8. August 2018 · Quelle: Inforiot

Sommer, See und Antifa

INFORIOT Tief im Wald ver­steckt und bei Tem­per­a­turen über 30 Grad trafen sich etwa 200 Aktivist_innen vom 26. bis 29. Juli bei Witt­stock. Nach dem erfol­gre­ichen Start im let­zten Jahr in Cot­tbus fand nun zum zweit­en Mal das “JanzWeitDraussen”-Camp statt. Dort tauscht­en sich die Teil­nehmenden in Work­shops und Vorträ­gen über antifaschis­tis­che Poli­tik in Bran­den­burg aus.
Der Erfolg aus dem let­zten Jahr ermutigte die Organisator_innen auch in diesem Jahr ein Antifa-Camp in Bran­den­burg zu organ­isieren. Gestützt von ver­schiede­nen Antifa­grup­pen, linken Pro­jek­ten und Einzelper­so­n­en kon­nte erneut ein volles Pro­gramm auf die Beine gestellt wer­den, das durch Ideen der Teil­nehmenden ergänzt wurde.

Janz Weit Draussen – aber nicht allein
Aus ganz Bran­den­burg und den benach­barten Bun­deslän­dern reis­ten junge wie ältere Antifas an, die sich vor Ort ver­net­zten und Erfahrun­gen aus­tauscht­en. Gele­gen­heit­en dafür gab es vor Ort reich­lich: Neben dem umfan­gre­ichen inhaltlichen Pro­gramm bot der nahe liegende See eben­so einen Ort um ins Gespräch zu kom­men, genau­so wie beim Eis-Essen oder abends während der Par­ties. Das kul­turelle Pro­gramm durfte somit eben­falls nicht fehlen. Am Fre­itag sorgten Entartist, die PC Toys und Lady Lazy sowie Jamer­ic für einen wun­der­schö­nen Abend. Am Sam­stag heizten dann Unit­ed and Strong sowie die Kaput Krauts auf der Bühne ein, bevor es im soge­nan­nten „Bunker“ mit den FemHoolz, Schnöselpö­bel und dem Geheimtipp Rüpel­haft statt Einzel­haft weit­erg­ing.

Nicht nur musikalisch haben sich die Organisator_innen etwas ein­fall­en lassen. Am Don­ner­stag kon­nten alle in ihren Bezugs­grup­pen im Antifa Fam­i­lien­du­ell gegeneinan­der antreten. Am Fre­itag wurde mit „Ham­burg­er Git­ter“ ein wichtiger Beitrag zu Polizeitak­tik während des G20 gezeigt und am Sam­stag kon­nten die Kenner_innen der regionalen Neon­aziszene ihr Wis­sen im Nazi-Bin­go über­prüfen.

Bildet Ban­den und Reflek­tion­s­grup­pen
Inhaltlich ging es dies­mal ver­stärkt um die eigene Szene. Selb­stkri­tisch wurde sich in den Work­shops mit Hier­achien in selb­stor­gan­isierten Grup­pen auseinan­der geset­zt und über Antifa und Männlichkeit gesprochen. In den Work­shops zu Neuer Recht­en, Anti­semitismus und Ver­schwörungs­the­o­rien wur­den gemein­same Hand­lungsmöglichkeit­en disku­tiert. Natür­lich durften trotz der heißen Tem­per­a­turen auch prak­tis­che Work­shops nicht fehlen, bot doch der Sprung in den See danach eine willk­om­mende Abküh­lung. Die Ausstel­lung [Kein schön­er Land] der Opfer­per­spek­tive gab zudem einen Überblick um die mörderischen Aus­maße neon­azi­tis­ch­er Gewalt in Bran­den­burg seit 1990, denen min­destens 22 Men­schen zum Opfer gefall­en sind.
Alle Ange­bote hat­ten natür­lich den Fokus auf den Aus­tausch der unter­schiedlichen Grup­pen und Gen­er­a­tio­nen der Teil­nehmenden. Mit Hil­fe der F_antifa Bran­den­burg wurde zusät­zlich eine eigene FLTI*-Vernetzung ermöglicht. Der Ver­net­zungsanspruch scheint dur­chaus Erfolg gehabt zu haben. Einige ex-Bran­den­burg­er_in­nen trafen hier alte und neue Bekan­nte aus ihren Heimat­städten wieder. Andere kamen über gemein­same Erfahrun­gen ins Gespräch und tauschen Kon­tak­t­dat­en aus. Beson­ders für junge Men­schen aus der Region um Witt­stock bot das Camp zudem die Möglichkeit mit anderen Aktivist_innen in Kon­takt zu treten.
Höhep­unk­te
Neben dem durch­weg som­mer­lichen Wet­ter, war das Gelände selb­st eines der Höhep­unk­te dieses Woch­enen­des. Weit ent­fer­nt von der näch­sten größeren Stadt, gele­gen an einem wun­der­schö­nen See, kon­nten sich alle Teil­nehmenden hier entspan­nen und die einzi­gar­tige Atmo­sphäre genießen.
Dies­mal Witt­stock, näch­stes Mal vielle­icht in dein­er Region
Nach­dem das Camp im ver­gan­genen Jahr sich mit Cot­tbus einen Hotspot der Neon­azi-Szene aus­suchte, war auch die Entschei­dung für die Region in Ost­prig­nitz-Rup­pin mit dem Wun­sch ver­bun­den, erneut in eine Region zu gehen, wo es in der Ver­gan­gen­heit immer wieder zu ras­sis­tis­ch­er Gewalt und Über­grif­f­en durch Neon­azis kam; um damit den weni­gen Antifas vor Ort zu zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Bere­its jet­zt ste­ht fest, dass es auch 2019 „Janz weit nach draussen“ gehen wird. Die Organisator_innen über­legen sich bere­its, wo das Camp dann seine Zelte auf­schla­gen wird. Denn wie im let­zten Jahr, so stand auch im diesen Jahr das JWD-Camp unter dem Mot­to: Sup­port your local Antifa.
Mehr Bilder gibt es hier.

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