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Prozessauftakt unter strengen Sicherheitsvorkehrungen

(13.04.05) BERNAU Vor dem Amts­gericht Bernau (Barn­im) hat am Mittwoch unter
stren­gen Sicher­heitsvorkehrun­gen der Prozess gegen Yasin C. wegen
sex­ueller Nöti­gung in zwei Fällen begonnen. Anfang Juli 1994 soll der
Inhab­er eines türkischen Bistros in Zeper­nick ver­sucht haben, einem
13-jähri­gen Mäd­chen gegen seinen Willen einen Zun­genkuss zu geben. Der
zweite Vor­fall ereignete sich im Feb­ru­ar dieses Jahres. Hier soll der
28-Jährige an einem 13-jähri­gen Mäd­chen sex­uelle Hand­lun­gen vol­l­zo­gen
haben. 

Doch nicht der Angeklagte ist der Grund für die stren­gen Kon­trollen.
Knapp einen Monat nach dem zweit­en Vor­fall — Yasin C. saß bere­its in
Unter­suchung­shaft — verübten Unbekan­nte einen Bran­dan­schlag auf sein
Bistro, besprüht­en Möbel und Wände mit Nazisym­bol­en. Wenige Tage später
taucht­en über­all in Zeper­nick Plakate auf, auf denen Yasin C. unter
anderem als “Kinder­schän­der” beschimpft wurde. “Es kon­nte nicht
aus­geschlossen wer­den, dass der Ver­such unter­nom­men wird, die
Ver­hand­lung zu stören”, begrün­det der Lei­t­ende Ober­staat­san­walt Car­lo
Weber die Sicher­heits­maß­nah­men im Gericht. 

Vor dem Jugend­schöf­fen­gericht unter Vor­sitz von Richter Andreas Müller
räumt Yasin C. ein, das eine Mäd­chen gegen ihren Willen zu einem
Zun­genkuss genötigt zu haben. Zu der zweit­en ihm zur Last gelegten
Straftat macht er am ersten Prozesstag keine Angaben. Am 27. April wird
die Ver­hand­lung fortgesetzt. 

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Antifa-Aktionen zum 60.Jahrestag der Befreiung Bernaus

Um den Sieg der Alli­ierten über Deutsch­land zu feiern, aber auch um den Opfern der
deutschen Ver­nich­tung­stat zu gedenken, wird die “Gruppe Daniljuk” ver­schiedene Aktio­nen veranstalten. 

Wir haben bei unseren Aktio­nen den bun­des­deutschen Geschichts­diskurs im Visi­er und
wollen Geschicht­sre­vi­sion­is­mus, wie er u.a. im “Net­zw­erk für Tol­er­anz und
Weltof­fen­heit” prak­tiziert wird, eine Absage erteilen. 

So ist in unserm Aufruf zu lesen: “60 Jahre später haben die Deutschen Grund zum
Feiern, näm­lich die Meta­mor­phose von Tätern zu Opfern. Das Gros der Deutschen feiert
an diesem Tag näm­lich die Befreiung Deutsch­lands von den Nation­al­sozial­is­ten und
nicht etwa die mil­itärische Kapit­u­la­tion des Drit­ten Reich­es, geschweige denn die
Befreiung der über­leben­den Juden, Sin­ti und Roma und anderen Ver­fol­gten der Nazis. 

Unter­stützt wird die “Gruppe Daniljuk” von der Autonomen Jugen­dan­tifa Bernau[AJAB],
Ver­anstal­ter des “Antifaweek­end” im Okto­ber let­zten Jahres. 

AJAB-Press­esprech­er Markus Fraikin sagte zu den bevorste­hen­den Aktion­sta­gen: “Es ist
grausam mit anzuse­hen wie die 60ten Jahrestage allerorts miss­braucht wer­den, um für
Frieden mit der deutschen Ver­gangheit zu demon­stri­erten.
Unsere Kon­se­quenz jedoch kann nur Krieg den deutschen Zustän­den heiszen” 

Um der Kon­ti­nu­ität des Nation­al­sozial­is­mus in Deutsch­land ein Ende zu set­zten,
fordern wir die totale Demil­i­tarisierung Deutsch­lands, sowie ein voll­ständi­ge
Ent­naz­i­fizierung unter alli­iert­er Kontrolle. 

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Abweichler sollen sich bekennen

(MAZ)POTSDAM Nach dem Eklat im Land­tag um zwei Fremd­stim­men für die recht­sex­treme
DVU wächst die Sorge vor einem Imageschaden für Bran­den­burg. Die Lei­t­erin
der Lan­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung, Mar­ti­na Weihrauch, nan­nte den
Vor­fall gestern “hoch­prob­lema­tisch”. Sie kri­tisierte, dass Abge­ord­nete ihrer
Ver­ant­wor­tung und Vor­bild­wirkung nicht gerecht wür­den. Die Bevölkerung nehme
solche Abstim­mungen mit großer Sen­si­bil­ität wahr. 

Land­tagspräsi­dent Gunter Fritsch (SPD) verurteilte erneut scharf, dass
Vertreter demokratis­ch­er Parteien für DVU-Vertreter ges­timmt haben. “Das ist
eine Schande für unser Par­la­ment”, sagte er. 

