17. Oktober 2017 · Quelle: NSU-Watch Brandenburg

Dossier: Brandenburger Neonazi Sven Sch.

Sven Sch. ist ein brandenburgischer Neonazi und war Funktionär des militanten Blood-&-Honour-Netzwerkes. Er gab Informationen unter anderem an das brandenburgische Landeskriminalamt weiter und unterhielt ein enges Verhältnis zur Polizei.

SvenSchneider-700x300Sven Sch., Jahrgang 1978, ist ein bran­den­bur­gis­ch­er Neon­azi und war Funk­tionär des mil­i­tan­ten Blood-&-Honour-Netzwerkes. Er gab Infor­ma­tio­nen unter anderem an das bran­den­bur­gis­che Lan­deskrim­i­nalamt weit­er und unter­hielt ein enges Ver­hält­nis zur Polizei. In der Neon­aziszene wurde er in der Folge als Ver­räter gemieden. Er war ver­net­zt mit Neon­azis aus Pots­dam und Umge­bung, die im Ver­dacht standen, an den Anschlä­gen der Nationalen Bewe­gung beteiligt gewe­sen zu sein.

Die Varianten Blood & Honour Brandenburg

Die Vari­anten Blood & Hon­our Brandenburg

Sven Sch. galt bis zum Ver­bot von Blood & Hon­our im Jahr 2000 als ein Anführer der Sek­tion Bran­den­burg und zudem als „Kassen­wart“ der Dachor­gan­i­sa­tion Blood & Hon­our Deutsch­land. Bei ein­er Durch­suchung sein­er Woh­nung in Bork­walde (Pots­dam-Mit­tel­mark) wurde ein Spar­buch mit 73.000 D‑Mark sichergestellt – die „Kriegskasse“ von Blood & Hon­our Deutschland.
Sch. war im Jahr 2000 an der Ver­bre­itung der ille­gal pro­duzierten und kon­spir­a­tiv ver­triebe­nen CD „Ran an den Feind“ der Neon­azi-Band Landser beteiligt. Er hat­te 500 CDs zum Weit­er­ver­trieb bestellt. Den Druck des Book­lets dieser CD hat­te der Ver­fas­sungss­chutz-V-Mann Toni Stadler organ­isiert. Im gle­ichen Jahr war Sch. an der Arbeit für den „Bran­den­burg-Sam­pler“ von Blood & Hon­our mit Bran­den­burg­er und Berlin­er Neon­azi-Bands beteiligt. Anfang 2000 war Sven Sch. zusam­men mit Ste­fan Rietz und Dirk H., zwei weit­eren Bran­den­burg­er Blood-&-Honour-Aktivis­ten auf dem Weg zu einem Neon­azi-Konz­ert in Schwe­den festgenom­men worden.
Sch. unter­hielt ein enges Ver­hält­nis zu Chris­t­ian Kö., einem Neon­azi und V‑Mann des bran­den­bur­gis­chen Ver­fas­sungss­chutzes. Zeitweise war Sch. Mit­be­wohn­er von Kö.. Seit Anfang 2000, berichtete Kö. später, habe er zudem „ver­botenes Zeug“, das Sch. gehörte, in seinem Keller „gebunkert“.
Im Rah­men des Ver­botes von Blood & Hon­our wurde auch die Woh­nung von Sch. durch­sucht. Nach dem Ver­bot von Blood & Hon­our betrieb Sch. einen Ver­sand für Neon­azi-Klei­dung und Musik, der den Namen Hate­sounds (alter­na­tive Schreib­weise: Hate Sounds) trug und in Werder (Hav­el) ein Post­fach nutzte.
Unmit­tel­bar nach dem Blood-&-Honour-Ver­bot fand in Annaburg (Land­kreis Wit­ten­berg) am 25. Novem­ber 2000 ein Konz­ert statt, gegen das die Polizei vorg­ing. Die Neon­azis hin­ter­ließen in alt­deutsch­er Schrift gesprühte Schriftzüge:BH“ und darunter der Schriftzug „Hal­lo Otto [gemeint ist Innen­min­is­ter Otto Schi­ly], trotz Ver­bot sind wir nicht tot“. Die Organ­i­sa­tion dieses Konz­ertes war über Werder (Hav­el) gelaufen.
