4. März 2016 · Quelle: Inforiot

Das sind die Verdächtigen aus Nauen

Tatverdächtige wegen rechter Anschläge in Nauen

Tatverdächtige wegen rechter Anschläge in Nauen


INFORIOT Der Ter­rorver­dacht gegen den Nauen­er NPD-Poli­tik­er Maik Schnei­der hat sich aus­geweit­et. Ihm und vier bis fünf weit­eren Neon­azis wer­den inzwis­chen mehrere Bran­dan­schläge zugerech­net, darunter auch jenen auf eine Turn­halle in Nauen, die als Unterkun­ft für Geflüchtete genutzt wer­den sollte. Die Staat­san­waltschaft beschuldigt einige oder alle der Verdächti­gen der Bil­dung ein­er krim­inellen Vere­ini­gung. Auch Ermit­tlun­gen wegen der Bil­dung ein­er ter­ror­is­tis­chen Vere­ini­gung wer­den geprüft. Erst am Dien­stag wur­den mehrere Razz­ien in Nauen, Pots­dam und Schön­walde-Glien durchge­führt. Maik Schnei­der, der als führen­der Neon­azi in der Region gilt, sitzt seit­dem in Unter­suchung­shaft.
Laut Infor­ma­tio­nen der PNN wer­den den mut­maßlichen Täter_innen neben dem Bran­dan­schlag auf die Turn­halle mehrere Anschläge auf Autos von poli­tis­chen Gegner_innen sowie Angriffe auf ein Parteibüro der Partei Die Linke (eine Auflis­tung aller Anschläge in Nauen find­et sich eben­falls bei der PNN) zugerech­net. Mitte Feb­ru­ar wur­den in Nauen Flug­blät­ter verteilt, in denen zum „absoluten Wider­stand“ gegen Geflüchtete aufgerufen wurde und Anschlagsan­leitun­gen abge­druckt waren. Weit­er­hin wird den Angaben zufolge ermit­telt, ob es Verbindun­gen von Schnei­der und sein­er Gruppe zum Anschlag auf einen Flüchtlingstr­e­ff­punkt in Jüter­bog gibt. Schnei­der hat­te nur Stun­den vor dem Anschlag eine ras­sis­tis­che Demon­stra­tion in der Stadt ange­führt.
Das sind die Verdächti­gen:
Maik Schnei­der, Jahrgang 1987, ist aus­ge­bilde­ter Erzieher und sitzt für die NPD in der Nauen­er Stadtverord­neten­ver­samm­lung. Er ist seit vie­len Jahren Organ­isator von und Red­ner bei Neon­azi­aufmärschen. Als Aktivist der „Freien Kräfte Neuruppin/ Osthavel­land“ hält er enge Kon­tak­te in das neon­azis­tis­che Kam­er­ad­schaftsspek­trum. Schnei­der fiel in der Ver­gan­gen­heit mehrfach am Rande von Demon­stra­tio­nen auf, entwed­er um als unschein­bar­er Pas­sant Gegendemonstrant_innen auszuhorchen oder Ver­samm­lun­gen zu stören. Er ver­suchte zusam­men mit Berlin­er Neon­azis an ein­er Tier­rechts­demon­stra­tion in Berlin teilzunehmen.
Maik Schneider (Screenshot Facebook)

Maik Schnei­der (Screen­shot Face­book)


Der 28-jährige Nauen­er Den­nis W., der als Teil­nehmer von Neon­aziver­samm­lun­gen aufge­fall­en ist, wurde am Fre­itagvor­mit­tag in Nauen festgenom­men, nach­dem die Polizei ihn am Dien­stag nicht antraf, um den Haft­be­fehl zu vol­lziehen. Seinem Face­bookpro­fil nach zu urteilen, inter­essiert sich W. für Tätowierun­gen und Dro­gen. Der Polizei ist er als Kleinkrim­ineller bekan­nt.
Dennis W. (Screenshot Facebook)

Den­nis W. (Screen­shot Face­book)


Frauke K. wurde inzwis­chen aus der Unter­suchung­shaft ent­lassen. Die 22-jährige, die offen­bar ursprünglich aus Pots­dam stammt, kön­nte eben­falls an einem Bran­dan­schlag auf ein Auto beteiligt gewe­sen sein. Anhand ihres Face­book-Pro­fil lassen sich per­sön­liche Verbindun­gen zu Neon­azis nachvol­lziehen. Nach ein­er Mel­dung der MAZ sei der Tatver­dacht gegen Frauke K. weniger hart als gegen die anderen Verdächti­gen, es könne sein, dass sie “kein Mit­glied der Grup­pierung” sei.
Frauke K. (Screenshot Facebook)