Im Land­tag wird der­weil nach den Abwe­ich­lern gesucht. Sowohl SPD, CDU als
auch PDS schlossen wieder­holt aus, dass die Fremd­stim­men für die DVU aus
ihren Frak­tio­nen kamen. Über­raschend hat­te der DVU-Abge­ord­nete Michael Claus
am Don­ner­stag bei der Wahl zur Par­la­men­tarischen Kon­trol­lkom­mis­sion (PKK)
für den Ver­fas­sungss­chutz acht Stim­men erhal­ten. Sechs Abge­ord­nete hat seine
Frak­tion nur. Er fiel allerd­ings trotz­dem durch. 

SPD-Frak­tion­schef Gün­ter Baaske forderte gestern die bei­den Abge­ord­neten
auf, sich zu erk­lären. “Wer für die DVU ist, soll das öffentlich sagen und
sein Mütchen nicht bei ein­er geheimen Wahl kühlen”, sagte er. Allerd­ings
dürfte die Chance eher ger­ing sein, dass die Betrof­fe­nen sich offen­baren.
“Die Namen der bei­den Ver­räter wird man nie her­aus­bekom­men, da die Wahl
geheim war”, ist sich ein Abge­ord­neter sicher. 

Mit gegen­seit­i­gen Schuldzuweisun­gen hiel­ten sich die Abge­ord­neten gestern
zurück. Es herrscht allerd­ings Einigkeit darüber, dass es sich nicht um ein
Verse­hen beim Ankreuzen han­deln kon­nte. Denn bei zwei weit­eren Abstim­mungen
an diesem Tag über die Vertreter in den Beiräten für die Liegen­schaften der
West­gruppe der rus­sis­chen Trup­pen (WGT) und der Lan­desin­vesti­tions­bank Land
Bran­den­burg (ILB) beka­men die DVU-Vertreter eben­falls acht beziehungsweise
sieben Stimmen. 

Bere­its in der vorigen Wahlpe­ri­ode hat­ten DVU-Kan­di­dat­en bei Gremien­wahlen
mehr Stim­men erhal­ten als sie Abge­ord­nete haben. Die PKK-Wahl war allerd­ings
beson­ders brisant. Am Vortag hat­te der Land­tag nach den Wahler­fol­gen von DVU
und NPD einen gemein­samen Beschluss gegen Recht­sex­trem­is­mus gefasst. Im
Vor­feld hat­te es Stre­it gegeben, weil die CDU eine Ini­tia­tive mit der PDS
abgelehnt hatte. 

Der PKK gehören wie bish­er vier Abge­ord­nete an. Das sind für die SPD Brit­ta
Stark und Klaus Bochow, für die PDS Ker­stin Kaiser-Nicht und für die CDU
Frank Wern­er. Die DVU war zuvor mit ihrem Antrag gescheit­ert, das Gremi­um um
einen Sitz zu erweit­ern. In einem solchen Fall hätte die DVU Anspruch darauf
anmelden können. 

“DVU-Skan­dal darf sich nicht wiederholen”

Appell des Land­tagspräsi­den­ten an Demokraten

(LR)Nach dem jüng­sten DVU-Abstim­mungsskan­dal im Land­tag fordert CDU-Lan­deschef
und Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm “tiefer gehende Kon­se­quen­zen”. Gegenüber
der RUNDSCHAU sagte er gestern: “Man kann nicht ein­fach zur Tage­sor­d­nung
überge­hen.” Wie berichtet, hat­te die recht­sex­treme Partei am Don­ner­stag im
Land­tag bei geheimen Abstim­mungen erneut zwei Stim­men aus dem Lager der
demokratis­chen Parteien bekom­men. Schön­bohm zeigt sich besorgt, dass dies
nach dem Wiedere­inzug der DVU in den Land­tag im let­zten Herb­st nun bere­its
zum wieder­holten Male geschah. 

Der Innen­min­is­ter betonte, “alle Frak­tio­nen seien in der Pflicht, mit ihren
Mit­gliedern zu sprechen, Ver­dachtsmo­mente auszuräu­men, damit sich so etwas
nicht wieder­holt”. Auch Land­tagspräsi­dent Gunter Fritsch (SPD) ver­langte,
dass die Frak­tionsvor­sitzen­den von SPD, CDU und PDS jet­zt die Ini­tia­tive
ergreifen müssten: “Es muss eine Debat­te in den eige­nen Rei­hen geführt
wer­den.” Solche Skan­dale dürften sich nicht wiederholen. 

Sowohl Fritsch wie Schön­bohm erk­lärten, es bringe nichts, öffentlich zu
spekulieren, wer die DVU-Sym­pa­thisan­ten seien. Der Min­is­ter meinte jedoch,
dass “wed­er SPD noch CDU ein Inter­esse daran haben, Zwi­etra­cht in die
Koali­tion zu tra­gen”. Damit spielte er auf die PDS an. Fritsch betonte, er
könne sich nicht vorstellen, “dass hin­ter den Fremd­stim­men für die DVU ein
tak­tis­ches Spiel ein­er Frak­tion steckt”. Er sagte weit­er, es falle auf, dass
die DVU im Land­tag ver­suche, sich als sozial und lib­er­al, auf keinen Fall
als recht­sradikal darzustellen. Man müsse auf­passen, dass es im Land­tag im
Zuge des par­la­men­tarischen All­t­ags — die DVU arbeit­et in den meis­ten
Auss­chüssen mit — keine “schle­ichen­den Gewöh­nung­sprozesse” gebe. Wer wis­sen
wolle, wie die DVU wirk­lich denke, müsse nur ihre Inter­net-Seit­en anse­hen.
Durch ihr Wahlbünd­nis mit der NPD sei die DVU noch gefährlich­er geworden. 

