4. September 2015 · Quelle: antifaschistische recherchegruppe frankfurt(oder)

Björn Brusak – kein „besorgter Anwohner“ sondern ein Rassist

Björn Brusak bewegt sich in ver­schiede­nen extrem recht­en Strö­mungen: Hier am 1. August 2015 in Dams­dorf bei ein­er Kundge­bung des “III. Weg” als Vertreter der Europäis­chen Aktion. (Quelle: Press­eser­vice Rathenow)


Ein Teil der bun­des­deutschen Bevölkerung zeigt dieser Tage wieder das Gesicht des „besorgten“ Deutschen, der sich um Heim, Fam­i­lie und sein Land sorgt und dabei Hass und Gewalt gegen Geflüchtete und deren Unterstützer*innen richtet. So auch in Frank­furt (Oder), wo die von Neon­azis dominierte Gruppe „Frankfurt/Oder wehrt sich“ seit Jan­u­ar bere­its vier­mal auf Demon­stra­tio­nen und Kundge­bun­gen gegen deren Unter­bringung in der Stadt auf­marschierte. Ein­er der regelmäßig an diesen Ver­samm­lun­gen teil­nimmt und des öfteren dort als Red­ner auftritt ist der in Brieskow-Finken­heerd wohnende Neon­azi Björn Brusak.
Der Ton macht die Musik
Björn Brusak ist eini­gen Frankfurter*innen eher bekan­nt als Ehre­namtlich­er des Amer­i­can Foot­ball-Vere­ins „Red Cocks“, in dem er bis min­destens 2013, u.a. als Jugend­train­er, aktiv war. Das er sich neben­bei poli­tisch extrem recht ori­en­tierte zeigen seine Aktiv­itäten als Lie­der­ma­ch­er. Zum ersten Mal als solch­er auf­fäl­lig gewor­den ist er am 9. August 2013 in der von Neon­azis beliebten Frank­furter Eck­kneipe „Die Bier­bar“ in der Berlin­er Straße. Dort hat­te er bei einem Geburt­stagsabend volksver­het­zende Lieder, u.a. der als krim­inelle Vere­ini­gung ver­bote­nen Band „Landser“ und des Neon­azi-Lie­der­ma­ch­ers Frank Ren­nicke, gespielt.1 Die daraufhin ein­tr­e­f­fende Polizei unter­sagte das Konz­ert und leit­ete ein Strafver­fahren wegen Ver­stoß des § 130 StGB, sowie wegen Ver­wen­dung von Kennze­ichen ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen gem. § 86a StGB ein. Am 25. Feb­ru­ar 2015 musste er sich deswe­gen vor Gericht ver­ant­worten. Der Prozess wurde gegen eine Zahlung von 1.800 € eingestellt.2 Doch nicht erst seit diesem Abend war bzw. ist der etwa 30jährige Brusak als extrem rechter Lie­der­ma­ch­er aktiv. Unter dem User-Namen „MrBrusi86“ besitzt er seit dem 8. März 2012 einen Youtube-Chan­nel.3 Hier find­en sich drei selb­ster­stellte Videos bzw. Songs von denen zwei auf der von den südafrikanis­chen Buren ver­wen­de­ten Sprache Afrikaans. Das ver­mut­lich selb­stkom­ponierte Lied „Afrikaanse taal is pragtig en mon­u­men­tal“ stammt aus dem eben­falls 2012 in

Seine Liebe zum Aparthei­d­sregime Südafrikas drückt er in diesem Video aus. Sein selb­ster­stelltes Album „Van Frank­furt toe Suid Afri­ka“ erschien 2012. Im Video ist Brusak vor der alten Fahne Südafrikas zu sehen… (Quelle: youtube.com)


