31. August 2012 · Quelle:

Rassismus tötet immer noch!

Cottbus: 70 Antifas erinnerten an die pogromartigen Ausschreitungen von 1992 in Sachsendorf

INFORIOT Das lokale Bünd­nis „Cot­tbus Naz­ifrei“ und „Ras­sis­mus Tötet“ hat­ten für Fre­itag zu ein­er Kundge­bung in Cot­tbus aufgerufen. Rund 70 Antifaschist*innen nah­men teil und gedacht­en den pogro­mar­ti­gen, ras­sis­tis­chen Auss­chre­itun­gen von 1992 in Cot­tbus-Sach­sendorf.

In den Nächt­en vom 29.08. bis zum 31.08. 1992 ver­sucht­en mehrere hun­dert Neon­azis, die Wohn­blöcke des Asyl­be­wer­ber­heimes in Sach­sendorf mit Molo­tov­cock­tails anzu­greifen. Bewaffnet mit Brand­sätzen, Base­ballschlägern, Messern und Steinen woll­ten sie die dort leben­den 1000 Bewohner*innen des Asyl­be­wer­ber­heims vertreiben. Über CB-Funk wurde der Angriff koor­diniert — was darauf schließen lässt, dass es kein spon­tan­er Akt, son­dern ein geplantes Vorge­hen organ­isiert­er Neon­azistruk­turen war.

Tat­säch­lich beteiligten sich an dem Pogrom Mit­glieder der am 10. Dezem­ber 1992 ver­bote­nen Deutschen Alter­na­tive (DA). Diese zün­de­ten Autos und Mope­ds in der Nähe des Wohnkom­plex­es an und hin­derten die Feuer­wehr daran, die Brände zu löschen. Obwohl die Polizei den Funk der Neon­azis abhören kon­nte, reagierten sie nur zöger­lich und mussten im Zuge der Auseinan­der­set­zun­gen zeitweilig selb­st ins Heim flücht­en, um sich vor den Angrif­f­en der Neon­azis zu schützen. Den­noch gelang es Feuer­wehr und 300 Beamt*innen schließlich, die Angreifer*innen zurück­zu­drän­gen. Die Täter*innen kamen meist ohne Kon­se­quen­zen davon, die Strafver­fol­gung erwies sich eben­falls als man­gel­haft.

Eine wichtige lokale Neon­azi­größe dieser Zeit war der DA-Kad­er und heutige NPD-Stadtverord­nete Frank Hüb­n­er. Bere­its 1984 wurde Hüb­n­er wegen Ver­suchs der Grün­dung ein­er ille­galen Wehrsport­gruppe in Cot­tbus inhaftiert und als poli­tis­ch­er Häftling von der Bun­desre­pub­lik freigekauft. Nach dem Fall der Mauer baute er die DA in Cot­tbus auf. Mit dem Ver­bot der DA engagierte es sich weit­er inner­halb der Gesin­nungs­ge­mein­schaft der Neuen Front (GdNF) und der Nazi-Sam­mel­partei „Die Nationalen“.

Bei den Kom­mu­nal­wahlen in Cot­tbus 1993 erzielte Hüb­n­er 0,5% als Wahlka­n­di­dat der Deutsche Liga für Volk und Heimat (DL). Des Weit­eren war er im sel­ben Jahr in der Berlin Bran­den­burg­er Zeitung, dem Zen­tralor­gan der Nationalen, tätig. Seit 2008 sitzt Hüb­n­er in der Stadtverord­neten­ver­samm­lung für die NPD. Zulet­zt sorgte er im Jan­u­ar 2012 für Empörung, als er bei der Handze­ichen-Abstim­mung zur Genehmi­gung eines des mul­ti­kul­turellen Festes „Cot­tbus beken­nt Farbe“, den Hit­ler­gruß zeigte.

Mit der Gedenkkundge­bung woll­ten die Veranstalter*innen „darauf hin­weisen, dass Aus­gren­zung und Ras­sis­mus auch heute noch in der Bevölkerung vorhan­den sind — auch unbe­wusst“, erk­lärte das Bünd­nis Cot­tbus Naz­ifrei.

Mit der Kundge­bung und den ver­lese­nen Beiträ­gen, woll­ten das Bünd­nis das Ereig­nis wieder in die Öffentlichkeit rück­en und eben­falls auf die The­matik des Asyl­rechts, welch­es 1993 in direk­ter Folge der bun­desweit­en Pogrome fak­tisch abgeschafft wurde, aufmerk­sam machen.

Im Anschluss an die Kundge­bung wurde ein Kranz zur Erin­nerung an die von Neon­azis ermorde­ten Men­schen im vere­in­ten Deutsch­land am Platz des ehe­ma­li­gen Asyl­be­wer­ber­heims hin­ter­legt.

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