Schön­bohm vertei­digte den Kurs der CDU-Frak­tion im Land­tag, selb­st im Kampf
gegen den Recht­sex­trem­is­mus keine gemein­samen Anträge mit der PDS
einzubrin­gen. Wie berichtet, hat­te die CDU einen Vorstoß der SPD abge­blockt,
in einem gemein­samen Antrag mit der PDS nicht nur den Recht­sex­trem­is­mus,
son­dern auch konkret die DVU zu ent­lar­ven. Hier gehe es um eine prinzip­ielle
Frage: “Wir wer­den mit der PDS keine gemein­samen Anträge unter­schreiben.”
Zwar habe sich die PDS dur­chaus ide­ol­o­gisch weit­er­en­twick­elt. Sie sei mehr
oder weniger im Rechtsstaat angekom­men. Aber sie habe ihre Ver­gan­gen­heit
bish­er nicht wirk­lich aufgearbeitet. 

“Stim­men für die DVU höchst problematisch”

(BM)Potsdam — Die Lei­t­erin der Zen­trale für Poli­tis­che Bil­dung, Mar­ti­na
Weyrauch, hat die Abstim­mungsergeb­nisse im Land­tag zu Gun­sten der
recht­sex­tremen DVU als “höchst prob­lema­tisch für den
Ver­trauens­bil­dung­sprozeß” eingestuft. Am Don­ner­stag hat­te die DVU bei
geheimen Wahlen drei Stim­men aus den demokratis­chen Rei­hen erhal­ten. Einige
Par­la­men­tari­er müßten ihre Vor­bild­funk­tion drin­gend über­denken, sagte
Weyrauch. Alle Frak­tion­schefs haben mit­tler­weile erk­lärt, daß die Stim­men
garantiert nicht aus den Rei­hen ihrer Frak­tio­nen kamen. Ver­glichen mit 1992
hat die Lan­deszen­trale etwa drei Vier­tel der Zuschüsse für Sach­mit­tel wie
Büch­er einge­büßt. Die freien Träger poli­tis­ch­er Bil­dungs­maß­nah­men hät­ten im
sel­ben Zeitraum rund zwei Drit­tel ihrer Zuwen­dun­gen verloren.

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Unverständnis für großen Polizeieinsatz

Straus­berg (MOZ) Der mas­sive Ein­satz von Bere­itschafts- und Krim­i­nalpolizei
vom Mittwoch im Jugendzen­trum Horte hat zu ener­gis­chen Protesten der
Betreiber und Unver­ständ­nis bei Bürg­ern und Stadtverord­neten geführt. Die
Ver­hält­nis­mäßigkeit der Mit­tel wurde sehr kri­tisch in Frage gestellt. 

Die Vertreter des Alter­na­tiv­en Jugend­pro­jek­ts Straus­berg 1260 waren am Rande
der Straus­berg­er Stadtverord­neten­ver­samm­lung leicht auszu­machen. Auf alle
Abge­ord­neten- und Pres­setis­che hat­ten sie ihre Erk­lärung zur groß angelegten
Durch­suchungsak­tion der Polizei in ihrem Jugendzen­trum Horte aus­gelegt:
“Beweis­mit­tel­sicherung oder Sper­rmül­lak­tion?” ist sie iro­nisch über­schrieben
und stellt darunter die Sicht der Betreiber des alter­na­tiv­en Jugend­clubs
dar. Auch unter Abge­ord­neten, beson­ders der PDS, waren Protest und
Unver­ständ­nis für die Razz­ia zu hören. 

Wie die MOZ berichtete, zielte die Durch­suchung auf “Holzge­gen­stände, die
zum Schla­gen geeignet sind”, wie es der Polizeis­prech­er umschrieb, weil in
der Nacht zum 23. Jan­u­ar mehrere rechts­gerichtete Jugendliche bei einem
Handge­menge im Ein­gangs­bere­ich ver­let­zt wur­den. Wie das Alter­na­tive
Jugend­pro­jekt mit­teilt, habe die Polizei alles einge­sam­melt, “was
ansatzweise nach Knüp­pel aus­sah”, unter anderem Keulen für einen
Jonglier­work­shop, kaputte Queues. Während der Durch­suchung hat­te die Polizei
durch­blick­en lassen, dass jegliche Gewal­tan­wen­dung, gle­ich von welchem
poli­tis­chen Flügel, ver­fol­gt werde. 

Bürg­er­meis­ter Hans Peter Thier­feld antwortete auf Nach­frage der
Abge­ord­neten, dass er mit dem Schutzbere­ich­sleit­er nach der Durch­suchung
gesprochen habe. Die Aktion lief unter Fed­er­führung des 2. Kom­mis­sari­ats des
Polizeiprä­sid­i­ums, lokale Polizei war nicht einge­bun­den. Seine Anwe­sen­heit
als Haush­err der städtis­chen Immo­bilie wurde als nicht notwendig erachtet.
Straus­berg­er Bürg­er wie Ger­hard Schröter kri­tisierten das Vorge­hen scharf
und forderten ein Ein­treten für Horte.

