6. März 2009 · Quelle: Inforiot

Neues aus dem Prignitzer Spukschloss

„Fürstentum Germania“: Weitere Belege für Antisemitismus aufgedeckt / Kritische Stimmen häufen sich

INFORIOT Für welche Ide­olo­gien die tra­gen­den Per­so­n­en im so genan­nten „Fürsten­tum Ger­ma­nia“ ein­ste­hen, tritt immer deut­lich­er zu Tage. Wie Infori­ot bere­its berichtete, wurde in der Prig­nitzer Ortschaft Krampfer am 15. Feb­ru­ar ein „Kirchen­staat“ gegrün­det, der den Namen „Fürsten­tum Ger­ma­nia“ trägt. Real han­delt es sich um ein ver­fal­l­enes Schloss, dass zum Jahre­san­fang eigens für die „Staats­grün­dung“ erwor­ben wurde, und von ein­er Hand voll Per­so­n­en bewohnt wird. Getra­gen wird der braune Spuk im Schloss allerd­ings von einem bun­desweit aktiv­en Unter­stützungskreis.

Rund 100 Per­so­n­en beim „Pla­nungstr­e­f­fen“ des „Fürsten­tum“

Zu einem „Pla­nungstr­e­f­fen“ im „Fürsten­tum“ am ver­gan­genen Woch­enende reis­ten ins­ge­samt rund 100 Per­so­n­en aus dem gesamten Bun­des­ge­bi­et an. Dort wurde nicht nur an der „Ver­fas­sung“ des „Staates“ gefeilt. Laut einem MAZ-Bericht referierte unter anderem ein Vertreter der „Ger­man­is­chen Neuen Medi­zin“; es wurde gegen Imp­fun­gen gewet­tert und Anhän­gerIn­nen von „Kom­mis­sarischen Reich­sregierun­gen“ stell­ten ihre Ambi­tio­nen vor. Auf die Nach­frage, ob denn der Holo­caust stat­tfand, fiel einem der Fürsten­tüm­ler nur ein: „Das ist ein Tabuthe­ma in Deutsch­land. Wenn man hier sagt was man denkt, riskiert man, ins Gefäng­nis zu kom­men.“ Mit solchen Wen­dun­gen leugnet man den Holo­caust, ohne strafrechtlich in die Bre­douille zu kom­men.

Faz­it der MAZ-Repor­terin: Schien das „Fürsten­tum“ zunächst nur als ein etwas ver­sponnenes Eso­terik-Pro­jekt, sei nun deut­lich gewor­den, dass es  „doch nicht harm­los“ sei. Das RBB-Fernse­hen ord­nete das „Fürsten­tum“ gar als „Sek­te“ ein, die ein eigenes „Reich“ erricht­en wolle.


Reichs­bürg­er“ und Holo­caust-Leug­nung

 

Inzwis­chen gibt es einige Ergänzun­gen zu den – unter anderem vom Por­tal Esowatch sowie von Infori­ot – bere­its pub­lizierten Verbindun­gen des „Fürsten­tum“ in die recht­sex­treme Szene.

Der Berlin­er „Fürstentum“-Aktivist und „Reichs­bürg­er“ Christoph Kastius bewirbt beispiel­sweise auf sein­er pri­vat­en Home­page eine Flugschrift namens „Schmaz“ und stellt diese auch zum Down­load zur Ver­fü­gung. Das zwei­seit­ige Blatt strotzt vor anti­semi­tis­ch­er Het­ze. Pikantes Detail am Rande: Der Strich­code neben dem „Schmaz“-Logo ist aus dem  PDF-Down­load in andere Textpro­gramme ausles­bar. Als reg­ulär­er Text angezeigt, offen­bart sich so, dass dieser Strich­code für „Heil Hitler“ ste­ht. Die Flugschrift selb­st ist ein Pro­dukt des Zossen­er Holo­caust-Leugn­ers Rain­er Link.

