12. September 2013 · Quelle: Inforiot

JA, wir sagen NEIN!“

Die Partei DIE PARTEI, politischer Arm des Magazins Titanic, rief am 11. September zu einer Demonstration in Potsdam auf

INFORIOT — Etwa 100 Men­schen fol­gten an diesem nebe­li­gen Mittwoch dem Aufruf der PARTEI und fan­den sich 18.00 Uhr am Platz der Ein­heit ein.

9/11 nev­er again!“ lautete der Slo­gan auf den Plakat­en im Vor­feld der Demon­stra­tion. Die PARTEI ent­larvt den geplanten Anschlag auf die Twin-Tow­ers Pots­dams. Der Nord-Turm (das Haus des Reisens) fiel bere­its 2009, dem Süd­turm (das ehe­ma­lige Inter­ho­tel, das Hotel Mer­cure) soll bald das gle­iche wider­fahren. Seit Jahren plant die Stadt das 1969 erbaute Hotel zu kaufen und es dann abreißen zu lassen. Als Kopf der Ver­schwörung benen­nt die PARTEI Ober­bürg­er­meis­ter „Osama bin Jakobs“.

Ob Al-Quai­da oder SPD - WIR SAGEN NEE!“

Der erste Halt des Demon­stra­tionszuges war am ground zero Pots­dams, der Bau­grube des abgeris­se­nen Haus des Reisens. Dort wur­den Trans­par­ente ange­bracht und Blu­men, Grabkerzen sowie Kuscheltiere niedergelegt. Inter­ho­tel und Haus des Reisens – das klingt nach Weltof­fen­heit, nach Inter­na­tion­al­ität, die den Verschwörer_innen, die die Mod­erne has­sten, nicht in den Kram passe, so die PARTEI. Somit träten sie in die Fußstapfen ver­schieden­er extrem­istis­ch­er Organ­i­sa­tio­nen, wie al-Quai­da oder der katholisch-evan­ge­lis­chen Kirche. „Wir sehen, dass Frem­den­hass das grundle­gende Bindeglied aller extrem extrem­istis­chen Extrem­is­men ist.“

Das Stadtschloss — ein Exem­plar der Gat­tung: Wieder­aufge­baut.

Als zur Linken der Demon­stra­tion das Pots­damer Stadtschloss erschien, wies die Sprecherin der PARTEI darauf hin, dass das mit Steuergeldern gebaute Gebäude keineswegs allein von weni­gen reichen Preußen­fans der Stadt, die „durch Beten, Labern und Computerdaddeln“(gemeint sind Bischof Huber, Jauch und Plat­tner) ihren Leben­sun­ter­halt bestre­it­en, möglich gemacht wurde. Außer den Steuerzahler_innen sei es unter anderem der „Mul­ti-Zil­lionär“ Plat­tner, der „einen Prunk­bau, den nie­mand braucht und nie­mand gewollt hat“ finanziere.

Neben ethisch ver­w­er­flichen Aspek­ten, beispiel­sweise dem, dass in afrikanis­chen Kupfer­mi­nen Kinder für Pots­dams his­torische Innen­stadt schufteten, warf die PARTEI die Frage danach auf, wie viel das Neue mit dem Alten zu tun hat. Unter den Demonstrationsteilnehmer_innen war Einigkeit zu spüren: „Die Fundis dieser Stadt bauen sich Häuser und Geschichts­bilder, die mit der wirk­lichen Geschichte soviel zu tun haben, wie David Has­sel­hoff mit dem Mauer­fall.“

Das Inter­ho­tel als Grab­stein für das Stadtschloss

In Sichtweite sahen die Demon­stri­eren­den schon das Hotel Mer­cure, den übrig gebliebe­nen der bei­den Zwill­ings-Türme.

Dazu die PARTEI: „Sie sagen er sei hässlich! Er zer­störe das Pots­damer Stadt­bild. Und damit mögen sie recht haben! Doch welch­es Stadt­bild wird denn hier zer­stört? Das längst ver­gan­gen geglaubte, im Gedächt­nis des aufgek­lärten DDR-Bürg­ers langsam verblich­ene Bild von Pots­dam als Hort des Mil­i­taris­mus und der Unter­drück­ung.“

Grund für das tal­ibaneske Ver­hält­nis zur Baukul­tur sei laut der PARTEI schlicht Penis­neid. „Denn solange dieses Bauw­erk ste­ht, solange wer­den sie nicht den Län­geren haben.“ Diese Sorge hätte sich mit dem Wieder­auf­bau des 88m hohen Turms der Gar­nisonkirche erledigt.

Die geplante Schweigeminute für alle hohen Häuser der Stadt und die sym­bol­is­che Men­schen­kette wur­den von der Polizei unter­sagt, da diese keinen Halt vor dem ehe­ma­li­gen Inter­ho­tel duldete. So mussten die PARTEI-Anhänger_in­nen gehend dem Song „only time“(Enya) lauschen.

Diese Stadt, die Plazen­ta des Bösen, der Brutkas­ten Preußens, die Mut­ter­brust der Nazis, diese Stadt wollen sie wieder aufleben lassen.“

Let­zte Sta­tion des PARTEI-Marsches war die Bau­grube der geplanten Kopie der Gar­nisonkirche, in der sich 1933 Hilter und Hin­den­burg die Hand reicht­en. Jakobs, so die PARTEI könne seinen Tag von Pots­dam kaum noch erwarten. Die eigentlich Poli­tik unser­er Stadt find­et im ver­gold­e­ten Hin­terz­im­mer statt, wo sich abwech­sel­nd aus der Bibel und „mein Kampf“ vorge­le­sen würde, hieß es weit­er.

Vor kurzem sagte der Bund 12 Mil­lio­nen Euro für den Wieder­auf­bau zu und auch promi­nente Befürworter_innen und ihre Anhänger_innen zeigen sich unbeir­rt, obwohl sich erst kür­zlich eine Mehrheit der Pots­damer Bürger_innen bei der Abstim­mung über den Bürg­er­haushalt gegen die Investi­tion städtis­chen Geldes für den Wieder­auf­bau der Gar­nisonkirche aus­ge­sprochen hat­ten.

In ein­er schwungvollen Abschlussrede fand die PARTEI unter Applaus der Anwe­senden die Worte: „Wir die Partei DIE PARTEI haben genug von Peniswahn und Dop­pel­moral. Wir wer­den für eure Prunk­baut­en nicht länger an der Werk­bank ver­sauern. Schiebt euch eure Kirche in den Arsch! Lasst eure schmieri­gen Fin­ger von unseren Häusern und geht zurück in euren Sek­tor!“

Weit­ere Bilder: hier und hier.

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