Bei Hate­sounds wur­den unter anderem Alben der mil­i­tan­ten US-Band Blue Eyed Dev­ils und der Ros­tock­er Gruppe Nord­macht veröf­fentlicht. An den Pro­duk­tio­nen war teil­weise Sch.s Part­ner­in Karoli­na W., eine pol­nis­che Neon­azistin, beteiligt. Weil Sch. andere Neon­azis mit Aus­sagen bei der Polizei belastet haben soll, wur­den zwis­chen­zeitlich Boykot­taufrufe gegen Hate­sounds ver­bre­it­et. Sch. set­zte sich mit Stel­lung­nah­men gegen diese „Lügen“ zur Wehr.
Im Feb­ru­ar 2001 wurde Sch. vom V‑Mann Chris­t­ian Kö. tele­fonisch vor ein­er Razz­ia gewarnt, die sich gegen die bran­den­bur­gis­che Neon­aziszene richtete und die maßge­blich auch Neon­azis betraf, die wegen der Anschläge der Nationalen Bewe­gung verdächtigt wurden.
Bei der fol­gen­den Durch­suchung bei Sch. wur­den zum Teil in Corn­flakes-Schachteln ver­steck­te Entwürfe von CDs gefun­den, die sich in der Pro­duk­tion befan­den. Nach der Durch­suchung wurde seit­ens des Lan­deskrim­i­nalamts ein „guter Draht“ zu dem Neon­azi aufge­baut. Ins­beson­dere der Polizist Michael K. traf sich regelmäßig mit Sch.. Die bei­den duzten einan­der und Sch. gab Infor­ma­tio­nen aus der Neon­aziszene weit­er. Diese Tipps gin­gen unter anderem in ein Ver­fahren gegen den Neon­azi Bernd Peruch in Bay­ern und in ein Ver­fahren in Sach­sen-Anhalt ein. Im Gegen­zug beri­et K. den Neon­azi, wie dieser seinen Hate­sounds-Kat­a­log und seine CDs strafrechtlich „sauber“ hal­ten könne. Bei einem Tre­f­fen an ein­er Tankstelle nan­nte Sch. dem Polizis­ten K. einen Neon­azi, der nach seinen Infor­ma­tio­nen für die Tat­en der „Nationalen Bewe­gung“ ver­ant­wortlich gewe­sen sein soll. Auch mit dem Pots­damer Staatss­chutz stand Sch. in Kon­takt – mit einem Mitar­beit­er traf er sich min­destens 16 Mal. Trotz dieser Zusam­me­nar­beit wird von Seit­en der Bran­den­burg­er Behör­den betont, dass Sch. kein „offizieller“ V‑Mann der Polizei gewe­sen sei.
In einem Ver­merk des Lan­deskrim­i­nalamts Sach­sen-Anhalt hieß es dage­gen, dass sich Sch. „aus der Konz­ert- Organ­i­sa­tion und son­sti­gen strafrechtlich rel­e­van­ten Aktiv­itäten zurück­ge­zo­gen hat, seit er als Infor­mant für das LKA Bran­den­burg geführt wird“. Im Jahr 2002 kur­sierte im Inter­net und in der Neon­aziszene genau dieser Aktenteil.
In der Zeitschrift Der weiße Wolf wurde 2002 die fol­gende Notiz veröf­fentlicht: „Vie­len Dank an den NSU, es hat Früchte getra­gen“. In der gle­ichen Aus­gabe wurde Sch. unter der Über­schrift „V‑Männer fliegen nach und nach auf!“ als Ver­räter geoutet. Kurz darauf zog sich Sch. zurück.

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