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“Der sollte gemolken werden”


Pots­dam: 25-jähriger Alko­ho­lik­er erpresst
Geld von Arbeit­slosem / Landgericht Pots­dam bestätigt Verurteilung

POTSDAM Frank R. fühlt sich unwohl. Er lässt die Schul­tern hän­gen, sein
Kopf dreht sich kaum nach links oder rechts, die Arme liegen unbe­weglich
auf den Ober­schenkeln. Mit den Hän­den hält er sich an einem Stoff­beu­tel
fest. Am lieb­sten wäre er gar nicht da. Nicht in diesem Saal des
Pots­damer Landgericht­es. Links sitzt der Staat­san­walt, vor ihm drei
Richter. Nach rechts mag er schon gar nicht sehen. Dort sitzt Michael
P., der ihm das hier einge­bracht hat. Der 42-Jährige Frank R. ist als
Geschädigter vor die Strafkam­mer des Landgericht­es geladen wor­den. “Sie
sind Zeuge und müssen hier die Wahrheit sagen”, belehrt ihn der Richter. 

Es geht um den 28. Feb­ru­ar 2003. Damals hat­te der heute 25-Jährige
Michael P. an sein­er Tür gek­lin­gelt. Frank R. ließ ihn here­in. Warum
auch nicht? Schließlich hat­ten sie schon früher immer mal zusam­men
getrunk­en. Dies­mal aber war der Jün­gere nicht auf ein paar Bier
gekom­men. Er wollte Geld, 450 Euro um Schulden bei anderen zu bezahlen.
Nach einem Gespräch auf dem Balkon gin­gen die bei­den Män­ner zusam­men zum
näch­sten Gel­dau­to­mat­en und R. hob die Summe ab. Dem alko­holkranken
Sozial­hil­feempfänger blieben danach noch knapp 50 Euro für den näch­sten
Monat zum Leben. Zurück in der Woh­nung wurde ein Schuld­schein
aus­ge­füllt, den ein anwe­sender Trinkkumpan unterschrieb. 

Frank R., so betont der Angeklagte, habe ihm das Geld frei­willig
über­lassen. Genau­so wie die Stereoan­lage wenige Tage später. Die hätte
er nur als Pfand aus R.s Woh­nung geholt. Weil der eini­gen Kumpels Geld
schuldete. Welchen, das wisse Michael P. nicht mehr. Aber eine
Gewalt­dro­hung gegen den schmächti­gen, stillen Mann habe es nie gegeben.
Das Urteil, das das Amts­gericht Pots­dam im März diesen Jahres gegen ihn
gefällt hat, sei falsch. Zumin­d­est in diesem Fall. Dreiein­halb Jahre
wegen räu­berisch­er Erpres­sung, gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung,
Belei­di­gung und Volkver­het­zung waren vom Amt­srichter ver­hängt wor­den;
Michael P. hat­te dage­gen Beru­fung eingelegt. 

Den größten Teil der Anklagepunk­te räumt er ein: Dass er zwei Afrikan­er
in der Straßen­bahn belei­digt und geschla­gen hat. Dass er einen Mann auf
der Straße ins Gesicht schlug, weil er ihn mit jeman­dem ver­wech­selt
hat­te, dass er mit einem Schla­gring in der Tasche unter­wegs war. Dass er
aggres­siv wird, wenn er getrunk­en hat. Er sei schw­er­er Alko­ho­lik­er,
lässt er über seinen Anwalt mit­teilen. Er brauche drin­gend eine
Entziehungskur. 

Für Frank R. ist das nichts Neues. Als Geschädigter musste er schon zur
ersten Gerichtsver­hand­lung kom­men. Jet­zt soll er den Richtern erneut
erzählen, wie Michael P. es erre­ichte, dass er sein let­ztes Geld abhob,
seine Stereoan­lage her­aus­gab. “Irgend­wat war da …”, begin­nt er ein
Auswe­ich­manöver. Seine Angst ist für jeden im Saal spür­bar. Mit immer
leis­er­er Stimme fügt er hinzu: “Als er kam, waren noch vier, fünf andere
Män­ner dabei.” Gekan­nt habe er keinen. Aber er muss wohl die Gewis­sheit
gehabt haben, dass die immer wieder kom­men wür­den. “Der Angeklagte hat
sich einen schwachen, armen, verängstigten Mann aus­ge­sucht”, erk­lärt der
vor­sitzende Richter schließlich in sein­er Urteils­be­grün­dung. Hätte Frank
R. damals nicht allen Mut zusam­men genom­men, wäre er nicht zur Polizei
gegan­gen — für Michael P. wäre er ein ide­ales Opfer gewesen. 

