18. Februar 2016 · Quelle: Einigen Antifaschist_innen Potsdam

Wasserwerfer als Pogida-Fronttranspi

Es schneit, es ist kalt und in Babelsberg tobt es auf den Straßen. Der Kiez ist herausgeputzt. Es ist mal wieder Mittwoch in Potsdam und der Schlangenbeschwörer Christian Müller hat ma wieder eine Veranstaltung des Pegida-Ablegers POGIDA angemeldet.

Es schneit, es ist kalt und in Babels­berg tobt es auf den Straßen. Der Kiez ist her­aus­geputzt. Es ist mal wieder Mittwoch in Pots­dam und der Schlangenbeschwör­er Chris­t­ian Müller hat ma wieder eine Ver­anstal­tung des Pegi­da-Ablegers POGIDA angemeldet. Er und ein Sam­mel­suri­um an men­schen­ver­ach­t­en­den Wirrköpfen plante vom Bahn­hof Medi­en­stadt Rich­tung S‑Bahnhof Babels­berg zu marschieren. Es bot sich ein bre­ites Spek­trum an recht­saffinen jun­gen Män­nern und Frauen, kon­ser­v­a­tiv­en und älteren Men­schen, Verschwörungstheoretiker_innen, Putin­ver­liebten und son­sti­gen Mit­laufend­en. Auch Sympathisant_innen der „Iden­titären Bewe­gung“ waren wieder vertreten.
In Babels­berg waren sieben Gegen­ver­anstal­tun­gen angemeldet, u.a. gab es eine Demo des SV Babels­berg 03 mit 300 Teilnehmer_innen. Auf der Kundge­bung des Bünd­niss­es „Pots­dam beken­nt Farbe“ standen zeitweise eben­falls über 300 Men­schen an der geplanten Marschroute von POGIDA. Außer­dem gab es fünf weit­ere Ver­anstal­tun­gen rings um die angekündigte Neon­aziroute.
Im Vor­feld des heuti­gen Demoabends waren mehrere Trans­par­ente in und um den Stadt­teil Babels­berg aufge­hangen wor­den, welche sich die früh angereis­ten Polizist_innen zum Anlass ihrer Beschäf­ti­gung nah­men. Über­haupt war dieser Pogi­dauf­marsch schon über Tage dämonisch her­auf­beschworen wor­den. Der Plan, die “Wohn­stube der Linken” (Zitat Chris­t­ian Müller) zu erobern provizierte diverse Krawal­lvorher­sagen.
Geschützt von einem mas­siv­en Polizeiaufge­bot zog der Wan­derkessel um Chris­t­ian Müller zunächst wie geplant die Großbeeren­straße hin­unter. Dabei war die Sit­u­a­tion von Beginn an unüber­sichtlich. Die Pogidist_innen wur­den von allen Seit­en laut­stark übertönt, es kam zu vere­inzel­ten Böller­wür­fen und immer wieder zu hek­tis­chen Polizeibewe­gun­gen. Nach nur 450 Metern musste der Aufzug dann stop­pen. Selb­st diese Strecke kon­nte nur mit Polizes­palier und Wasser­w­er­fer an der Front des Auf­marsches ermöglicht wer­den. Linke Jugendliche hat­ten auf Höhe der Kleinen Straße eine Sitzblock­ade errichtet, die mit 150 Antifaschist_innen begann und auf 500 Men­schen anwuchs. Im Rück­en der Block­ade sorgten ca. 50 Per­so­n­en für eine weit­ere Beschäf­ti­gung der einge­set­zten Polizei­hun­dertschaften aus dem gesamten Bun­des­ge­bi­et. Es wur­den Müll­ton­nen und Teile ein­er Baustelle auf die Straße geräumt.
Auch im Vor­feld dieser bei­den Block­aden kam es im Babels­berg­er Kiez schon zu diversen dezen­tralen Aktio­nen — dies dürfte dazu beige­tra­gen haben, dass die Polizei die Block­ade nicht räu­men ließ und den Neon­azis um Chris­t­ian Müller auch keine Ersatzroute anbot.
Während­dessen gaben die Neon­azis ihren üblichen, ver­schwörungs­the­o­retis­chen Wirrsprech von sich, über “Wir sind das Volk” und “Merkel muss weg” gin­gen ihre Parolen sel­ten hin­aus. Aber auch diese Parolen blieben ihnen im Ver­lauf ihrer “Demon­stra­tion” im Halse steck­en. Nach über ein­er hal­ben Stunde, in der sie sich die Beine in den Bauch standen, kehrten sie zum Bahn­hof Medi­en­stadt zurück. Die dort gehal­te­nen Rede­beiträge lassen sich mit der Wort­gruppe “unter aller Kanone” bestens beschreiben. S. Graziani, Abge­sandter von Legi­da gab unter Applaus der Neon­azis von sich, dass die aktuelle “Völk­er­wan­derung kün­stlich aus­gelöst und von langer Hand geplant” sei, um “Europa zu desta­bil­isieren”. Wer da nicht die Hände überm Kopf zusam­men­schlägt und brül­lend weg ren­nt, kann kein Herz und keinen Ver­stand besitzen.
Übertönt wurde dieses Trauer­spiel von der nur wenige Meter ent­fer­n­ten Kundge­bung von “Pots­dam beken­nt Farbe” durch vielfältige Rufe, Kom­mentare und Musik. Um kurz vor 21.00 Uhr löste Chris­t­ian Müller den Auf­marsch auf, nicht ohne auf seinen näch­sten Ter­min in Pots­dam am 24. Feb­ru­ar sowie den Plan, bald tägliche POGI­DA-Aufmärsche durch­führen zu wollen, hinzuweisen.
Auf dem Heimweg der erfol­gre­ichen Antifaschist_innen kam es immer wieder zu schikanösen Per­son­alien­fest­stel­lun­gen und Fes­t­nah­men durch die Polizei. Die Stadt­teilkneipe “Nowawes” wurde mit dem Hin­ter­grund Straftäter_innen zu suchen, ohne Durch­suchungs­beschluss von Berlin­er Ein­satzhun­dertschaften bru­tal gestürmt.
Die Nach­bere­itung des Abends wird, neben gegen­seit­igem Schul­terk­lopfen, vor allem den Umgang mit Repres­sion und evtl. Gege­nanzeigen umfassen.
Wir lassen uns nicht krim­i­nal­isieren! Nicht heute und nicht in den näch­sten Wochen!

Seid dabei, am kom­menden Mittwoch um 17 Uhr am Lust­garten. Wir wer­den kraftvoll Rich­tung Born­st­edt demon­stri­eren, wo POGIDA seine näch­ste Ver­anstal­tun­gen angemeldet hat.
Ras­sis­mus tötet!
Aler­ta Antifascista!

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