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Erneut Linke gegen Rechte

RATHENOW Das Stadt­fest in Rathenow soll eine Ver­anstal­tung sein, die Spaß
und Entspan­nung bietet. Manch­mal allerd­ings wird diese Erwartung für den
einen oder anderen getrübt. Beim Fest selb­st — oder auch später. 

Das Amts­gericht Rathenow ver­han­delte jet­zt wegen des Vor­wurfs der
vorsät­zlichen Kör­per­ver­let­zung gegen den Angeklagten Nor­man St. Ihm wurde
ange­lastet, er habe in der frühen Nacht des 12. Sep­tem­ber 2004 einen jun­gen
Mann niedergeschla­gen und dann — als dieser am Boden lag — auf dessen Kopf
getreten. 

Am 11. Sep­tem­ber 2004 war das Stadt­fest in vollem Gange. Der Angeklagte und
der Geschädigte hiel­ten sich dort auf, bei­de in Begleitung von Fre­un­den.
Eigentlich prob­lem­frei, aber nicht, wenn die Beteiligten ver­schiede­nen
Grup­pierun­gen ange­hören. St. ist der recht­en Szene zuzuord­nen, der
Geschädigte der linken. Das geht oft nur solange gut, bis die Zeit schon
vorgeschrit­ten ist und man sich sieht. Gegen 1 Uhr am 12. Sep­tem­ber ging der
Geschädigte mit einem Fre­und in Rich­tung Berlin­er Straße. Mit einem Mal sah
er den Angeklagten. Die bei­den star­rten sich mit gifti­gen Blick­en an — so
die übere­in­stim­menden Zeu­ge­naus­sagen. Dann bewegten sie sich aufeinan­der zu.
Was dann geschah, war nur teil­weise aufzuk­lären. Eine Zeu­g­in wollte gese­hen
haben, dass die bei­den Beteiligten aufeinan­der zug­in­gen, kurz miteinan­der
rede­ten und der Geschädigte dann mit einem Mal zuschlug. Ob der Angeklagte
getrof­fen wurde, kon­nte sie nicht sagen. Dieser habe jeden­falls
zurück­geschla­gen und sich nur gewehrt. Auf den Kopf des danach am Boden
Liegen­den habe er nicht getreten. Ein ander­er Zeuge bestätigte diese Abläufe
und stellte den Geschädigten auch als Angreifer dar. Er habe dann den
Angeklagten von dort wegge­zo­gen. Einen Fußtritt habe es nicht gegeben.
Andere Zeu­gen bestätigten auch das Anstar­ren, den weit­eren Ver­lauf woll­ten
sie anders gese­hen haben: der Angeklagte allein habe plöt­zlich zugeschla­gen.
Der Geschädigte sei zu Boden gegan­gen, dann habe St. ihm auf den Kopf
getreten. “Es knallte richtig”, sagte ein­er. Ein Zeuge küm­merte sich um den
am Boden Liegen­den; der ging zur Polizei­wache und zeigte eine
Kör­per­ver­let­zung durch Unbekan­nt an. Als er zum Stadt­fest zurück­ging, sah er
den Angeklagten erneut. Dies teilte er einem Polizis­ten mit. Dieser fuhr im
Streifen­wa­gen mit ihm hin­ter dem Angeklagten her. In Höhe der Tankstelle
Berlin­er Straße wurde dieser dann zur Rede gestellt. 

Wider­sprüch­liche Zeugenaussagen 

Das Gericht stand vor der Frage, was tat­säch­lich geschehen war. Die
Zeu­ge­naus­sagen zum gesamten Tat­ablauf waren, so der Richter wörtlich, in
sich wider­sprüch­lich und kaum glaub­haft. So hät­ten die Zeu­gen je nach
“Zuge­hörigkeit” nur das gese­hen, was für die andere Seite belas­tend war,
anson­sten hät­ten sie ange­blich nichts bemerkt. Er habe den Ein­druck, es
werde wieder ver­sucht, das Gericht für Szenen­in­ter­essen zu
instru­men­tal­isieren. Hierzu sei es aber nicht da. 

Die Staat­san­waltschaft hielt den Anklagevor­wurf trotz der wider­sprüch­lichen
Aus­sagen für bewiesen. Da der Angeklagte bish­er nicht straf­fäl­lig war,
beantragte sie ins­beson­dere wegen des Fußtritts eine Geld­strafe von 60
Tagessätzen zu je 40 Euro. 

Der Vertei­di­ger glaubte den Fußtritt nicht und hielt den nachgewiese­nen
Schlag des Angeklagten für eine berechtigte Abwehrreak­tion auf einen Angriff
des Geschädigten. Er beantragte Freispruch. 

Das Gericht ließ offen, ob möglicher­weise der Geschädigte den Angeklagten
zuerst ange­grif­f­en habe. Wenn der Zeuge wegen des Schlags des St. dann zu
Boden ging, wäre möglicher­weise bis hier nichts Straf­bares geschehen. Aber
dann habe der Angeklagte noch auf den Kopf des wehr­los am Boden Liegen­den
einge­treten. Dies sei das Einzige, was nach den wirren Zeu­ge­naus­sagen
festzustellen bleibe. Im Übri­gen sei der Tritt auch durch eine ärztliche
Stel­lung­nahme bestätigt. Damit habe St. eine vorsät­zliche gefährliche
Kör­per­ver­let­zung began­gen. Das Urteil lautete auf 40 Tagessätze zu je 40
Euro .

