30. August 2014 · Quelle: RASH Berlin-Brandenburg

RASH-Brandenburg-Tour erfolgreich gestartet!

FÜR EINE STARKE ANTIFASCHISTISCHE SUBKULTUR!

Am 21.08. war es endlich soweit: nach langer Vor­bere­itung starteten wir im Schoko­laden in Berlin-Mitte unsere Bran­den­burg­tour „Für eine starke antifaschis­tis­che Sub­kul­tur“ mit einem Warmup-Konz­ert anlässlich unseres gefühlten 100. RASH-Tre­sens, welch­er nor­maler­weise jeden 3. Don­ner­stag im Monat gemein­sam mit den North East Antifas­cists (NEA) im Ban­di­to Rosso stat­tfind­et.
 
Da die Konz­erte im Schoko­laden auf­grund von Lärmbeschw­er­den der Anwohner*innen seit einiger Zeit bere­its pünk­tlich um 20.00 Uhr anfan­gen müssen, füllte sich der Laden bere­its ab 19.00 Uhr. Kurz nach 20.00 Uhr ging es dann im mit­tler­weile gut gefüll­ten Schoko­laden mit der ersten Band los. Kom­man­do Kro­n­stadt aus Leipzig spiel­ten extrem wüten­den, vorantreiben­den Hard­core­punk mit sehr intel­li­gen­ten poli­tis­chen Tex­ten. Noch dazu sahen die Band­mit­glieder mit Iros auch noch aus wie richtige PunksJ! Das war ein toller Auftritt dieser sehr sym­pa­this­chen Band! Wir empfehlen Euch vor allem auch das grossar­tige Polit­punk­fanzine „Proud to be Punk“, welch­es von einem der Band­mit­glieder her­aus­gegeben wird und soeben mit sein­er 20.(!) Aus­gabe erschienen ist.
 
Nach ein­er kurzen Umbau­pause und einem knap­pen inhaltlichen Input zu unser­er bevorste­hen­den Bran­den­burg­tour kamen die Ham­burg­er AFA-Punx von Con­traReal auf die Bühne. Auch diese legten einen run­dum gelun­gen Auftritt mit sehr schö­nen und intel­li­gen­ten Punkrock­songs, wüten­der Kri­tik an den beste­hen­den Ver­hält­nis­sen und einem wun­der­baren female front­ed Gesang hin. Im Anschluss an diese bei­den sehr gelun­genen Auftritte legten noch die Northko­re­an Rude­boys und der spe­cial guest DJ King Ham­mond feinen Ska, Reg­gae und Soul zum Tanze auf.
 
An dieser Stelle ein dick­es Dankeschön an die Schoko­laden­crew, Kom­man­do Kro­n­stadt, Con­traReal und die Northko­re­an Rude­boys mit King Ham­mond (und natür­lich die Bands, welche uns Teile Ihrer Back­line zur Ver­fü­gung gestellt haben)! Es war ein run­dum gelun­gener Abend mit Euch!
 
Am 23.08. ging es mit­tags auch gle­ich schon weit­er zu unser­er ersten Sta­tion im Rah­men unser­er kleinen RASH-Tour: Gut gelaunt und hoch motiviert bewegte sich unsere Crew gemein­sam mit dem Regio in Rich­tung Frank­furt Oder, wo wir am Bahn­hof auch gle­ich fre­undlich von ein­er Frank­furter Genoss*in emp­fan­gen wur­den.
 