“Der sollte regelmäßig ‚gemolken′ wer­den”, erk­lärt der Richter. Und
ver­hängt eine Frei­heitsstrafe von drei Jahren und vier Monat­en. Die
allerd­ings tritt der Angeklagte erst an, wenn er eine erfol­gre­iche
Entziehungskur im Maßregelvol­lzug hin­ter sich gebracht hat. Und so kann
es eine Weile dauern, bis er wieder auf freien Fuß ist. Wenig­stens diese
eine Sorge muss Frank R. nicht haben: Dass der junge Mann bald wieder
vor sein­er Tür ste­hen wird.

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Spremberg und die Kriegstoten

(LR) Der Geor­gen­berg in Sprem­berg ist Umbet­tungs­fried­hof für Sol­dat­en der
Kesselschlacht bei Kausche im April 1945. Am vorigen Woch­enende wur­den
dort erneut Kriegstote beige­set­zt. Mit dabei: Recht­sradikale, die Blu­men
nieder­legten. Der Umgang mit der Erin­nerung an die Kesselschlacht hat­te
erst vor weni­gen Wochen wegen Kon­tak­ten des Sprem­berg­er
Alt­bürg­er­meis­ters Egon Wochatz zu Waf­fen-SS-Vet­er­a­nen für Schlagzeilen
gesorgt. 

Fün­fzehn frische Gräber waren auf dem Sol­daten­fried­hof Geor­gen­berg
aus­ge­hoben. Darin lagen am Sam­stagvor­mit­tag die sterblichen Über­resten
von Sol­dat­en, die im April 1945 in der Kesselschlacht bei Kausche im
Spree-Neiße-Kreis gefall­en waren. Wie schon oft zuvor waren sie beim
Vor­rück­en des Tage­baus Wel­zow-Süd und bei Bauar­beit­en in der Region
gefun­den worden. 

Mit ein­er öku­menis­chen Feier­stunde wer­den diese sterblichen Über­reste
deutsch­er Sol­dat­en ein­mal im Jahr auf dem Geor­gen­berg in Sprem­berg
beige­set­zt. Organ­isator ist der Volks­bund Deutsche Kriegs­gräber­für­sorge,
der sich um die ewige Ruhe von Kriegstoten küm­mert. In Sprem­berg gerät
diese Arbeit ins Zwielicht, denn nicht zum ersten Mal waren am vorigen
Sam­stag auch etwa ein Dutzend Recht­sradikale anwe­send, darunter Frank
Hüb­n­er aus Cottbus. 

Mehrere hun­dert Mitglieder 

Er war bis zum Ver­bot durch den Bun­desin­nen­min­is­ter im Dezem­ber 1992
Vor­sitzen­der der “Deutschen Alter­na­tive” (DA). Die war eine der damals
wichtig­sten Neon­azior­gan­i­sa­tio­nen in den neuen Bun­deslän­dern und
beson­ders in der Lausitz aktiv. Kurz vor ihrem Ver­bot hat­te die
Organ­i­sa­tion mehrere hun­dert Mit­glieder. Ex-DA-Chef Frank Hüb­n­er legte
am Sam­stag an den Sol­daten­gräbern auf dem Sprem­berg­er Geor­gen­berg einen
Blu­men­strauß nieder. Die Stän­gel waren in eine bre­ite schwarz-weiß-rote
Schleife gewick­elt, die Far­ben der Reich­skriegs­flagge, die der
recht­sex­trem­istis­chen Szene als wichtiges Sym­bol dient. 

Der Umgang mit dem Erin­nern an die Kesselschlacht bei Kausche, die in
Sprem­berg ihren mil­itärischen Anfang genom­men hat­te, sorgte vor weni­gen
Wochen erst in der Region für Schlagzeilen. An den Kämpfen mit mehreren
tausend Toten, die den Vorstoß der Roten Armee auf Berlin aufhal­ten
sollte, waren auch die Waf­fen-SS-Divi­sion “Frunds­berg” und die
“Führerbe­gleit­di­vi­sion” beteiligt. Befehlshaber der
“Führerbe­gleit­di­vi­sion” war Ernst-Otto Rehmer, der nach 1945 als
unbelehrbar­er Alt­nazi in der recht­sex­tremen Szene der Bun­desre­pub­lik
eine Rolle spielte. 

