit dreht der Staat, in Gestalt der Polizei, an ein­er unkon­trol­lier­baren Gewalt­spi­rale, die es aufzuhal­ten gilt. Kleinere Aktio­nen, wie zivil­er Unge­hor­sam oder die ange­sproch­enen Sitzblock­aden auf Neon­azi-Aufmärschen, führen dabei schon zum Erfolg. In jüng­ster Ver­gan­gen­heit, haben wir dieses Lied häu­fig dem deutschen Ver­fas­sungss­chutz und den Patzern bei den NSU-Ermit­tlun­gen gewid­met. Es kann in unseren Augen ein­fach nicht ange­hen, dass diese Behörde in unserem Bun­des­land beispiel­sweise der oben zitierten Band FEINE SAHNE FISCHFILET in ihrem Bericht mehr Platz ein­räumt, als dem NSU, der nach­weis­lich mind. einen Mord in diesem Bun­des­land began­gen hat (vgl.: http://www.publikative.org/2012/10/13/komplett-im-visier-des-verfassungsschutzes/). Diese und andere Aktio­nen schüren eine Gewisse Art von „Hass“ in uns, die wir ver­suchen, durch dieses Lied zu kanal­isieren, Leute aufzurüt­teln und evtl. zum Nach­denken zu bewe­gen.
Oben­drein gilt zu erwäh­nen, dass wir das Lied im Jahre 2012 mit verän­dertem Text neuaufgenom­men haben, um ein State­ment zu recht­sof­fe­nen Bands und der soge­nan­nten Grau­zo­nen-Debat­te inner­halb der Punk-Szene abzugeben.

Als wäre diese Aus­sage unser­er­seits eine Art Vorah­nung, set­zt unsere Erwäh­nung im Ver­fas­sungss­chutzbericht Bran­den­burg dem Ganzen noch die Kro­ne auf. Wir wollen gar nicht erst davon reden, wie schlecht der Ver­fas­sungss­chutz des Lan­des Bran­den­burg arbeit­et, denn von den von ihnen erwäh­n­ten 4 Konz­erten, haben wir lediglich 3 gespielt, das Konz­ert in Neu­rup­pin hat 2012 für uns gar nicht stattge­fun­den (was mit ein paar Klicks auf dieser Seite auch nachzu­vol­lziehen gewe­sen wäre). Der Ver­fas­sungss­chutz kann also nicht ein­mal richtig aus dem Inter­net abschreiben.

Wir wer­den uns nun mit unserem Anwalt berat­en und uns weit­ere Hand­lungswege offen­hal­ten. Zur „Feier“ des Tages kön­nt ihr HIER das Album mit dem betr­e­f­fend­en Song KOSTENLOS herun­ter­laden.

Um es mit den Worten von Feine Sahne Fis­chfilet zu sagen: „Eine Behörde, die Nazistruk­turen auf­baut, Ras­sis­ten hofiert, nach dem Öffentlich­w­er­den des NSU ihre Akten­ver­nichter glühen ließ und Antifaschis­tis­che Pro­jek­te weit­er­hin krim­i­nal­isiert, gehört abgeschafft. Dies ist und bleibt so!“

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