Selb­st­pro­duk­tion erschiene­nen Album „Van Frank­furt toe Suid Afri­ka“.4 Das er mit diesem Song bzw. Album Sym­pa­thien zum alten Südafri­ka der Aparthei­ds-Ära hegt zeigt das im Youtube-Video zuse­hende Bild von Brusak mit Gitarre vor der ehe­ma­li­gen Flagge des Lan­des, welche bis zum Ende des ras­sis­tis­chen Regimes 1994 die Nation­al­fahne darstellte. Afrikaans, welch­es heute noch ein­er der Nation­al­sprachen Südafrikas ist, hat­te der selb­st­ständi­ge Ver­sicherungsvertreiber und gel­ernte Beton- und Stahlbe­ton­bauer ver­mut­lich während sein­er Zeit bei der Bun­deswehr gel­ernt, wo er laut eige­nen Aus­sage für die NATO aktiv war. Ein weit­er­er Blick auf die abon­nierten Youtube-Kanäle zeigt seine Vor­liebe für ver­schwörungs­the­o­retis­che und neon­azis­tis­che Beiträge.5
Seit August 2013 trat er bei zahlre­ichen neon­azis­tis­chen Ver­anstal­tun­gen auf. Ob bei Lieder­aben­den der „Kam­er­ad­schaft Kom­man­do Wer­wolf“ oder auf Demon­stra­tio­nen, u.a. bei einem ras­sis­tis­chen Auf­marsch am 16. April 2015 in Nauen.6 Inzwis­chen ist Björn Brusak Gast bei zahlre­ichen Ver­anstal­tun­gen der extrem Recht­en.

… hier dazu das Ver­gle­ichs­bild. (Quelle: facebook.com)


Eine beson­dere Verbindung hat er dabei auch zur neon­azis­tis­chen Zeitung „Recht & Wahrheit“.
Mit der Braunen Elite per Du
Etwa zweimal jährlich find­en die soge­nan­nten „Lesertr­e­f­fen“ der neon­azis­tis­chen Zeitschrift „Recht & Wahrheit“ von Meinolf Schön­born statt. Diese Ver­anstal­tung gilt als bun­desweit­er Tre­ff­punkt für neon­azis­tis­che Führungsper­so­n­en und als Schnittstelle der ver­schiede­nen Gen­er­a­tio­nen.7 Zu den regelmäßi­gen Referieren­den gehört u.a. die Holo­caustleugner­in Ursu­la Haver­beck. Die Tagung find­et dabei jew­eils im als bun­desweit bekan­nten Szen­e­tr­e­ff­punkt Hufhaus-Harzhöhe in Harz­tor-Ilfeld statt. Ein weit­er­er regelmäßiger Teil­nehmer ist „Brusi“, der bei den ver­gan­genen „Lesertr­e­f­fen“, zulet­zt vom 17. bis 19. April 2015,8 für die musikalis­che Unter­hal­tung sorgte. Dahin­ter ver­birgt sich, nicht unschw­er zu erah­nen, Björn Brusak. Das er dabei nicht nur als Lie­der­ma­ch­er teil­nahm, ist anzunehmen. Im Som­mer 2014 tauchte die damals aktuelle Aus­gabe von „Recht & Wahrheit“ in vere­inzel­ten Frank­furter Briefkästen auf. Es ist auch hier anzunehmen, dass Björn Brusak dahin­ter steckt. Vom 25. bis zum 27. Sep­tem­ber 2015 find­et das näch­ste „RuW-Lesertr­e­f­fen“ im Harz statt. Auch dies­mal wird „Brusi“ zuge­gen sein.9
In den The­men der „Recht & Wahrheit“ find­en sich immer wieder ver­schwörungs­the­o­retis­che und anti­semi­tis­che Darstel­lun­gen. Diese find­en sich auch in anderen Pub­lika­tio­nen die Brusak gerne zu lesen scheint. Das in der Truther-Szene beliebte Buch „Die Jahrhun­dertlüge, die nur Insid­er ken­nen: erken­nen erwachen verän­dern“ von Heiko Schrang emp­fiehlt Björn Brusak in ein­er Rezen­sion auf amazon.de als „geniales Buch“, welch­es „unbe­d­ingt mehrmals zu lesen und auch zu erleben“ ist.10 Auch eine andere, extrem rechte Grup­pierung, der Brusak nahe ste­ht ver­bre­it­et solche Inhalte.