Vom Bahn­hof aus liefen wir dann schnurstracks in Rich­tung der Oder­turm Lenné Pas­sagen, wo wir unseren Info­tisch mit diversen Mate­ri­alien zu unser­er Kam­pagne, Broschüren, Aufk­le­bern, Mate­r­i­al der Roten Hil­fe und zur Freiraumkam­pagne der Utopia-Crew auf­baut­en. Lei­der gab es nicht nur im Vor­feld Ärg­er mit der Anmel­dung (laut des zuständi­gen Polizei­di­en­stab­schnittes wäre ein Stand auf­grund des zeit­gle­ich stat­tfind­en­den Mark­tes nicht möglich gewe­sen), son­dern eine Minute nach Auf­bau des Tis­ches kam bere­its eine Polizeistreife vorge­fahren und nahm die Per­son­alien aller anwe­senden Per­so­n­en auf – für den Fall, die Kundge­bung würde später ver­boten oder es komme zu Straftat­en. Der Info­tisch blieb trotz dieses Repres­sionsver­suchs ste­hen und wir kon­nten endlich mit dem Verteilen unseres Mate­ri­als begin­nen. Dazu wurde noch ein gross­es RASH-Ban­ner neben dem Stand befes­tigt und mit­tler­weile waren Dank Unter­stützung der örtlichen Genoss*innen auch genug Leute vor Ort, die den Stand gegebe­nen­falls gegen Nazi­at­tack­en wirk­sam hät­ten vertei­di­gen kön­nen. Die Verteilak­tion ver­lief ins­ge­samt störungs­frei und es gab sog­ar vere­inzelte pos­i­tive Reak­tio­nen von Passant*innen. Nazis liessen sich während der Verteilak­tion nur spo­radisch blick­en. Einziges Ärg­er­nis war abschliessend nur noch, dass die Polizei gegen Ende der Kundge­bung noch sämtliche Mate­ri­alien und Ban­ner über­flüs­siger Weise abfo­togra­phierte.
In ein­er Stadt wie Frankfurt/Oder, wo die recht­spop­ulis­tis­che Partei AfD bei den ver­gan­genen Europawahlen mit 12,8 % der Stim­men neben Pforzheim bun­desweit das zweitbeste Ergeb­nis ein­fuhr und auch Polizis­ten aus Frankfurt/Oder für die AfD parteipoli­tisch aktiv sind, ist dieses gegen Antifaschist*innen und ihre Aufk­lärungsar­beit gerichtete Schikan­ev­er­hal­ten allerd­ings kaum ver­wun­der­lich.
 
Nach dem Info­tisch und der Verteilak­tion ging es dann zusam­men mit unseren Genoss*innen weit­er zum selb­stver­wal­teten Freiraumpro­jekt Garage und dem damit zusam­men­hän­gen­den Haus­pro­jekt des Utopia e.V.. Auf jeden Fall ein ver­dammt tolles Haus­pro­jekt und Gelände und erschreck­end, dass nun bere­its im Sep­tem­ber die Garage auf­grund von Miet­speku­la­tion schliessen muss. Genau aus diesem Grund fan­den wir es als RASH BB enorm wichtig, den ersten antifaschis­tis­chen Aktion­stag in Frankfurt/ Oder zu machen, um ein­er­seits über die aktuelle Nazisi­t­u­a­tion vor Ort zu bericht­en bzw. zu informieren und ander­er­seits mit einem DIY-Punkkonz­ert den momen­tan let­zten linken Freiraum in FFO zu unter­stützen, Kon­tak­te zu knüpfen und zu ver­suchen, die Genoss*innen vor Ort auch über diesen einen Tag hin­aus logis­tisch zu unter­stützen, wo es möglich ist!
 