Wegen jahre­langer Kon­tak­te zu Vet­er­a­nenkreisen der “Frunds­berg”
‑Divi­sion, die sich jedes Jahr in Sprem­berg tre­f­fen, war der
Alt­bürg­er­meis­ter der Stadt und jet­zige CDU-Frak­tion­schef im
Spree-Neiße-Kreistag, Egon Wochatz, scharf kri­tisiert wor­den. Er ist
auch ein­er der Mit­be­grün­der des Volks­bun­des Deutsche
Kriegs­gräber­für­sorge in Sprem­berg, wo es einen eige­nen Stadtver­band gibt. 

Doch Frak­tion und Spree-Neiße-Kreisvor­stand der Christ­demokrat­en hiel­ten
an Wochatz fest, der ver­sprach, sich kün­ftig von Vet­er­a­nen­tr­e­f­fen der
Waf­fen-SS fern zu hal­ten. Eine Diskus­sion, wie Sprem­berg mit dem
Erin­nern an die Kesselschlacht umge­hen will, fand nicht statt. In ein­er
Chronik, die zur 700-Jahrfeier der Stadt vor drei Jahren her­aus­gegeben
wurde, fehlt die Naz­izeit völ­lig. Der Leser erfährt nur, dass 1934 der
Mark­t­platz neu gepflastert wurde. Danach fol­gt über­gangs­los das Ende der
Kampfhand­lun­gen im April 1945 bei Kausche und der Hin­weis, dass das
Stadtzen­trum von Sprem­berg zu 85 Prozent zer­stört war. 

Egon Wochatz war bei der Umbet­tung am Sam­stag auf dem Geor­gen­berg dabei.
Ange­sprochen auf die anwe­senden Recht­sradikalen sagte er, dass er diese
Leute nicht kenne. Ein aus Sach­sen angereis­ter junger Mann mit
tarn­far­ben­er Feld­mütze und Jacke, schwarz­er Hose und der­ben schwarzen
Schuhen kam ziel­gerichtet auf Wochatz zu, um sich mit Hand­schlag von ihm
zu ver­ab­schieden. Der Alt­bürg­er­meis­ter von Sprem­berg ver­sicherte
anschließend, auch ihn nicht zu ken­nen: “Den habe ich vorhin zum ersten
Mal gesehen.” 

Auf ein weit­erge­hen­des Gespräch mit der RUNDSCHAU will er sich am
Sam­stag nicht ein­lassen. Auch Andreas Kott-witz, Sprem­berg­er
CDU-Kan­di­dat zur Land­tagswahl, der jedoch den Einzug ins Lan­despar­la­ment
ver­passte, lehnt ein Gespräch mit der RUNDSCHAU ab. Kot­twitz hat­te als
Gym­nasi­ast begonnen, ein Buch über die Kausch­er Schlacht zu schreiben.
Eine his­torische Einord­nung des Zweit­en Weltkrieges, die Deutsch­land als
Angreifer und den in Rus­s­land geführten Ver­nich­tungskrieg klar benen­nt,
fehlte darin. In Auszü­gen daraus, die im Sprem­berg­er Heimatkalen­der
gedruckt wur­den, gab es erst später eine kleine Fußnote, die auf die
Rolle Hans-Otto Rehmers als unverbesser­lichen Alt­nazi hinwies. 

Pfar­rer Johann-Jakob Werdin, der an der Beiset­zungs­feier am Sam­stag
mitwirk­te, sieht die alljährliche Anwe­sen­heit von Recht­sradikalen mit
Sorge. “Das ist eine öffentliche Ver­anstal­tung, man kann nur ver­hin­dern,
dass solche Leute dort zu Wort kom­men” , sagt er. Eine öffentliche
Auseinan­der­set­zung darüber in Sprem­berg würde sich der evan­ge­lis­che
Geistliche jedoch wünschen. 

The­ma im Hauptausschuss 

Klaus-Peter Schulze (CDU), seit Mai 2002 Bürg­er­meis­ter der Stadt, will
die Ereignisse vom Sam­stag auf dem Geor­gen­berg in der näch­sten Sitzung
des Haup­tauss­chuss­es zur Sprache brin­gen. Durch den vor der Stadt vor
Jahren gefassten Beschluss, den Geor­gen­berg zum zen­tralen
Umbet­tungs­fried­hof der Region zu machen, müsse die Fried­hofsver­wal­tung
organ­isatorisch mitwirken. “Wir machen, was wir machen müssen, mehr
nicht” , ver­sichert Schulze. 

