16. April 2003 · Quelle: Frankfurter Antifas

Eine kleine Nachbetrachtung der Friedensaktivitäten in FFO

Als Plat­tform der Kriegs­geg­n­er grün­dete sich schon Ende let­zten Jahres das „Frank­furter Frieden­snetz“ welch­es sich mehr als Aktions- denn Diskus­sion­splat­tform etablierte. Die von diesem Netz organ­isierten Friedens­demos an jeden Mon­tag fan­den über­raschen­der­weise eine Rege Beteili­gung, die selb­st mit den Erfol­gen der Inva­sion­sarmeen im Irak nicht abflaute.

Pos­i­tiv festzuhal­ten bleibt mit Sicher­heit die Stim­mung auf den Kundge­bun­gen und Demos. So war ein plumper Anti­amerikanis­mus oder gar Anti­semitismus in Frank­furt (Oder) nicht zu find­en. Auch Nazis beg­in­gen nicht ein­mal den Ver­such dieses The­ma für sich zu beset­zen. Lediglich am Auftritt der NPD um Udo Voigt in Fürsten­walde am 04.04. beteiligten sich einige Frank­furter Nazis.

Mit einem Rede­beitrag unab­hängiger Antifas auf der Demo am 07.04. wurde den­noch ver­sucht, kri­tisch die (derzeit­ige) Friedens­be­we­gung zu beleucht­en. (Der Beitrag ist hier nachzule­sen).

Erfreulich aktiv in der Auseinan­der­set­zung mit dem The­ma Krieg zeigte sich das Frank­furter Friedrichs­gym­na­si­um. Die oft auch von Vertretern der Schüler­räte kri­tisierte Aus­blendung des The­mas aus dem Unter­richt fand hier nicht statt. Noch am 15.04. zogen 90 Schü­lerIn­nen und Schüler vor das Einkauf­szen­trum Oder­turm um dort im Rah­men des Kun­stun­ter­richt­es Ideen zur Zukun­ft des Irak mit­tels Krei­de auf dem Boden zu skizzieren.

Wo das Engage­ment der Lehrerschaft fehlte, han­del­ten die Schü­lerIn­nen aber auch selb­st. So zogen am 03.04. nach ein­er Mah­nwache am Karl-Liebknecht-Gym­na­si­um Schü­lerIn­nen auch ander­er Schulen zum Friedrichs­gym­na­si­um, an dem spon­tan eine Kundge­bung auf dem Schul­hof abge­hal­ten wurde. Dort beschlossen die ca. 500 Schulschwänz­erIn­nen dann gemein­sam und auf der Strasse (selb­stver­ständlich unangemeldet) zum Rathaus zu ziehen. Die her­beigerufene Bürg­er­meis­terin Kat­ja Wolle, Stadtverord­neten­vorste­her Frank Ploß und der PDS Abge­ord­nete Frank Ham­mer begrüßten in spon­ta­nen Reden so viel Eige­nen­gage­ment.
Par­al­lel dazu sam­melte die Ini­tia­tive “Schüler für den Frieden” vom Liebknecht Gym­na­si­um unter dem Mot­to: “Macht Euch stark — denkt nach” Spenden an den Frank­furter Gym­nasien. Dabei kamen über 1000 Euro zusam­men.

Ins­ge­samt wurde der Irak Krieg sehr bre­it the­ma­tisiert. So befasste sich ein­er­seits ein Kinder­garten mit dem The­ma Frieden und bastelte Frieden­stauben. Ander­er­seits pflanzte der Lions Club mit Ober­bürg­er­meis­ter Patzelt (CDU) eine Friedene­iche unter der die Frank­fur­terIn­nen zukün­ftig bei entsprechen­den Anlässen ihren Friedenswillen artikulieren sollen.

Einen denkbar schlecht­en Zeit­punkt wählte die deutsche Marine, die mit ihrer gle­ich­nami­gen Ausstel­lung vom 09.–10.04. in Frank­furt weilte. So war es sich­er auch der welt­poli­tis­chen Sit­u­a­tion geschuldet das sich das Frieden­snetz zu ein­er Kundge­bung gegen das Wer­ben fürs Ster­ben am Oder­turm aufraffte. Uner­wartet schwach blieb dann doch der Zus­trom zu den Uni­formierten, für deren Ver­losun­gen sich immer nur höch­stens 15 Leute vor ihrer Bühne ver­sam­melten. Als sehr gelun­gen darf sicher­lich die Beschal­lung der Marine mit Kriegslärm beze­ich­net wer­den. Der anhal­tende Flu­galarm mit schw­erem Beschuss gehört jeden­falls eben­so zur Marine wie auf Hochglanz polierte Fre­gat­ten.

In guter Erin­nerung wird die Marine sich­er auch dem Frank­furter Rathaussprech­er bleiben. Er hat­te in der lokalen MOZ die Arbeit der Blaumän­ner als “segen­sre­ich” beze­ich­net und ihnen angesichts der Proteste der Frieden­snet­zes zugesichert, die Stadt ste­he zur Bun­deswehr. Offen­bar aus diesem Anlass lan­de­ten daraufhin Fäkalien mit der Botschaft “Frank­furt scheißt aus die Bun­deswehr — für Her­rn Heinz-Dieter Wal­ter” in den Räum­lichkeit­en des Rathaus­es (siehe hierzu: Presse­berichte).

(Infori­ot) Ergänzend siehe beispiel­sweise die Presse­berichte zur Men­schen­kette von Frank­furt nach Slu­bice ende März, zur von 800 Frank­furtern unterze­ci­h­neten Antikriegsres­o­lu­tion, sowie weit­ere Antikriegs-Impres­sio­nen von Frank­furter Antifas im Feb­ru­ar.

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