Gegen 20.00 Uhr gab es dann in den gut gefüll­ten Räu­men des Utopia e.V. einen Vor­trag von Genoss*innen der Antifaschis­tis­chen Recherchegruppe Frank­furt Oder über den aktuellen Zus­tand der Naziszene in FFO und auch einen kurzen Vor­trag über die aktuellen Struk­turen der AfD vor Ort. Auf­fal­l­end bei dem sehr gelun­genen Vor­trag war, dass die NPD in FFO seit einiger Zeit kaum mehr funk­tion­ierende Struk­turen zu haben scheint und nach der (Schein-)Auflösung der „Autonomen Nation­al­is­ten Oder-Spree (AN-OS)“ und den kaum mehr wahrnehm­baren Aktivist*innen der FCV-Hooli­gans andere Struk­turen im Hin­ter­grund die Fäden in der Frank­furter Naziszene in den Hän­den hal­ten. Hierzu gehört unter anderem vornehm­lich die extrem mil­i­tant auftre­tende Nazi­grup­pierung „Kam­er­ad­schaft Kom­man­do Wer­wolf“. Im Zusam­men­spiel mit Rock­er­grup­pen scheinen diese weit­er­hin eine ern­stzunehmende Gefahr für Antifaschist*innen in FFO und Umge­bung darzustellen. Beson­ders erschreck­end fan­den wir hier­bei, dass diese mil­i­tan­ten Neon­azis – teil­weise ohne dass die örtlichen Antifas etwas davon mit­bekom­men hat­ten – in leer­ste­hen­den Indus­triean­la­gen ungestört von der Öffentlichkeit mehrere Nazikonz­erte mit um die 200 Besuch­ern ver­anstal­ten kon­nten: „Kom­man­do Wer­wolf taucht in den Ver­fas­sungss­chutzbericht­en des Lan­des Bran­den­burg nur mit­tel­bar auf. Es gibt eine enge Verbindung zur Nazi-Band “Front­feuer”, die bei Auftrit­ten West­en und T‑Shirts mit dem Emblem der Ter­ror­crew KSKW tra­gen. Außer­dem hat­te sich ein führen­der KSKWler, Sven L.Lemke, Anm. recherchegruppe, in ein altes Fab­rikge­bäude im Frank­furter Triftweg eingemietet. Im VS-Bericht 2011 heißt es dazu, dass es “2011 drei Mal für recht­sex­trem­istis­che Konz­erte genutzt wurde. Daran nah­men bis zu 200 Per­so­n­en teil. Damit stellte dieser Ort eine feste Größe für das Konz­ert­geschehen 2011 in Bran­den­burg dar.”“ (Quelle: Antifaschis­tis­che Recherchegruppe Frank­furt Oder)
Aus­nahm­sweise war es in diesem Fall anscheinend der bran­den­bur­gis­che Ver­fas­sungss­chutz, der dieses braune Treiben öffentlich machte und nach Inter­ven­tion seit­ens der Stadt die Immo­bilie geschlossen wurde und sich die Nazis mit­tler­weile eine neue Loca­tion anmi­eten mussten. Diese Entwick­lung und auch die Nutzung von Vere­in­sheimen der örtlichen Rock­er­szene durch Frank­furter Nazis für rechte Par­tys und Konz­erte sollte unbe­d­ingt weit­er im Auge behal­ten wer­den.
 
Und auch in unmit­tel­bar­er Nähe des Vere­ins Utopias und der Garage befind­et sich mit der „Bier­bar“ eine Kneipe, von wo aus es in der Ver­gan­gen­heit immer wieder zu Nazi­at­tack­en kam und zulet­zt sog­ar ein Nazilie­der­ma­cher­abend stat­tfand:
 
„Am 9. August 2013 schließlich fand in der Kneipe eine Feier mit dem Frank­furter Lie­der­ma­ch­er Björn Brusak statt, der neon­azis­tis­ches Liedgut, darunter Landser und Frank Ren­nicke, zum Besten gab. Die alarmierte Polizei erstat­tete gegen die anwe­senden Gäste und den Lie­der­ma­ch­er Anzeige wegen Volksver­het­zung sowie wegen Ver­wen­dung von Kennze­ichen ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen.“ (Quelle: Antifaschis­tis­che Recherche Frank­furt Oder)
Zuguter­let­zt ging der Ref­er­ent auf die erschreck­ende Entwick­lung der AfD in Frankfurt/ Oder ein. Diese erre­ichte bei den Europawahlen 2014 12,8% und bei den Kom­mu­nal­wahlen 11,6% der Stim­men. Zudem eröffnete die AfD in FFO erst Mitte August in der Nähe des Vere­ins Utopia Ihr Bürg­er­büro. Mehr Infos zu den aktuellen Umtrieben der AfD find­et Ihr u.a. hier: https://inforiot.de/einigeln-kontrollieren-und-ausgrenzen-die-alternative-fuer-deutschland-will-frankfurt-oder-sicherer-machen/ Aktive Antifaschist*innen soll­ten die AfD auf jeden Fall bun­desweit ver­stärkt ins Visi­er nehmen. Es ist zu befürcht­en, dass die AfD dieses Jahr mit Sach­sen, Thürin­gen und Bran­den­burg gle­ich in drei ost­deutsche Land­tage einzieht!
 