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Ein-Euro-Jobber als Bürgerwehr

WRIEZEN. Am Gar­ten­tor zu dem Grund­stück im Stadtzen­trum hängt ein Schild mit
der Auf­schrift: “Sich­er leben in Wriezen”. Der Vere­in, der hier seinen Sitz
hat, nen­nt sich “Sol­i­darge­mein­schaft zum Schutz vor Krim­i­nal­ität”. In einem
Flach­bau ler­nen sechs Leute. Eine Woche lang gehen sie the­o­retisch durch,
was sie ab Mon­tag prak­tisch tun wollen — bei ihren täglichen Streifen. Sie
sind bun­desweit die erste Bürg­er­wehr, die ihre Tätigkeit als Ein-Euro-Jobs
von der Arbeit­sagen­tur bezahlt bekommt. 

Und obwohl sie den Dienst noch gar nicht ange­treten haben, sor­gen sie für
Ärg­er. Andreas Schus­ter, Chef der Gew­erkschaft der Polizei, sagt: “Wir
lehnen Streifen mit Ein-Euro-Job­bern ab. Das ist der Weg in eine
Bil­lig­polizei und in die Pri­vatisierung der öffentlichen Sicher­heit.”
Vere­in­schef Siegfried Schwen­sow ärg­ert sich über die Vor­würfe. “Wir wollen
keine Konkur­renz für Polizis­ten sein oder dazu beitra­gen, dass sie ent­lassen
wer­den”, sagt der 48-jährige Arbeit­slose, der lange Stadtverord­neter der
Grü­nen war. Auch die Beze­ich­nung Bürg­er­wehr find­et er viel zu mar­tialisch.
“Wir sind eine Bürg­erwacht.” Es gebe im Ort nur noch zwei Polizis­ten, auch
das Ord­nungsamt sei abends geschlossen. “Wenn dann etwas passiert, wollen
wir das Bindeglied zu den offiziellen Stellen sein.” 

Doch ist das über­haupt nötig? Wriezen nen­nt sich “Haupt­stadt des
Oder­bruchs”. In dem Ort mit 8 600 Ein­wohn­ern ist die Krim­i­nal­ität so hoch
wie über­all in der Region, genau wie die Arbeit­slosigkeit. Hier gibt es
nicht mehr Neon­azis oder Über­fälle auf Aus­län­der als ander­swo in
Brandenburg. 

Doch den Vere­in “Sich­er leben in Wriezen” gibt es seit 1995. Die 19
Mit­glieder gin­gen regelmäßig Streife als frei­willige Sicher­heitspart­ner der
Polizei. “Einige zogen weg, weil sie hier keine Arbeit fan­den”, sagt
Schwen­sow. Da kam er auf die Idee, die Ein-Euro-Jobs zu beantra­gen. “Unsere
Stadt ist nicht unsich­er”, sagt Thomas Hartinger, der lange ehre­namtlich
Streife lief und nun pro Stunde 1,20 Euro vom Arbeit­samt bekommt — 25
Stun­den sind für jeden in der Woche erlaubt. “Wir informieren die Stadt, wo
die Leute ille­gal Müll abw­er­fen, wo Graf­fi­ti sind, welche Schilder
abge­brochen wur­den, welche Lat­er­ne kaputt ist.” Die Stadt habe nicht das
Per­son­al, jede Dreck­ecke aufzuspüren. 

Die Truppe wurde von der Polizei darüber aufgek­lärt, dass sie nur die
“Jed­er­manns-Rechte” hat. “Wir dür­fen nie­man­den ver­haften”, sagt André
Schmitz. “Aber beobacht­en, die Polizei bei ein­er Straftat rufen, die Täter
aufhal­ten, das dür­fen wir wie jed­er Bürg­er.” Sie sind nur mit Handys und
Taschen­lam­p­en “bewaffnet”.

Der Jüng­ste in der Truppe ist 22, der Älteste 52. Sie waren Schloss­er,
Zim­mer­mann, Bauar­beit­er, auch eine Bäck­erin gehört dazu. Mit dabei ist auch
Schäfer­hund Satan, der nur Schnap­pi genan­nt wird. Sie führen sich nicht auf
wie Freizeit-Ram­bos. Eher wie Leute, die sich freuen, endlich wieder Arbeit
zu haben. Und die die Arbeit­sagen­tur gerne aus der Sta­tis­tik gestrichen hat.
“Ich bin seit 18 Monat­en arbeit­s­los”, sagt Heinz Schmal­long. “Ich finde
keinen Job auf dem Bau, da ist die Lage beschissen und ich bin 52″, sagt er. 

“Wir freuen uns für jeden, der einen Job bekommt”, sagt der Polizeis­prech­er
des Schutzbere­ichs, Thomas Wilde. “Aber dass Ein-Euro-Jobs im
Sicher­heits­bere­ich sin­nvoll sind, wage ich zu bezweifeln.” Die Leute seien
nicht aus­re­ichend qual­i­fiziert. “Straftat­en kön­nen wir nicht ver­hin­dern”,
sagt Vere­in­schef Schwen­sow. “Aber hof­fentlich trägt unsere Präsenz dazu bei,
ger­ade Jugendliche davon abzuhalten.” 