Er sieht die Gefahr, dass dieser Fried­hof, auf dem schon 400 Sol­dat­en
begraben sind, eine ähn­liche Anziehungskraft für Recht­sradikale
entwick­eln kön­nte, wie der Sol­daten­fried­hof bei der Kesselschlacht von
Halbe. Dort ver­hin­dert ein Großaufge­bot der Polizei alljährlich
Neon­azi­aufmärsche zum Volk­strauertag. Der Vor­sitzende des Volks­bun­des
Deutsche Kriegs­gräber­für­sorge in Sprem­berg und ein Vertreter des
Lan­desvor­standes waren gestern nicht für eine Stel­lung­nahme zu erreichen. 

“Ich hat­te noch einen Kof­fer in Spremberg”

Hol­ländis­ch­er Frem­dar­beit­er
kam nach 59 Jahren zurück in die Spreestadt

(LR) In den let­zten Kriegs­jahren musste der Hol­län­der Johan Fred­er­ick
Tieme­jer in Sprem­berg in der Tuch­fab­rik in der Hein­rich­straße arbeit­en.
Nach fast sechs Jahrzehn­ten kehrte der mit­tler­weile 81 Jahre alte Mann
jet­zt zurück, um noch ein­mal den Ort zu sehen, wo er als junger Mann
anderthalb Jahre gezwun­gener­maßen ver­bracht hat. 

Auf Spuren­suche in Sprem­berg war der 81-jährige Hol­län­der Johan
Fred­er­ick Tieme­jer und seine Frau Johan­na Anneke Tieme­jer (63). In
jun­gen Jahren hat­te es den Mann aus Harlem zur Arbeit nach Sprem­berg
verschlagen.Auf Spuren­suche in Sprem­berg war der 81-jährige Hol­län­der
Johan Fred­er­ick Tieme­jer und seine Frau Johan­na Anneke Tieme­jer (63). In
jun­gen Jahren hat­te es den Mann aus Harlem zur Arbeit nach Sprem­berg
ver­schla­gen.
Es sei ihm nie richtig schlecht gegan­gen, erzählt Johan Fredrick
Tieme­jer. Zusam­men mit sein­er Frau Johan­na Anneke ist der rüstige Mann
aus Hol­land jet­zt noch ein­mal zurück nach Sprem­berg gekom­men. Er hat
sich in eine Ferien­woh­nung ein­quartiert und hat etwas Zeit mit­ge­bracht
für seine Reise in die Vergangenheit. 

Von Sep­tem­ber 1943 bis zum Jan­u­ar 1945 war er in der Lausitz
“arbeitsverpflichtet” , wie es in der Amtssprache der
Nation­al­sozial­is­ten hieß. Die Behör­den in Hol­land kol­la­bori­erten mit den
Deutschen wie kein zweites Land in Europa. Junge Men­schen wur­den
gezwun­gen, sich bei den
Arbeit­sämtern zu melden und wur­den zur Arbeit
nach Deutsch­land ver­mit­telt. “Man kon­nte nicht viel dage­gen tun” , sagt
der 81-jährige Tieme­jer. Er selb­st sei noch in die Schule gegan­gen, als
er zwangsverpflichtet wurde. Der Bürg­er­meis­ter seines Heima­tortes Harlem
sei ein glühen­der Nation­al­sozial­ist gewe­sen und habe direkt in der
Nach­barschaft gewohnt. “Es gab schon Leute, die unter­ge­taucht sind. Aber
ich hat­te keine Chance dazu.” 

Kein Geld für Arbeit bekommen 

Über Berlin Weißensee, wo er unter der Kon­trolle der SS in ein­er
Bek­lei­dungskam­mer einge­set­zt war, kam er schon knapp zwei Monate später
nach Sprem­berg. Er habe keine richtig schlecht­en Erin­nerun­gen an die
Spreestadt, sagt Tieme­jer. “Wir kon­nten uns frei bewe­gen und sog­ar ins
Kino gehen.” Lediglich ein­mal habe ihn ein SS-Mann als Juden beschimpft
und mit Wass­er nass­ge­spritzt. In der Hein­rich­straße 6 habe er zusam­men
mit anderen Hol­län­dern im Bek­lei­dungslager der Tuch­fab­rik C. Richard
arbeit­en müssen. “Wir mussten Uni­for­men stapeln.” Geld gab es dafür
nicht. Eine Entschädi­gung hat Tieme­jer für die Arbeit nie erhal­ten. “Mir
wur­den ein­mal 50 Mark aus­gezahlt, das war alles.” 

