8. Mai 2014 · Quelle: Kratfuttermischwerk

Wahlkampf in Potsdam: grandios gefakte SPD-Plakate, Plakate der AfD fast gänzlich deplakatiert

Hier in Potsdam ist am 25.05. nicht nur Europa-Wahl sondern auch gleichzeitig Kommunalwahl. Die ist nicht allen egal

Hier in Pots­dam ist am 25.05. nicht nur Europa-Wahl son­dern auch gle­ichzeit­ig Kom­mu­nal­wahl. Die ist nicht allen egal. Einige der­er, die diese Stadt zumin­d­est in Teilen einst zu dem gemacht haben, was sie auch heute – zumin­d­est in Teilen – immer noch ist, sind frus­tri­ert. Wenn sie über­haupt noch hier sind. Die Mieten kann man als Nor­malver­di­ener kaum noch zahlen, Orte an denen alter­na­tive Kul­tur damals über­haupt für kul­turelles Leben sorgte, wur­den gnaden­los auf schön geföh­nt und tot­saniert, die Stadt verkommt zum preußis­chen Muse­um, einige gehen weg. Dor­thin wo noch Platz ist für kul­turelle Freiräume. Für bezahlbare Ate­liers, Proberäume, Visio­nen oder gar nur für bezahlbaren Wohn­raum. Prob­leme, wie viele Städte sie halt haben. Man ken­nt das.

Es wäre ver­messen, das nur der SPD ans Knie kleben zu wollen. Auch Die Linke fin­gert hier seit dem Fall der Mauer in der Stadt­poli­tik mit rum, wenn auch nicht immer mehrheits­fähig und schon etwas preußisch zurück­hal­tender als eben die SPD es tut. Die aber bleibt hän­gen, wenn man sich in der Stadt umhört. Ob das fair ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Man schwenkt hier nur allzu gerne die Fahne der Sozialdemokratie, die städtis­che Entwick­lung hinge­gen spricht für viele der Alteinge­sesse­nen offen­bar eine andere Sprache.

Vielle­icht wur­den in den let­zten Wochen auch genau deshalb hier von irgendwelchen Leuten Plakate gek­lebt, die Aus­sagen im Namen der SPD ver­bre­it­en, die die SPD so nie von sich geben würde. Auch wenn die kom­mu­nalpoli­tis­che Entwick­lung das dur­chaus ver­muten lassen kön­nte. Die SPD allerd­ings ist über die gefak­ten Plakate alles andere als amüsiert, Vertreter der Linken sprechen von Satire. Wenn man es allerd­ings ganz genau nimmt, ist das sehr viel ern­ster als Satire zu sein ver­sucht. Irgendw­er hat da mit einem 800-Gramm-Ham­mer in Form von in der Stadt gek­lebten DIN-A2 Plakat­en so einiges an Real­ität auf den Kopf getrof­fen. Die SPD kotzt.

… im Regine-Hilde­brandt-Haus [Geschäftsstelle des SPD-Lan­desver­bands Bran­den­burg] an der Friedrich-Ebert-Straße ver­ste­ht man dies­bezüglich nicht mal ein Späßchen. “Das ärg­ert uns enorm, das sind ja schließlich nicht unsere Inhalte, die wir vertreten. Deshalb haben wir Anzeige gegen Unbekan­nt gestellt, wegen uner­laubten Benutzens unseres Logos und wegen Sachbeschädi­gung”, sagte SPD-Unter­bezirks­geschäfts­führerin Nadine Lilien­thal gestern.

 

Ich finde diese Gueril­la-Art im Sinne von “denk mal noch mal drüber nach, was Du hier wählen willst” allerd­ings ziem­lich großar­tig. Wir brauchen viel mehr davon. Auch auf Bun­de­sebene, wenn mich ein­er fragt. Warum auch sollen nur die Parteien ihre Sicht der Dinge auf Wände kleben dür­fen, während das dem Wäh­ler ver­wehrt bleibt und seine Mei­n­ung dazu einzig an der Wahlurne abge­fragt wird?

Aber das ist hier längst nicht alles. Wenn man diesen Artikel der MAZ liest, denkt man ja fast an mafiöse Struk­turen auf Ebene des kom­mu­nalen Wahlkampfes. Denn nicht nur die SPD ist erzürnt, nein, die Eierköppe von der AfD jam­mern gar ein biss­chen. Darüber näm­lich, dass im gesamten Stadt­ge­bi­et fast jedes AfD-Plakat “von sein­er Hal­terung geris­sen und teils in einem solchen Aus­maß demoliert” wor­den sei, “dass eine Wieder­an­bringung nicht mehr möglich ist”, erk­lärt AfD-Sprech­er Den­nis Hohloch und trock­net sich die Tränchen. Auch darüber lacht die Linke, die sich für meinen Geschmack hier viel zu oft hin­ter den anderen zu ver­steck­en ver­sucht, obwohl sie hier Poli­tik sowohl auf Kom­mu­nal- als auch auf Lan­desebene mit­gestal­tet. Wohl auch deshalb kamen bei der let­zten Bun­destagswahl jede Menge Plakat­en des Linken-Kan­di­dat­en abhan­den.

Nur die CDU hat keinen Grund zum Weinen, aber die wählt hier eh kein­er.

Alles in allem ist auf diese Stadt dann immer noch Ver­lass. Vielle­icht in der Hoff­nung, let­ztlich nicht ganz im preußis­chen Antlitz ersaufen zu müssen.

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