Frauke K. (Screen­shot Face­book)


Christo­pher L. und Chris­t­ian B. sind als Neon­azis bekan­nt und schmück­en sich auf ihren Face­book­seit­en mit Fotos von Neon­aziver­samm­lun­gen. L. hat­te vor ein­er Anti­flüchtlings­demon­stra­tion im Juli 2015 in Frankfurt/Oder kom­men­tiert, dass er sich auf eventuelle Gegendemonstrant_innen freue und dazu ergänzt: “Sport frei!”. Ihm wer­den Verbindun­gen zur neon­azis­tis­chen “Europäis­chen Aktion” nachge­sagt.
Christopher L. (Screenshot Facebook)

Christo­pher L. (Screen­shot Face­book)


Christian B. (Screenshot Facebook)

Chris­t­ian B. (Screen­shot Face­book)


 
Um wen es sich bei dem sech­sten Verdächti­gen han­delt, der in Presse­bericht­en erwäh­nt wird, ist zurzeit nicht bekan­nt. Ob und wieviele weit­ere Per­so­n­en neben den schon bekan­nten fünf an den Anschlä­gen beteiligt waren, wird von den Ermit­tlungs­be­hören geprüft. Neben Schnei­der sollen auch andere Verdächtige Mit­glieder der neon­azis­tis­chen NPD ein. Gegen die Partei läuft bekan­ntlich derzeit ein Ver­botsver­fahren bei Bun­desver­fas­sungs­gericht in Karl­sruhe. Laut der Linkspartei-Poli­tik­erin Andrea Johlige soll die Gruppe über den Mes­sen­ger­di­enst “What­sApp” kom­mu­niziert haben.
CDU-Mann ver­harm­lost ras­sis­tis­che Gewalt
Für Empörung haben der­weil Äußerun­gen des Havel­län­der CDU-Kreistagsab­ge­ord­neten Mike Krüger gesorgt. Auf Face­book schrieb dieser, dass es sich bei den Vor­wür­fen gegen die Neon­azis um eine “übliche Vorverurteilung“ han­deln kön­nte, dass tat­säch­lich “Frem­den­feindlichkeit” bei den Tat­en keine Rolle gespielt hätte. Er mut­maßte in Hin­blick auf den Bran­dan­schlag auf das Auto eines pol­nis­chen Mannes: “Vielle­icht hat der Pole sein­er Fre­undin nur an den Arsch gefasst und unser brauner Fre­und ist aus­get­ickt.”
AfD — “Return to Sender”
Eine Gruppe von linken Aktivist_innen hat indes in Berlin Über­reste der aus­ge­bran­nten Nauen­er Turn­halle vor der Tür des Berlin­er Büros der Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD) geschüt­tet. Nicht nur die NPD, son­dern auch die AfD sei “Brand­s­tifter in Nadel­streifen und Laut­sprech­er der Gewalt in einem”, heißt es von den Aktivist_innen. Nauen ste­he stel­lvertre­tend für die vie­len ras­sis­tis­chen Anschläge und Über­griff der let­zten Monate. Die Aktion ist Teil der Kam­pagne “Nation­al­is­mus ist keine Alter­na­tive”. Ein Video ist auf der Plat­tform YouTube zu find­en.
 
 
 
Maik Schneider und Dennis W. auf einer Demonstration im Juni 2015 in Nauen (Foto: Presseservice Rathenow)

Maik Schnei­der und Den­nis W. auf ein­er Demon­stra­tion im Juni 2015 in Nauen (Foto: Press­eser­vice Rathenow)


 
Christopher L. mit Drohgebärde auf einer Demonstration am 1. Mai 2015 in Neubrandenburg (Foto: Inforiot)

Christo­pher L. mit Dro­hge­bärde auf ein­er Demon­stra­tion am 1. Mai 2015 in Neubran­den­burg (Foto: Infori­ot)


Dennis W. in einem Facebook-Posting von Christian B. (Screenshot)

Den­nis W. (Bild­mitte) in einem Face­book-Post­ing von Chris­t­ian B. (Screen­shot)


"Sport Frei" gegen Nazigegner_innen: Posting von Christopher L. (Screenshot Facebook)

Sport Frei” gegen Nazigegner_innen: Post­ing von Christo­pher L. (Screen­shot Face­book)

One Reply to “Das sind die Verdächtigen aus Nauen”

  1. hermann düdelüt sagt:

    Man­man­man denkt ihr nicht, dass ihr ein biss­chen übertreibt? Nazi hier nazi da, ihr macht euch ein biss­chen unglaub­würdig und wirkt para­noid… Wohl zuviel “Iron Sky” geschaut…

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