Durch eine Blind­dar­mentzün­dung gelangte der damals 20-jährige Hol­län­der
für nahezu sieben Wochen ins Sprem­berg­er Kranken­haus. Dort sei er die
ersten Schritte in seinem späteren Beruf als Krankenpfleger gegan­gen.
Sein­erzeit habe sog­ar die Tochter von Adolf Hitlers Sekretär Mar­tin
Bor­mann in dem Kranken­haus gear­beit­et, wie sich der alte Mann erin­nert.
“Ich hat­te noch einen Kof­fer in Sprem­berg” , sagt Tieme­jer. Als er im
Jan­u­ar 1945 die Stadt ver­lassen hat­te, habe er ein­er Frau Knappe, die
eben­falls in der Fab­rik gear­beit­et hat­te einige per­sön­liche Sachen
über­lassen. “Da wollte ich jet­zt mal guck­en, ob der noch da ist.” Nach
eini­gen Recherchen kon­nte er die Tochter Han­nelore Wolf, die damals
ger­ade mal drei Jahre war, jet­zt wieder find­en. “Sie hat mich natür­lich
nicht erkan­nt, wusste aber aus Erzäh­lun­gen von mir” , sagt Tieme­jer. Der
Kof­fer, in der unter anderem eine Biografie über Mozart gesteckt hat­te,
war allerd­ings nicht mehr aufzufind­en. Auch die Fab­rik in der
Hein­rich­straße sei nicht mehr vorhan­den, wie er beim Rumspazieren
fest­gestellt habe. “Es hat sich hier alles geändert.” 

Egon Wochatz getroffen 

Bei seinem Besuch in Sprem­berg war Tieme­jer auch zufäl­lig mit
Alt­bürg­er­meis­ter Egon Wochatz im Ratskeller zusam­mengetrof­fen. “Der hat
sich sehr nett um uns geküm­mert” , sagt Tieme­jer. Dass es eine
Diskus­sion in der Stadt um dessen Beteili­gung an SS-Vet­er­a­nen­tr­e­f­fen
gab, hat­te der Hol­län­der indes nicht mit­bekom­men. “Das ist mir auch
egal” , sagt Tieme­jer. Er habe sein­erzeit sog­ar einem SS-Mann in
Sprem­berg das Schwim­men beige­bracht. Es liege ein­fach in seinem
Charak­ter, pos­tiv nach vorne zu sehen. Er sei nicht nach Sprem­berg
gekom­men, um alte Wun­den aufzureißen. Er wollte sein­er Frau, mit der er
seit 42 Jahren ver­heiratet ist und mit der er zwei Söhne hat, nochmal
den Ort zeigen. “Schon als die Wende kam, habe ich das gesagt” , so
Tieme­jer. Er habe jedoch immer zu viel zu tun gehabt, so dass das
Vorhaben erst jet­zt ver­wirk­licht wurde.
Beim Erzählen aus der früheren Zeit hört seine Frau Anneke geduldig zu.
Sie ken­nt die Geschicht­en. Einige Male fordert sie ihn auf, doch noch
die eine und die andere Episode zu erzählen. Zweimal gibt Tieme­jer in
Hol­ländisch zurück, dass er dies eben nicht tun werde. Es läßt sich
dabei erah­nen, dass es vielle­icht doch Erleb­nisse aus der Kreigszeit
gibt, die unge­sagt bleiben und sich nicht für anek­doten­hafte Geschichte
eignen.

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Afrikaner vor dem Busbahnhof niedergeschlagen

Ein 20-jähriger Mann aus Kamerun ist am Fre­itagabend vor dem Bus­bahn­hof
niedergeschla­gen wor­den. Drei etwa gle­ichal­trige Jugendliche hat­ten ihn
gegen 18 Uhr ange­sprochen. Es kam zu ver­balen Auseinan­der­set­zun­gen.
Ein­er der drei schlug den Kameruner nieder und trat mit Füßen nach ihm. 

Die zwei anderen Jugendlichen hiel­ten zwei Zeu­gen, die helfen woll­ten,
zurück. Die Täter hat­ten bis zu 1,8 Promille im Blut. Das Opfer musste
im Sen­ften­berg­er Kranken­haus ambu­lant behan­delt wer­den. Die drei
Tatverdächti­gen wur­den nach Vernehmung durch die Kripo wieder auf freien
Fuß gesetzt.