Bis Okto­ber patrouil­liert die Bürg­erwacht. Dann laufen die Ein-Euro-Jobs aus
und die sechs sind wohl erst ein­mal wieder arbeitslos.

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Das Deportationssymbol

(MAZ)FÜRSTENBERG “Eine Hälfte von mir lacht, weil ich am Leben bin. Die andere
weint, weil meine Fre­undin die trau­ma­tis­chen Erleb­nisse in Ravens­brück nicht
ver­ar­beit­en kon­nte und sich 1966 das Leben nahm.” Die Ungarin Agnes Bartha
war im Herb­st 1944 zusam­men mit ihrer Fre­undin Edit Kiss nach Ravens­brück
und dann ins Außen­lager Gen­sha­gen ver­schleppt wor­den. Gestern Nach­mit­tag
sprach sie anlässlich der Eröff­nung der Ausstel­lung “Wag­gon” im Namen ihrer
Kam­eradin­nen und Kam­er­aden über den “Trans­port”. Zusam­mengepfer­cht, kein
Licht, keine Toi­lette — so erlebte auch Agnes Bartha die Fahrt. “Es gab nur
zwei kleine Fen­ster mit Git­tern. Da haben wir raus­geschaut und Kinder beim
Schlittschuh­laufen und bei der Schnee­ballschlacht gese­hen. Wir dacht­en, dass
wir so etwas nie wieder erblick­en wür­den. Am 22. Novem­ber sind wir in
Ravens­brück angekom­men und hat­ten die Hoff­nung, dass es ein wenig
men­schlich­er als im Wag­gon zuge­hen würde. Aber die Hoff­nung hat man uns
gle­ich genommen.” 

Fast alle der etwa 130 000 Häftlinge von Ravens­brück sind mit Güter­wa­gen
dor­thin ver­schleppt wor­den. Der Reichs­bahn-Wag­gon ist heute das
Depor­ta­tion­ssym­bol schlechthin und gehört deshalb nach Ravens­brück. Die
Mahn- und Gedenkstätte hat solch einen his­torischen Wagen erwor­ben. Er ste­ht
auf einem Gleis an den Ram­p­en der ein­sti­gen “Beutebarack­en”. Links und
rechts neben dem Wag­gon befind­en sich die Infor­ma­tion­stafeln, die die
Ausstel­lung “Züge nach Ravens­brück. Trans­porte mit der Reichs­bahn 1939–1945”
bilden. Sie sind auf ein­er hölz­er­nen Plat­tform ange­ord­net, die unge­fähr die
Größe eines Wag­gons hat. 

Karolin Steinke, Stu­dentin an der Hum­boldt-Uni, hat die Ausstel­lung — ihre
erste — erar­beit­et, und Jakob Brum­mack hat sie gestal­tet. “Für die
Trans­porte aus ganz Europa in die Lager war eine per­fek­te Organ­i­sa­tion
nötig, die aber nichts über den Schreck­en und das Leid aus­sagt. Deshalb
kom­men in der Ausstel­lung die Über­leben­den zu Wort.” Und Zeitzeu­gen wie die
Fürsten­berg­er Wolf­gang Stege­mann und Han­na Ahlgrimm sowie einige, die ihren
vollen Namen nicht aufgeschrieben sehen woll­ten. Fast alle Trans­porte kamen
näm­lich auf dem Bahn­hof Fürsten­berg an, die Häftlinge wur­den dann entwed­er
mit Lkw nach Ravens­brück gebracht oder sie mussten die heutige Luisen­straße
ent­lang zum Lager laufen. 

Mit der gestri­gen Ausstel­lung­spräsen­ta­tion hat Gedenkstät­ten­lei­t­erin Sigrid
Jacobeit die Feier­lichkeit­en anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung
des KZ Ravens­brück eröffnet. 

Über­lebende gedenken an den Stät­ten des Todes

Am Son­ntag vor 60 Jahren wur­den die KZ Sach­sen­hausen und Ravens­brück befreit

(Tagesspiegel)Oranienburg/Fürstenberg — Sie sind alle hochbe­tagt, viele gebrech­lich.
Den­noch haben sie sich auf den Weg zu den Orten ihres Lei­dens und des Todes
ihrer Kam­er­aden aufgemacht. Rund 1300 Über­lebende der Konzen­tra­tionslager
Sach­sen­hausen und Ravens­brück wollen am Son­ntag an den Gedenk­feiern zum 60.
Jahrestag ihrer Befreiung teil­nehmen. Wollen noch ein­mal die Gele­gen­heit
nutzen, ihre Erin­nerun­gen an Ter­ror und Ver­nich­tung, aber auch an
Sol­i­dar­ität und Hil­fe im Lager weit­erzugeben. Bere­its heute tre­f­fen sich die
Frauen und Män­ner aus Europa, Israel, den USA und Kana­da mit Jugendlichen
aus Berlin und Brandenburg. 