 

Christoph Kastius selb­st ste­ht offen­bar schon länger mit dem  Recht­saußen-Eso­terik­er Jo Con­rad in Verbindung (ein­er der bei­den Haupt­fig­uren im „Fürsten­tum“). Ein nun pub­lik gewor­denes Foto zeigt Kastius und Con­rad auf ein­er „Reichsbürger“-Kundgebung im  Juni 2007 in Berlin. In einem Aufruf zu dieser Kundge­bung hat­te es in klas­sis­ch­er anti­semi­tis­ch­er Dik­tion geheißen: „Die ‘Nie­der­ma­chung’ und Aus­plün­derung Deutsch­lands hat Sys­tem. Sie ver­läuft unverkennbar nach einem Men­schen ver­ach­t­en­den Plan, der unter der Über­schrift ‚Pro­tokolle der Weisen von Zion‘ bekan­nt ist.“

Wie Infori­ot bere­its dargelegt hat, ist Jessie Mars­son (neben Jo Con­rad der zweite Haup­tak­teur im „Fürsten­tum“) eben­falls in die Holo­caustleugn­er-Szener­ie ver­strickt.

 

Kri­tis­che Infover­anstal­tung am kom­menden Dien­stag

Am kom­menden Dien­stag soll in Krampfer ein Infoabend über das „Fürsten­tum Ger­ma­nia“ stat­tfind­en. Kri­tis­che Anwohner­In­nen haben die Ver­anstal­tung organ­isiert und dazu unter anderem das „Mobile Beratung­steam“ (MBT) und die Polizei ein­ge­laden. Die „Fürstentum“-AnhängerInnen wollen, wie aus  einem ihrer Inter­net­foren zu erfahren ist, dort auf­tauchen um die Ver­anstal­tung möglichst zu einem Wer­beevent für sich selb­st umzu­funk­tion­ieren.

Gabriele Schla­mann vom Neu­rup­pin­er Büro des „Mobilen Beratung­steam“ betonte gegenüber Infori­ot, dass man „das Fürsten­tum nicht auf einen Aspekt beschränken kann.“ Gle­ich­wohl han­dele sich um eine „Gemen­ge­lage von Alter­na­tiv­en, braunen Eso­terik­ern und Holo­caustleugn­ern bis hin zu Leuten, die Verbindun­gen zu ‚kom­mis­sarischen Reich­sregierun­gen‘ haben.“ Unter anderem bei der Ver­anstal­tung am kom­menden Dien­stag in Krampfer wolle sich das MBT „darauf konzen­tri­eren, den Bürg­erin­nen und Bürg­ern zu ermöglichen, sich ein angemessenes Bild der Lage zu machen und die Wirkung des ‚Fürsten­tum‘ auf das Gemein­we­sen zu disku­tieren“.

Kirch­lich­er Sek­ten­beauf­tragter inzwis­chen „Fürstentum“-Kritiker

Thomas Gandow, der Sek­ten­beauf­tragte der Evan­ge­lis­chen Kirche in der Region, hat seine ursprüngliche  Ein­schätzung des „Fürsten­tums“  inzwis­chen rev­i­diert. In ein­er ersten Stel­lung­nahme hat­te er davon gesprochen, dass er eher links ange­hauchte Anar­chis­ten am Werke sehe. Auf Nach­frage von Infori­ot äußerte sich Gandow nun fol­gen­der­maßen: „Es war ein Fehler von mir, dem ‚Fürsten­tum‘ einen Per­silschein auszustellen. Ich bedau­re das. Beim ‚Fürsten­tum‘ han­delt sich um einen gefährlichen Vere­in, der genau wegen sein­er ‚alter­na­tiv­en‘ und karneval­sar­ti­gen Tar­nung zu leicht genom­men wird. Genau dies ist mir auch erst passiert. In der Prig­nitz beste­ht die Gefahr, dass dort für Recht­sex­treme und braune Eso­terik eine ‚befre­ite Zone‘ entste­hen kön­nte.“ Die Rede von einem „Kirchen­staat“ sei, so Gandow weit­er, nicht angemessen – das „Fürsten­tum“ ver­folge keine religiösen Ziele.

 

Berechtigtes Unwohl­sein in der Region

Eine Mis­chung aus Anti­semitismus, Ver­schwörungs­the­o­rien und anderen recht­sex­tremen Posi­tio­nen dominiert im „Fürsten­tum“. Das Unwohl­sein viel­er Men­schen in der Region gegenüber ihren neuen Nach­barIn­nen ist also mehr als berechtigt. Die in einem eso­ter­ischen Jar­gon verkün­dete „Offen­heit“ manch­er Fürsten­tum-Anhän­gerIn­nen scheint vor diesem Hin­ter­grund nicht viel mehr als Bei­w­erk zu diesen Inhal­ten zu sein.

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