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Buntes Fest eröffnet Interkulturelle Woche

(MOZ, 27.9.04) Fürsten­walde (dpa) Mit einem Fest der Kul­turen hat am Sam­stag die
Interkul­turelle Woche 2004 im Land Bran­den­burg in Fürsten­walde
(Oder-Spree) begonnen. Mit den während dieser Woche in allen Kreisen
geplanten Diskus­sio­nen, Fes­ten, Lesun­gen, Work­shops und Filmvor­führun­gen
solle für ein friedlich­es Miteinan­der von Kul­turen gewor­ben wer­den,
sagte die Lan­desaus­län­der­beauf­tragte Almuth Berg­er. Zudem forderte sie:
“Auch die neue Lan­desregierung darf nicht im Kampf gegen
Recht­sex­trem­is­mus und Frem­den­feindlichkeit nachlassen.” 

Nach Ansicht von Berg­er muss daher auch das geplante
Lan­desin­te­gra­tionskonzept vor­ange­bracht wer­den. Zudem zeigte sie sich
davon überzeugt, dass zum Jahre­san­fang 2005 in Bran­den­burg die seit
langem von ihr geforderte Härte­fal­lkom­mis­sion einge­set­zt wird, die sich
vor allem mit Härte­fällen im Zusam­men­hang mit abgelehn­ten Asylver­fahren
befassen soll. 

Während der Interkul­turellen Woche ste­ht unter anderem an diesem Mon­tag
ein Forum in Pots­dam zu zuge­wan­derten Jugendlichen und ihren Prob­le­men
auf dem Pro­gramm. Am Don­ner­stag ver­lei­ht das Net­zw­erk für ein tol­er­antes
Eber­swalde (Barn­im) zum zweit­en Mal den Preis für Tol­er­anz. In
Sen­ften­berg (Ober­spree­wald-Lausitz) wird am 2. Okto­ber ein
mul­ti­kul­turelles Fest organisiert. 

Zum Auf­takt der Aktionswoche in Fürsten­walde nahm Berg­er an ein­er
Podi­ums­diskus­sion über ver­schiedene Reli­gio­nen teil. Rund um den Dom
wurde am Sonnabend auch das 4. Friedens­fest der Plat­tform gegen Rechts
sowie das 12. Kul­tur­fab­rik­fest gefeiert; let­zteres ste­ht am Son­ntag im
Mittelpunkt. 

Fürsten­walde: Mul­ti­kul­ti am Dom und drumherum

(MOZ) Fürsten­walde. Die Volks­fest-freudi­gen Fürsten­walder und ihre Gäste
hat­ten am Woch­enende erneut Gele­gen­heit zum Feiern: Gle­ich zwei Feste -
von zahlre­ichen ehre­namtlichen Helfern vor­bere­it­et — lock­ten zwis­chen
Dom und Kul­tur­fab­rik mit vielfältigem Pro­gramm und gin­gen noch dazu
har­monisch ineinan­der über: Das 4. Friedens­fest, ver­bun­den mit dem
Auf­takt zur Interkul­turellen Woche des Lan­des Bran­den­burg, und das 12.
Kul­tur­fab­rik-Fest. Fürsten­waldes Bürg­er­meis­ter Man­fred Reim, der am
Sonnabend zur Eröff­nung das Wort ergriff, würdigte vor allem das
“bürg­er­schaftliche Engage­ment”, das solche Feste erst möglich mache. Das
Friedens­fest — ini­ti­iert von der Plat­tform gegen Rechts — sieht er als
ein weit­eres Stück Inte­gra­tion und gelebter Toleranz. 

Von ELKE SCHLEGELMILCH 

Fürsten­walde ist Heimat nicht nur für die märkischen “Ure­in­wohn­er”,
son­dern auch für seine aus­ländis­chen Mit­bürg­er. Und: Fürsten­walde feiert
gern. Ein­mal mehr kon­nten sich Ein­heimis­che und Gäste am Woch­enende
davon überzeu­gen, sowohl beim 4. Friedens­fest unter dem Mot­to “Kein
Fin­ger­bre­it der Men­schen­feindlichkeit”, als auch beim 12. Kulturfabrik-Fest. 

Während sich am Sonnabend bei strahlend schönem Herb­st­wet­ter die
Friedens­fest-Gäste vor allem zwis­chen Dom und Kul­tur­fab­rik tum­melten,
riss am nasskalten Son­ntag trep­pauf, trep­pab der Strom großer und
klein­er Besuch­er nicht ab, die durch die Räume schlen­derten, um das
vielfältige Kul­tur­fab­rik-Fest­pro­gramm zu nutzen. 