Aber die Zahl der noch leben­den Zeitzeu­gen sinkt stetig. An den let­zten
großen Gedenkver­anstal­tun­gen zum 50. Jahrestag der Lager­be­freiung 1995
hat­ten noch mehr als 3000 Über­lebende teilgenom­men. “Um so wichtiger ist es,
die Erin­nerun­gen in Doku­men­ta­tio­nen und Fil­men festzuhal­ten”, sagt Horst
Sef­erenz von der Stiftung Bran­den­bur­gis­che Gedenkstät­ten. Oder in ein­er
Ausstel­lung — wie “Mord und Massen­mord im KZ Sach­sen­hausen 1936 — 1945”, die
am Son­ntag in der neu gestal­teten “Sta­tion Z” der Gedenkstätte eröffnet
wird. Eine weit­ere Schau — im Muse­um der Gedenkstätte — zeich­net die
Lebens­geschicht­en von 24 Über­leben­den des KZ aus neun Län­dern nach: “Hier
war das ganze Europa.” 

Mit dem Fortbe­stand des Trau­mas der Über­leben­den in der zweit­en Gen­er­a­tion
set­zt sich der israelis­che Plakatkün­stler Yos­si Lemel, Sohn eines
KZ-Häftlings, auseinan­der. Er zeigt, eben­falls in Sach­sen­hausen, seine Schau
“Six­ty Years since Lib­er­a­tion 1945 2005”. 

Bere­its gestern wurde in der Gedenkstätte des ein­sti­gen Frauen-KZ
Ravens­brück bei Fürsten­berg die Doku­men­ta­tion “Züge nach Ravens­brück.
Trans­porte mit der Reichs­bahn 1939 — 1945” eröffnet. Haupt­stück ist ein
Güter­wa­gen der Deutschen Reichs­bahn, in den damals Men­schen gepfer­cht
wur­den, um als “Trans­port” ins KZ gebracht zu werden. 

Auf der Gedenkver­anstal­tung am Son­ntag in Ravens­brück sprechen ab 10 Uhr
unter anderem Min­is­ter­präsi­dent Matthias Platzeck, Bun­des­fam­i­lien­min­is­terin
Renate Schmidt (bei­de SPD) und Pro­fes­sor Jakow Drabkin, der als Rotarmist an
der Lager­be­freiung teilgenom­men hat. Das Gedenken in Sach­sen­hausen begin­nt
um 14 Uhr mit Tre­f­fen der einzel­nen Opfer­vertre­tun­gen. Ab 15 Uhr wer­den
unter anderem der Min­is­ter­präsi­dent, Außen­min­is­ter Josch­ka Fis­ch­er (Grüne)
und Pro­fes­sor Thomas Buer­gen­thal sprechen. Er ist Richter am Inter­na­tionalen
Gericht­shof der UN in Genf und hat als Kind die Konzen­tra­tionslager
Auschwitz und Sach­sen­hausen über­lebt. Alle Ver­anstal­tun­gen sind öffentlich.

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Schipkau — eine Leidensstation jüdischer Häftlinge

Kurz vor Ende des Zweit­en Weltkrieges wurde der Streck­en­ab­schnitt der Schipp
chen­bahn zwis­chen Hör­litz und Schip­kau zur entset­zlichen Lei­denssta­tion von
etwa 2 500 vor allem jüdis­chen KZ-Häftlin­gen, heißt es in einem Beitrag der
Gemeinde Schipkau. 

Und weit­er: Zwei Tage lang, am 19. und 20. April 1945, stand hier ein mit
Men­schen voll­gepfer­chter Trans­portzug. Er kam aus dem Konzen­tra­tionslager
Bergen-Belsen im nieder­säch­sis­chen Land­kreis Celle. Ges­tartet war er als
let­zter von drei Zügen am 10. April. Sein Ziel war das Konzen­tra­tionslager
There­sien­stadt in Böhmen. 

Wie ein Geis­terzug rollte er in den let­zten Kriegsta­gen durch den immer
enger wer­den­den Kor­ri­dor im noch nicht beset­zten Teil Mit­teldeutsch­lands.
Ein Befehl vom Reichs­führer SS, Hein­rich Himm­ler, hat­te die Züge in Marsch
geset­zt. Denn kein KZ-Häftling sollte lebend in die Hände der Befreier
fallen. 

Als sich die britis­che Armee unter dem Befehl von Feld­marschall Mont­gomery
dem Konzen­tra­tionslager näherte, pfer­chte die SS-Wach­mannschaft die
unglück­lichen Frauen, Män­ner und Kinder viel­er Natio­nen wie Vieh in die 46
Wag­gons. Der Zug sollte nie in There­sien­stadt ankom­men. Die Irrfahrt führte
von Bergen-Belsen über Soltau, Lüneb­urg, Lauen­burg, Lud­wigslust und
Wit­ten­berge nach Berlin, wo er am 18. April ein­traf. Von dort fuhr er über
Königs Wuster­hausen, Lübben, Lübbe­nau nach Sen­ften­berg. Weit­er ging die
Geis­ter­fahrt auf der Schip­kau-Fin­ster­walder-Eisen­bahn in die Sänger­stadt und
dann über Dober­lug-Kirch­hain nach Falkenberg/Elster.

