16. Februar 2013 · Quelle: Inforiot

Blockaden stoppen Nazigedenkmarsch in Cottbus

200 Neonazis scheitern an Protesten von "Cottbus Nazifrei"

INFORIOT Der jährliche Auf­marsch der NPD zum Jahrestag der Bom­bardierung der Stadt Cot­tbus im 15. Feb­ru­ar 1945 wurde in diesem Jahr zum ersten Mal erfol­gre­ich block­iert. In den Vor­jahren hat­ten Antifaschist_innen die NPD-Demon­stra­tio­nen immer wieder gestört. Dies­mal endete der Demon­stra­tionszug am Fre­itagabend nach nur 800 Metern. Teilgenom­men hat­ten 200 Neon­azis.

Es kam nach Polizeiangaben zu ein­er Gewahrsam­nahme, als am Bahn­hof ein Rechter mit zwei Schreckschusspis­tolen bewaffnet und ein­er Hak­enkreuztä­towierung aufge­fall­en war.

Block­aden an mehreren Punk­ten

Mehrere hun­dert Men­schen fol­gten dem Aufruf des Bünd­nis “Cot­tbus Naz­ifrei” und ver­stell­ten durch eine ganze Rei­he von Block­aden an ver­schiede­nen Stellen die Route der Neon­azis.

Zuvor protestierten “Cot­tbus Naz­ifrei” und das Bünd­nis “Cot­tbuser Auf­bruch” zusam­men mit vie­len weit­eren Antifaschist_innen unter dem Mot­to “Cot­tbus beken­nt Farbe” gegen die Nazidemon­stra­tion. Ins­ge­samt beteiligten sich an den Protes­tak­tio­nen 2500 Men­schen, teil­ten die Veranstalter_innen mit. An den eigentlichen Block­aden waren etliche hun­dert Men­schen beteiligt.

Weniger Gedenken, mehr Het­ze

Angemeldet hat­te die NPD-Demon­stra­tion der Cot­tbuser Neon­azi Ron­ny Zasowk, Vizechef der Bran­den­burg­er NPD und Vor­sitzen­der des Kreisver­ban­des Lausitz. Er wurde begleit­et durch andere NPDler der Region wie Alexan­der Bode (dem Haupt­täter der tödlichen Het­z­jagd von Guben 1999), Markus Noack (Kreistagsab­ge­ord­neter) und Pierre Dorn­brach (JN-Lan­des­beauf­tragter).

Bere­its im Vor­feld hat­te Ron­ny Zas­wok ver­sucht, den Gedenkmarsch auf der NPD-Inter­net­seite als Erfolg zu verkaufen. Durch die medi­ale Berichter­stat­tung sei das Datum der Bom­bardierung in das Bewusst­sein der Bevölkerung gerückt.

NPD fühlt sich ver­sklavt

Während der Demon­stra­tion schwank­te er und verkaufte den Abend mal als Erfolg (man habe “Deu­tung­shoheit” erlangt), mal als Nieder­lage. Er lamen­tierte über die “linksradikale Presse”, die “Link­sex­trem­is­ten” und die “Krim­inellen” in Poli­tik und Ver­wal­tung — er füh­le sich als “Sklave”, der zur “Baum­wollplan­tage geführt werde”. Die Stil­isierung als “Opfer”, “Ver­fol­gte” und “Geächtete” eines “total­itären Regimes” aus Staat und Medi­en zog sich durch sämtliche Rede­beiträge.

Rechte Wut über die Block­aden

Auf­grund der Block­aden endete die Route der Neon­azis nach vier Stun­den an der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße  Ecke Friedrich-Engels-Straße. Die Teil­nehmenden stell­ten sich im Kreis auf. In der Mitte wur­den Fack­eln hochge­hal­ten, solange die Rede­beiträge ver­lesen wur­den. Zuvor waren die Neon­azis schweigend, begleit­et von klas­sis­ch­er Musik durch die Straßen gelaufen.

Die Demon­stra­tion wurde von Ron­ny Zasowk, sichtlich wütend wegen der erfol­gre­ichen Block­aden, aufgelöst. Im gle­ichem Atemzug meldete er eine Spon­tandemon­stra­tion an, die zurück zum Bahn­hof führte.

Unter­stützung aus Sach­sen

Bere­its zwei Tage zuvor hat­ten 800 Neon­azis in der Säch­sis­chen Haupt­stadt Dres­den einen Gedenkmarsch anlässlich des 68. Jahrestages der Bom­bardierung der Stadt Dres­den durch­führen wollen. Auch dort: Block­aden ver­hin­derten den Nazi­plan.

Unter­stützung beka­men die Cot­tbuser Neon­azis dann auch aus Sach­sen: Angereist war Maik Schef­fler, Vizevor­sitzen­der der NPD Sach­sen und Chef des Neon­azinet­zw­erkes “Freies Netz”, der zum Ende des Auf­marsches einen Rede­beitrag beis­teuerte.

Er het­zte gegen “das Sys­tem”, das ihn und seine “Kam­er­aden” zu Unrecht als “Ter­ror­is­ten” betiteln würde, gegen die alli­ierten und sow­jetis­chen Armeen sowie “die Linkskrim­inellen”. Kein Sys­tem beste­he auf Dauer, so Schef­flers viel sagende Ankündi­gung zum Abschluss.

Eben­so wurde ein Gruß­wort von Maik Müller, Anmelder des Dres­den-Gedenkens, ver­lesen, auch die Kam­er­ad­schaft Leipzig-Möck­ern war mit einem Trans­par­ent vertreten.

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