Vom ver­schwörungs­the­o­retis­chen Com­pactTV des Jür­gen Elsässers bis zu einem Nord­ko­rea-Kanal. Björn Brusak ver­fol­gt ver­schieden­ste Inter­essen auf Youtube. (Quelle: youtube.com)


Von Europäis­ch­er Aktion zum „III. Weg“
Die extrem rechte und anti­semi­tis­che „Europäis­che Aktion“ (EA) ist eine kleine, etwa 2009 gegrün­dete Grup­pierung des Holo­caustleugn­ers Bern­hard Schaub.11Auch in Bran­den­burg gibt es einen kleinen Ableger, der in der Ver­gan­gen­heit jedoch kaum in Erschei­n­ung trat. Aus­nahme bildete die Beteili­gung an den soge­nan­nten Mon­tags­mah­nwachen von Lars Mährholz im ver­gan­genen Jahr in Berlin durch mehr oder weniger bekan­nte Neon­azis aus Bran­den­burg. Zu diesen gehörte auch Björn Brusak. Er baute Anfang 2014 einen Stützpunkt der EA in Frank­furt (Oder) auf und ver­suchte mit­tels klein­er Ver­anstal­tun­gen und Gemein­schaftsaben­den Mit­glieder zu rekru­tieren. Auf der Face­book-Seite des Frank­furter Ablegers wur­den regelmäßig anti­amerikanis­che und anti­semi­tis­che Ver­schwörungs­the­o­rien ver­bre­it­et. Seit Anfang diesen Jahres verze­ich­nete die Seite bis­lang kaum neue Aktiv­itäten.
Vielmehr scheint sich die wichtig­ste Per­son der Bran­den­burg­er EA Björn Brusak an anderen extrem recht­en Ver­anstal­tun­gen zu beteili­gen. Oft als Red­ner und Lie­der­ma­ch­er.
Diese Aktiv­itäten inten­sivierte er seit Anfang diesen Jahres. Bei den neon­azis­tis­chen Aufmärschen der Grup­pierung „Frankfurt/Oder wehrt sich“ war er im Jan­u­ar, Feb­ru­ar und Juli jew­eils als Red­ner zu Gast.12 Bei Kundge­bun­gen der neon­azis­tis­chen Partei „Der III. Weg“ am 1. August in Zossen und Dams­dorf het­zte er eben­falls gegen Geflüchtete und ver­bre­it­ete seine Ver­schwörungs­the­o­rien.13
Sein eigenes asylfeindlich­es Pro­jekt ver­fol­gt er derzeit in seinem Heima­tort. Am 18. Juli rief er unter dem Mot­to „Finken­heerd sagt Nein“ zu ein­er offe­nen Diskus­sion­srunde. Anlass war die anste­hende Unter­bringung von drei Flüchtlings-Fam­i­lien. Hierzu hat­te er lokale Politiker*innen ein­ge­laden. Diese fol­gten dem Ange­bot jedoch nicht. Dafür sprachen neben Björn Brusak selb­st auch der NPD-Lan­desvor­sitzende Klaus Beier und die NPD-Aktivistin Manuela Kokott aus Mark­graf­pieske (Land­kreis Oder-Spree). Bei­de begrüßte er vor Beginn der Ver­anstal­tung fre­und­schaftlich. Auch zahlre­iche Anwohner*innen Finken­heerds nah­men an der Ver­anstal­tung teil.14
Für den kom­menden Sam­stag, den 5. Sep­tem­ber kündigte der umtriebige Neon­azi Björn Brusak erneut eine offene Diskus­sion­srunde an. So wur­den in Brieskow-Finken­heerd und den umliegen­den Ortschaften Fly­er verteilt die zwar auf den ersten Blick den Ein­druck ver­mit­teln sollen das es sich um eine Kundge­bung für „besorgte Bürger*innen“ han­delt. Jedoch ist auf­grund der Beteili­gung Brusak’s der neon­azis­tis­che Charak­ter nicht von der Hand zu weisen. Auch dies­mal sind Kommunalpolitiker*innen ein­ge­laden und es ist auch dies­mal davon auszuge­hen, dass die NPD ans Mikro­fon treten wird. Obwohl Brusak in der Ver­gan­gen­heit betonte, dass es sich dabei um keine Neon­azi-Ver­anstal­tung han­delt, ist sie genau das: Eine von einem Neon­azi organ­isierte Kundge­bung auf denen Neon­azis sprechen. Der auf Dia­log set­zende Bürg­er­meis­ter Frank Richter ließ bish­er ver­mis­sen sich klar von der ras­sis­tis­chen Ver­anstal­tung zu dis­tanzieren. Er sei dabei bess­er berat­en, wenn er keine Almosen von Befürworter*innen und Tonangeber*innen ras­sis­tis­ch­er Het­ze anzunehmen. Zu diesen gehört in der Region Frank­furt (Oder) und dem Land­kreis Oder-Spree zweifels­frei Björn Brusak.
 
