24. Februar 2016 · Quelle: Einige Antifaschist_innen Potsdam

Volkstod am Volkspark

Der heutige antifaschis­tis­che Mittwoch startete mit ein­er großen, laut­starken und offen­siv­en Demon­stra­tion unter dem Mot­to “Ras­sis­mus tötet! Die mörderischen Ver­hält­nisse kip­pen!”.
500 Men­schen liefen vom Lust­garten in Rich­tung Pots­dam Nord, zum Dorint-Hotel. Während dieser Demon­stra­tion wur­den viel­er­lei inhalt­sre­iche Rede­beiträge gehal­ten. Diese set­zten sich mit staatlichem Ras­sis­mus und dem massen­haften Tod von Refugees bei ihrer gefährlichen Flucht auseinan­der, außer­dem wurde die Auseinan­der­set­zung der Pots­damer Presse mit Pogi­da auf­grund ihrer Inhalt­slosigkeit kri­tisiert.
Um 18.30 Uhr war die Demon­stra­tion been­det. Die Teil­nehmenden begaben sich umge­hend in Rich­tung Born­st­edt, um dort die Neon­azis von Pogi­da gebührend in Emp­fang zu nehmen. Zunächst gab es etwas Ver­wirrung bei den anwe­senden Polizeikräften, ob die Teil­nahme an der von Nor­bert Müller angemelde­ten Demon­stra­tion möglich sei oder nicht. Ein Teil der Demon­stri­eren­den begab sich zu 18.50 Uhr dor­thin, der andere Teil ver­suchte auf dezen­tralem Weg an die Neon­azis her­anzukom­men.
Pogi­da begann mit einiger Ver­spä­tung um 19.00 Uhr mit der Kundge­bung. Es wur­den ver­schiedene Rede­beiträge ver­lesen. Nach ein­er kurzen Begrüßung durch Chris­t­ian Müller, ergriff der Pots­damer Her­bert Hei­der das Wort, er hat­te in der Ver­gan­gen­heit schon öfter für Pogi­da gesprochen, zumeist im Open­Mic-Teil des Auf­marsches. Mit­tler­weile gehört er zu den plan­mäßi­gen Redner_innen. Das Her­aus­ra­gende bei ihm dürften die sehr aus­giebi­gen Zitate aus den Aufrufen der Gegendemonstrant_innen und von der Antifa gewe­sen sein. Am Ende kri­tisierte er, dass bei den let­zten Pogi­da-Ver­samm­lun­gen alle drei Stro­phen des Deutsch­land­liedes gesun­gen wur­den. Während dieser Auf­tak­tkundge­bung waren die Gegendemonstrant_innen durchgängig sehr gut hör­bar bei Pogi­da. Nach ein­er Stunde lief Pogi­da dann endlich los. Ihre ursprünglich geplante Route, die Kirschallee hin­unter, wurde allerd­ings von engagierten Antifaschist_innen block­iert. So bogen sie in die Erwin-Barth-Straße ein, auf der sich auch eine Block­ade vor­bere­it­ete . Allerd­ings liefen sie nur weit­ere 50 Meter und  dann war auch an diesem Mittwoch wieder Schluß für die 60 Hansel die wenig mehr von sich geben, als dass sie das Volk und Pogi­da seien. Nach kurzem Still­stand lief Pogi­da die Route wieder zurück. Wenn sie auch son­st nichts ler­nen: Nieder­la­gen kön­nen sie mit­tler­weile gut akzep­tieren und entsprechend han­deln.
Am Aus­gangspunkt wieder angekom­men erfol­gten weit­ere Reden von Pogi­da. Der Anmelder Müller startete seine, laut Eige­nangaben von Bärgi­da über­nommene Rede, the­ma­tisch sehr reichs­bürg­er­lich. Zitierte seit­en­weise Auszüge aus dem Grundge­setz, der Pots­damer Kon­ferenz und der Kon­ferenz von Jal­ta. Knack­punkt: Deutsch­land sei kein sou­verän­er Staat, son­dern stünde unter der Kon­trolle der Allierten. Diese Macht wiederum solle Putin nutzen um die zum Faschis­mus neigende deutsche Staats­führung abzuset­zen. So oder so ähn­lich ging es weit­er, die geneigten Zuhören­den dürften allerd­ings genau­so wenig Spaß daran gehabt haben ihm zu lauschen wie die weniger geneigten, denn Chris­t­ian Müller las den kom­plet­ten Rede­beitrag ab und dies sehr hol­prig. Am Ende erzählte er noch was zu sein­er krim­inellen Kar­riere und dass er sich bei Pogi­da in Zukun­ft im Hin­ter­grund hal­ten aber trotz­dem weit­er pla­nen möchte.
Als weit­er­er Red­ner trat „Curd Schu­mach­er“ auf, bei dem get­rost bezweifelt wer­den darf, dass er wirk­lich so heißt. „Curd Schu­mach­ers“ Haup­tkri­tikpunkt waren die Gegen­proteste. Diese waren ihm zu laut, zu gewalt­tätig und all­ge­mein habe er solche Zustände bish­er nicht erlebt (außer vielle­icht in Leipzig, wie er ergänzte). Er sah angesichts der über­wälti­gen­den Masse von laut­starken Gegendemonstrant_innen seine Haut in Gefahr und die Abreise gefährdet. Nichts davon trat ein. Lei­der.
Stattdessen ließ Chris­t­ian Müller noch kurz darüber abstim­men ob nun alle drei Stro­phen des Deutsch­land­liedes gesun­gen wer­den soll­ten (Mehrheit der Neon­azis über­raschen­der­weise dafür) und stimmte dieses dann inbrün­stig an.
Die Abreise der Neon­azis gestal­tete sich dann recht schwierig. Da der Kundge­bung­sort nach wie vor von allen Seit­en von Gegendemonstrant_innen eingekesselt war. Erst 40 Minuten nach Beendi­gung der Gru­selver­anstal­tung kon­nten die Neon­azis den Bus in Rich­tung Pots­damer Innen­stadt nehmen.
Der mehrstündi­ge Gegen­protest wurde durch die Polizei mit dem Ein­satz von Pfef­fer­spray, kör­per­lich­er Gewalt und Fes­t­nah­men erschw­ert.
Bis zum Ende des Auf­marsches kamen von Chris­t­ian Müller sich mas­siv wider­sprechende Aus­sagen zur Zukun­ft von Pogi­da. Vielle­icht übern­immt Markus Johnke von Legi­da aus Leipzig die offizielle Anmel­dung, vielle­icht aber auch nicht. Unter Umstän­den wird Pogi­da den Wochen­tag in Zukun­ft wech­seln, unter Umstän­den aber auch nicht. Möglicher­weise zieht sich Müller kom­plett aus Pogi­da zurück, oder auch nicht. Denn den näch­sten Auf­marsch am Bass­in­platz wird er wiederum anmelden und anführen. Einen Licht­blick gibt es allerd­ings: Pogi­da soll wohl in Zukun­ft nur noch alle zwei Wochen stat­tfind­en. Glauben tun wir das allerd­ings erst wenn wir es sehen.

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