Eine gesprengte Elster­brücke machte der Irrfahrt des Zuges bei Tröb­itz am
22. April, nach zwölftägiger Geis­ter­fahrt, ein Ende. Die in den Zug
ges­per­rten Men­schen waren fast ohne Nahrung und Wass­er. Sie lit­ten unter den
grauen­haften hygien­is­chen Ver­hält­nis­sen, die Angst wuchs von Hal­tepunkt zu
Hal­tepunkt. Tief­flieger attack­ierten den Zug. Sehr bald grassierte unter den
Kindern, Frauen und Män­nern der Fleck­ty­phus. Viele star­ben an Krankheit,
Hunger, Erschöp­fung und vor Angst. Ihr Leid war uner­messlich, unvorstell­bar.
Wenn der Zug hielt, wur­den die Toten aus­ge­laden und unmit­tel­bar am Gleis­damm
beerdigt. Von Mal zu Mal stieg die Zahl der Opfer: Bergen Bahn­hof sechs
Tote, von Soltau nach Mun­ster zwei Tote, von Mun­ster nach Uelzen vier Tote,
von Uelzen nach Lüneb­urg zwölf Tote, am Bahn­hof Wit­ten­berge 24 Tote. 

Am 19. April schien die Odyssee des «ver­lore­nen Trans­portes» auf einem
Abstell­gleis der Schip­pchen­bahn ihr Ende gefun­den zu haben. Zwei Tage stand
der Zug zwis­chen Hör­litz und Schip­kau, bevor es dann weit­er ging in Rich­tung
Fin­ster­walde. Am Hal­tepunkt in der Nähe von Schip­kau wur­den 51 tote
Häftlinge aus dem Zug geholt und hier begraben. Zwanzig Schädel wur­den 1956
aus den Mas­sen­gräbern exhumiert und auf dem Fried­hof der Gemeinde bestat­tet.
Die meis­ten von ihnen liegen immer noch unmit­tel­bar neben der ehe­ma­li­gen
Gleis­straße in der Erde. 

Über alle auf dem Trans­port Ver­stor­be­nen schrieb ein Hol­län­der eine
Namensliste mit Ster­be­ta­gen, Geburts­da­tum und Herkun­ft­slän­dern, die so
genan­nte «Toten­liste» .

Die Grabla­gen bei Schip­kau sind auf der Liste wie fol­gt beschrieben: 

1. «Die Toten mit den Num­mern 62 bis 85 sind auf dem Bahn­ab­schnitt
Sen­ften­berg — Schip­kau 300 Meter vor der Eisen­bahn­brücke im Dorf Schip­kau,
an der Süd­seite der Eisen­bahn­schienen unge­fähr 30 Meter von der Weiche» . 

2. «Die Toten mit den Num­mern 86 bis 102 auf dem sel­ben Platz unge­fähr 350
Meter von der Eisen­bahn­brücke ent­fer­nt. Hier geht es um die Wegkreuzung,
liegend an der Reich­sauto­bahn Dres­den — Berlin» . 

3. «Die Toten mit der Num­mer 103 bis 112 sind vor Schip­kau an der Nord­seite
der Eisen­bahn­schienen unge­fähr 350 Meter vor dem Tun­nel, vier Meter von der
Eisen­bahn­schiene am Rand vom Busch begraben» . 

Am 23. April war der Tag der Befreiung vom Hitler­faschis­mus auch in
Tröb­itz — wo der Todeszug angekom­men war. In den Mor­gen­stun­den stießen die
vor­rück­enden Trup­pen der sow­jetis­chen Armee auf den drit­ten Zug aus dem
Konzen­tra­tionslager Bergen-Belsen. Unweit von Tröb­itz, am Bahnkilo­me­ter
106,7, wohin er mit ein­er Lok der Beuter­sitzer Kohlen­werke geschleppt wor­den
war, fan­den sie ihn. Beim Öff­nen des Zuges bot sich den Sol­dat­en der Roten
Armee ein Bild Grauens. 

Am 25. April 2003 wurde bei Schip­kau — am Ort des Geschehens — eine
Gräber­stätte zum Gedenken an die jüdis­chen Opfer von 1945 ihrer Bes­tim­mung
übergeben.

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1700 Euro für Imbiß-Besitzer

(15.04.05)Rheinsberg — Die Hil­fs­bere­itschaft für Mehmet Cimendag (21), dessen
Dön­er-Imbiß in Rheins­berg (Ost­prig­nitz-Rup­pin) bere­its vier Mal in Brand
geset­zt wurde, ist groß. “Auf das von der Stadt ein­gerichtete Spendenkon­to
sind bish­er über 1700 Euro eingezahlt wor­den”, sagt Rheins­bergs
Bürg­er­meis­ter Man­fred Richter.

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Schönbohm sagt Rechtsextremenden Kampf an

(15.04.05)POTSDAM Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm (CDU) hat sich für die weit­ere
Inten­sivierung des Kampfes gegen den Recht­sex­trem­is­mus aus­ge­sprochen. Nach
dem Aufruf des Par­la­ments, stärk­er gegen rechte Grup­pen vorzuge­hen, müssten
Tat­en fol­gen, sagte Schön­bohm gestern im Land­tag. Soll­ten die Grund­la­gen
dafür vor­liegen, werde das Land weit­ere Vere­ine ver­bi­eten. Der Ein­fluss
recht­sex­tremer Kräfte auf die Jugend sei äußerst hoch. Zahlre­iche Jung­wäh­ler
hät­ten bei der Land­tagswahl 2004 Recht­sex­treme gewählt. Schön­bohm begrün­dete
das jüngst erfol­gte Ver­bot der Neon­azi-Kam­er­ad­schaft “Hauptvolk” und deren
Unter­gliederung “Sturm 27” mit neon­azis­tis­che Pro­pa­gan­da und zahlre­ichen
Straftaten.

Inforiot