1Vgl. antifaschis­tis­che recherchegruppe frank­furt (oder): Immer Ärg­er mit der Bier­bar, https://recherchegruppe.wordpress.com/2013/09/08/immer-arger-mit-der-bierbar/, 08.09.2013.
2Vgl. BorG Frank­furt (Oder): Doch mehr als ein Geburt­stagsständ­chen, http://utopiaffo.blogsport.de/2015/02/27/doch-mehr-als-ein-geburtstagsstaendchen-rechter-liedermacher-muss-geldstrafe-zahlen/, 27.02.2015, einge­se­hen am 02.09.2015.
3Vgl. https://www.youtube.com/channel/UCIUsbdNOvBwcn_LuibnHjTA, einge­se­hen am 02.09.2015.
4Vgl. https://www.youtube.com/watch?v=HR487V2-SeA, einge­se­hen am 02.09.2015.
5Vgl. https://www.youtube.com/user/MrBrusi86/channels, einge­se­hen am 02.09.2015.
7Vgl. Budler, Kai: Meinolf Schön­born bit­tet zum Nazi-Palaver nach Thürin­gen, http://www.publikative.org/2013/02/26/nachdenken-uber-eine-neue-methodik-des-nationalen-widerstandes/, 26.02.2013, einge­se­hen am 02.09.2015.
8Vgl. Blick nach Rechts: Revi­sion­is­ten­tr­e­f­fen im Süd­harz, http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/revisionistentreffen-im-s-dharz (einge­se­hen am 2. Sep­tem­ber 2015).
9Vgl. Blick nach Rechts: Braunes Meet­ing im Süd­harz, http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/braunes-meeting-im-s-dharz, 2703.2015, einge­se­hen am 02.09.2015.
10Vgl. Kun­den­rezen­sion zu Die Jahrhun­dertlüge, http://www.amazon.de/review/RLO2GRXZUE08T, 22.07.2014, einge­se­hen am 02.09.2015.
11Vgl. Bran­den­bur­gis­che Lan­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung: Europäis­che Aktion, http://www.politische-bildung-brandenburg.de/node/9448, Juli 2013, einge­se­hen am 02.09.2015.
12Vgl. antifaschis­tis­che recherche­gurppe frank­furt (oder): Der Auf­s­tand der Ekel­haften, https://inforiot.de/der-aufstand-der-ekelhaften/, 06.02.2015 und „Frankfurt/Oder wehrt sich“ IV. Akt – inhalt­sleer­er und aggres­siv­er, https://inforiot.de/frankfurtoder-wehrt-sich-iv-akt-inhaltsleerer-und-aggressiver/, 13.08.2015, sowie infori­ot: Schweigsame Neon­azis und laut­starke antifaschis­tis­che Demon­stra­tion, https://inforiot.de/frankfurt-oder-schweigsame-neonazis-und-lautstarke-antifaschistische-demonstration/, 14.02.2015, einge­se­hen am 02.09.2015.
13Vgl. Press­eser­vice Rathenow: Proteste gegen Kundge­bungs­tour des III. Weges, https://inforiot.de/zossendamsdorf-proteste-gegen-kundgebungstour-des-iii-weges/, 01.08.2015, einge­se­hen am 05.08.2015.
14Vgl. invia 1200: Brieskow-Finken­heerd: “Besorgte Bürger*innen” beklatschen Nazis, https://inforiot.de/brieskow-finkenheerd-besorgte-buergerinnen-beklatschen-nazis/, 19.07.2015, einge­se­hen am 02.09.2015.

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