Nach dem gelun­genen Vor­trag ging es unmit­tel­bar weit­er mit dem Konz­ert mit den P.I.T.S. (Pots­dam), den Toylettes (Berlin/Potsdam) und Les Soifs (Berlin). Als erstes waren Les Soifs aus Berlin mit ihrem erst drit­ten Konz­er­tauftritt an der Rei­he. Vielle­icht noch etwas rumpelig, aber anson­sten Cabaret-Punk mit Poten­tial. Die Toylettes standen dann als näch­stes auf der Bühne und legten eben­falls einen sehr schö­nen Auftritt hin. Die wie auch bei Les Soif mit weib­lichem und männlichem Gesang zugle­ich aus­ges­tat­tete Band hat sich durch ihre zahlre­ichen Gigs der let­zten Monate für uns zu ein­er Art Geheimtipp entwick­elt. Und als let­ztes legten dann die grandiosen P.I.T.S. noch einen furiosen Punkrock­ritt hin und überzeugten ein­mal mehr durch die starke Büh­nen­präsenz des Sängers. Hier war zu merken, dass zwei Band­mit­glieder von der ehe­ma­li­gen Pots­damer SHARP-Band Don­key Work mit entsprechen­der musikalis­ch­er Vor­erfahrung mitwirk­ten. Und auch die anderen bei­den Band­mit­glieder haben bere­its entsprechende Erfahrun­gen in anderen Band­pro­jek­ten aufzuweisen. Schick­es Ding!
 
Tausend Dank an dieser Stelle an die Crew der Garage und des Utopia e.V., die Köch*innen, den Schutz, den Tech­niker, alle die uns bei unserem Info­tisch und sonst­wie im Laufe des Aktion­stages in FFO oder in dessen Vor­feld unter­stützt haben und natür­lich auch an die Toylettes, Les Soif und die P.I.T.S.!
Einzig neg­a­tiv anzumerken bleibt im Rah­men des gelun­genen RASH-Bran­den­burg­tour-Auf­tak­tes, dass es die Berlin­er Antifaschist*innen auch dieses Mal wieder nicht geschafft haben, aus Ihren Kiezen her­aus zu kom­men und mal für einen hal­ben Tag mit nach Frank­furt zu fahren. Angesichts der Tat­sache, dass die AfD und die NPD laut aktuell­ster Umfragew­erte u.a. der Forschungs­gruppe Wahlen mit 7% und 5% der Stim­men am kom­menden Son­ntag wom­öglich gemein­sam in den Land­tag einziehen und es zumin­d­est für die AfD auch in Bran­den­burg und Thürin­gen bei den Land­tagswahlen im Sep­tem­ber danach aussieht, ist es für uns nicht nachvol­lziehbar, dass die antifaschis­tis­che Szene in Berlin sich der­maßen gle­ichgültig gibt, ob dessen, was sich da momen­tan zusam­men­braut. Wir geben die Hoff­nung aber nicht auf und wün­schen uns bei den kom­menden drei Aktion­sta­gen in Cot­tbus, Straus­berg und Neu­rup­pin zwis­chen dem 11. und 13.9. defin­i­tiv eine grössere Beteili­gung aus Berlin!
 
FÜR EINE STARKE ANTIFASCHISTISCHE SUBKULTUR!
 
Weit­ere Ter­mine:
 
11.9.2014: Qua­si Mono/Cottbus (quasimono.info/): Antifaschis­tis­ch­er Aktion­stag mit Infover­anstal­tung und anschließen­dem Konz­ert des Accoustic Pun­klie­der­ma­ch­ers Han­nez übern Zaun (uebernzaun.bandcamp.com/)
 
12.9.2014: Horte/Strausberg (horte-srb.de/): Antifaschis­tis­ch­er Aktion­stag mit Infover­anstal­tung und anschließen­dem Konz­ert von den Sub­ur­ban Scum­bags (Punk/Kiel) suburbanscumbags.bandcamp.com, Pyro One (Zeck­en­rap) und Vod­ka Revolte Punkrock aus Ros­tock) vodkarevolte.blogsport.de.
 
13.9.2014: MittenDrinn/Neuruppin (jwp-mittendrin.de/blog): Antifaschis­tis­ch­er Aktion­stag mit Infover­anstal­tung und anschließen­dem Konz­ert von Han­nez übern Zaun (http://uebernzaun.bandcamp.com/) und den Zeckenrappern*innen Ref­polk (de-de.facebook.com/Refpolk), Daisy Chain (https://el-gr.facebook.com/daisy.chain.731572) & Miss Zebra

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