28. Juli 2004 · Quelle: CityInfoNetz

Neonazis: Webseiten dicht gemacht

(City­In­foNetz, tol). Auf Ver­an­las­sung der Län­der über­greifend­en Stelle www.jugendschutz.net haben US-amerikanis­che Hoster wichtige neon­azis­tis­che Web­sites geschlossen. Das meldet die “IG4”, eine Inter­es­sen­ge­mein­schaft für Inter­ne­tuser (www.ig4.de). Den recht­sex­tremen Seit­en sei eine zen­trale Funk­tion in der inter­na­tionalen Ver­net­zung der recht­sex­tremen Szene zugekom­men. Auch Denic, die deutsche Reg­istrierungsstelle für Web-Adressen, sei in der let­zten Woche auf Ver­an­las­sung von jugendschutz.net gegen die unzuläs­sige Web­site www.sieg-heil.de vorge­gan­gen und leit­et Besuch­er inzwis­chen auf das Aufk­lärungsange­bot von www.shoa.de um.

Durch Schließun­gen der Host-Provider in den USA seien nun ein stark besucht­es mehrsprachiges Szene-Forum und die bekan­nte Topliste “TOP 100 Nation­al­ist and Revi­sion­ist Sites” mit ein­er Vielzahl von Links auf neon­azis­tis­che und Holo­caust leug­nende Web­sites nicht mehr erre­ich­bar, so “IG4” weit­er.

Auch neon­azis­tis­che Kam­er­ad­schafts-Sites sowie Seit­en des “Anti-Antifa-Net­zw­erks” seien nicht mehr länger online. Auf ihnen wur­den so genan­nte Has­slis­ten mit per­sön­lichen Dat­en von poli­tis­chen Geg­n­ern ver­bre­it­et. Durch kon­tinuier­liche Koop­er­a­tion, so jugendschutz.net-Projektleiter Ste­fan Glaser, kön­nen “auch aus­ländis­che Anbi­eter für die Prob­lematik ras­sis­tis­ch­er Pro­pa­gan­da im Inter­net sen­si­bil­isiert und zu Schließun­gen ver­an­lasst wer­den.” In den let­zten drei Jahren habe www.jugendschutz.net die Schließung von mehr als 350 recht­sex­tremen Web-Adressen im In- und Aus­land erre­icht.

Die wirk­same Bekämp­fung recht­sex­tremer Ange­bote im Inter­net set­zt inter­na­tionale Zusam­me­nar­beit voraus, so Glaser weit­er. Daher habe www.jugendschutz.net deshalb vor zwei Jahren das Inter­na­tionale Net­zw­erk gegen Cyber-Hate (INACH) mit­ge­grün­det. Neben Aktio­nen gegen unzuläs­sige recht­sex­treme Inter­net-Inhalte ist die Durch­führung medi­en­päd­a­gogis­ch­er Infor­ma­tions- und Bil­dungsver­anstal­tun­gen mit Jugendlichen und Päd­a­gogen Schw­er­punkt der Pro­jek­tar­beit.

Das Prob­lem mit Domains, die allein schon durch ihren Namen beden­klich sein dürften, ist nicht neu. Im August 2000 hat­te ein Stra­to-Kunde die Domain www.heil-hitler.de reg­istri­ert. Als das im dama­li­gen Kun­den­fo­rum zur Sprache kam, hat­te der Berlin­er Hoster bin­nen kurz­er Zeit den Ein­trag selb­st in der DENIC-Daten­bank löschen lassen. Doch die Domain wurde nicht ges­per­rt, son­dern wenige Stun­den später erneut über einen anderen Hoster reg­istri­ert. Heute jedoch wird auch diese Domain auf www.shoa.de umgeleit­et (pro­bieren Sies ruhig mal aus).

“Recht­sex­trem­is­mus im Inter­net ist kein vorüberge­hen­des und sta­tis­ches Phänomen”, so der Min­is­ter für Bil­dung, Jugend und Sport des Lan­des Bran­den­burg, Stef­fen Reiche, in einem Inter­view gegenüber der IG4. Nicht zulet­zt sei natür­lich jed­er Inter­net-User gefordert, neon­azis­tis­che und men­schen­ver­ach­t­ende Inhalte an zuständi­ge Stellen zu melden und ihnen ent­ge­gen zu treten. Dass dieses engagierte Han­deln dur­chaus kein hoff­nungslos­es Unter­fan­gen ist, zeigt die durch www.jugendschutz.net erre­ichte Schließung entsprechen­der Por­tale.

INFOwww.jugendschutz.net wurde 1997 als gemein­same Ein­rich­tung von den Jugend­min­is­tern der Län­der gegrün­det und ist an die Kom­mis­sion für Jugendme­di­en­schutz (KJM) ange­bun­den. Die Län­der über­greifende Stelle hat den Auf­trag, Jugend gefährdende und entwick­lungs­beein­trächti­gende Ange­bote im Inter­net zu über­prüfen und auf deren Verän­derung oder Her­aus­nahme zu drän­gen. Ziel ist ein ver­gle­ich­bar­er Jugend­schutz wie in den tra­di­tionellen Medi­en. Die Arbeit von www.jugendschutz.net im Bere­ich Recht­sex­trem­is­mus wird seit 2002 vom Bun­desmin­is­teri­um für Fam­i­lie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

INFORIOT Die im Artikel erwäh­n­ten Seit­en vom Anti-Antifa-Net­zw­erks sind mit Stand von Mittwoch dur­chaus noch ver­füg­bar, also nicht abgeschal­tet. Das Anti-Antifa-Net­zw­erk wird von Pots­dam aus betrieben: Hin­ter­grund-Infos.

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