Für die ange­botene Vielfalt sorgten fleißige Helfer in großer Zahl — die
Fürsten­walder “Plat­tform gegen Rechts” eben­so wie das Kul­tur­fab­rik-Team
mit ihren Mit­stre­it­ern. Bürg­er­meis­ter Man­fred Reim, der am Sonnabend zur
Friedens­fest-Eröff­nung das Wort ergriff, würdigte denn auch auf
MOZ-Nach­frage vor allem das “bürg­er­schaftliche Engage­ment”, das solche
Feste erst möglich mache. Das Friedens­fest — ini­ti­iert von der
“Plat­tform gegen Rechts” — sei ein Stück Inte­gra­tion und gelebter
Tol­er­anz in der Stadt. Ein guter Grund dafür, beim Friedens­fest auch die
diesjährige Interkul­turelle Woche Bran­den­burgs zu starten, die von
Almuth Berg­er, Aus­län­der­beauf­tragte des Lan­des, eröffnet wurde. 

Für interkul­turelle Akzente sorgten nicht nur Ama­teurkün­stler, wie die
Sän­gerin­nen und Sänger von “Rossy­jan­ka”, dem Fürsten­walder
Aussiedler­chor der Car­i­tas, der mit Gesang und prachtvollen rus­sis­chen
Kostü­men das Pub­likum erfreute. An zahlre­ichen Stän­den kon­nten Besuch­er
auch mit Vertretern ander­er Kul­turen ins Gespräch kom­men und dabei
oben­drein manche aus­ländis­che Speisen und Getränke kosten. 

Fünf junge Burschen — zwis­chen 13 und 17 Jahren alt — vom Fürsten­walder
Jugend­pro­jekt Alre­ju hat­ten zum Beispiel leckere Früh­lingsrollen
zubere­it­et und verkauften sie frisch vom Stand. Die Fünf gehören zu den
751 Kindern und Jugendlichen aus 51 Natio­nen, die seit elf Jahren im
Rah­mend von Alre­ju — was für allein­reisende Jugendliche ste­ht — betreut
wer­den. Zahlre­iche Fes­t­be­such­er nutzten auch die Gele­gen­heit, sich in
kleinen Diskus­sion­srun­den über ver­schiedene Reli­gio­nen zu informieren.
In der Islamis­mus-Runde reichte die vorge­se­hene Zeit kaum für alle
Fra­gen. Deshalb führten die Fürsten­walder Han­sJür­gen und Sabine Woldt
kurz­er­hand ihre angeregte Debat­te mit Kamal Abdal­lah, Jür­gen Marx und
Seh-Sourou Atarouwa vom Vere­in der Mus­lime Pots­dam auf der
Kul­tur­fab­rik-Ter­rasse fort. 

Auch die “Brigade 1240”, ein los­er Ver­bund junger Leute aus der
alter­na­tiv­en Fürsten­walder Szene, war mit ihrem Info­s­tand ein
Mosaik­stein des Friedens­festes. “Ein Punkt der uns vere­int, ist die
Ablehnung extrem­istis­chen Gedankenguts”, sagte Michael Grabow (28) zu
den Ideen, die die jun­gen Vertreter ver­schieden­er Sub­kul­turen vertreten. 

Der Über­gang vom Friedens­fest zum Kul­tur­fab­rik­fest wurde musikalisch
hergestellt. Ein Lecker­bis­sen für rund 50 Fre­unde kraftvoller
Schlagzeug-Klänge wurde so am späten Sam­stagabend “Drums in Con­cert” mit
Man­ni von Bohr und Har­ald Wen­zek in der Dachetage der Kulturfabrik. 

Über die Treue der Fürsten­walder zu ihrer Kul­tur­fab­rik freute sich am
Son­ntag beson­ders Friedrich Stachat, der “Vater” der attrak­tiv­en
Kultureinrichtung. 

“Das schlechte Wet­ter hält die Besuch­er nicht ab, herzukom­men”,
kon­sta­tierten er und andere Fre­unde des Fürsten­walder Muse­ums, die unter
dem Mot­to “Altes Handw­erk” den Besuch­ern zum Beispiel Gele­gen­heit gaben,
selb­st zu töpfern und Leder­beu­tel anzufertigen. 

Einem Bienen­stock glich denn auch am Son­nta­gnach­mit­tag die Kul­tur­fab­rik.
Ob Spielzeugflohmarkt, The­ater­stück mit Pan­tomime oder
Mod­elleisen­bahn-Ausstel­lung — alle Ange­bote fan­den bre­it­en Zuspruch. 

Lausitzer Rund­schau, 27.9.04
Fürsten­walde: Woche der Kul­turen in Bran­den­burg. Aus­län­der­beauf­tragte
fordert neues Integrationskonzept 

Mit einem Fest der Kul­turen hat am Sam­stag die Interkul­turelle Woche
2004 im Land Bran­den­burg in Fürsten­walde (Oder-Spree) begonnen. 

Mit den während dieser Woche in allen Kreisen geplanten Diskus­sio­nen,
Fes­ten, Lesun­gen, Work­shops und Filmvor­führun­gen solle für ein
friedlich­es Miteinan­der von Kul­turen gewor­ben wer­den, sagte die
Lan­desaus­län­der­beauf­tragte Almuth Berg­er. Zudem forderte sie: “Auch die
neue Lan­desregierung darf nicht im Kampf gegen Recht­sex­trem­is­mus und
Frem­den­feindlichkeit nachlassen.” 

Nach Ansicht von Berg­er muss auch das geplante Lan­desin­te­gra­tionskonzept
vor­ange­bracht wer­den. Zudem zeigte sie sich überzeugt, dass zum
Jahre­san­fang 2005 in Bran­den­burg die seit langem von ihr geforderte
Härte­fal­lkom­mis­sion einge­set­zt wird, die sich vor allem mit Härte­fällen
bei Asylver­fahren befassen soll. 

Während der Interkul­turellen Woche ste­ht unter anderem heute ein Forum
in Pots­dam zu zuge­wan­derten Jugendlichen und ihren Prob­le­men auf dem
Pro­gramm. Am Don­ner­stag ver­lei­ht das Net­zw­erk für ein tol­er­antes
Eber­swalde (Barn­im) zum zweit­en Mal den Preis für Tol­er­anz. In
Sen­ften­ber
g (Ober­spree­wald-Lausitz) wird am 2. Okto­ber ein
mul­ti­kul­turelles Fest organisiert. 

Zum Auf­takt der Aktionswoche wurde auch das 4. Friedens­fest der
Plat­tform gegen Rechts sowie das 12. Kul­tur­fab­rik­fest gefeiert.

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Uriniert und Geld gestohlen?

(PNN 25.9.04) Das Amts­gericht verurteilte Lutz Boede von der Frak­tion Die Andere im Vor­jahr
nach zehn Ver­hand­lungsta­gen und dem Anhören von annäh­ernd 50 Zeu­gen wegen
übler Nachrede zu ein­er Geld­strafe von 40 Tagessätzen. Dies schien der
Staat­san­waltschaft zu milde. Boede wiederum fühlte sich zu Unrecht sank­tion­iert.
Bei­de
Seit­en gin­gen in Berufung. 

Seit dem 21. Sep­tem­ber rollt das Landgericht den Prozess nun neu auf. Das
Mit­glied der Anti­wehrpflicht-Kam­pagne hat­te der Polizei vorge­wor­fen, ihre
Kom­pe­ten­zen am 26. August 2001 nach Auss­chre­itun­gen anlässlich eines DFB-Pokalspiels
zwis­chen Fans von Babels­berg 03 und Hertha BSC erhe­blich über­schrit­ten zu
haben. Laut Boede hät­ten die an der sich daran anschließen­den Räu­mung des
alter­na­tiv­en Wohn­pro­jek­ts Rudolf-Bre­itscheid-Straße 6 beteiligten Ord­nung­shüter
Wohn­räume ver­wüstet, Mobil­iar absichtlich beschädigt, einen Plat­ten­spiel­er
zertrüm­mert, Haus­be­wohn­er und ihre Fre­unde bei der Fes­t­nahme als “Zeck­en” und ”
Schlam­p­en” betitelt. Zu allem Über­fluss sollen die Polizis­ten in Pol­ster­mö­bel
und den
Par­tyraum uriniert, sich an Bargeld aus der Hauskasse und Getränken bedi­ent
haben. Kaum Zweifel hegten erste und zweite Instanz an der Übereifrigkeit der
Staats­di­ener während der Räu­mung des bun­ten Haus­es. Dazu spricht das während
der Ver­hand­lun­gen mehrfach gezeigte – wen­ngle­ich sichtlich geschnit­tene
Polizeivideo – eine zu deut­liche Sprache. Junge Leute wer­den bru­tal zu Boden
gestoßen,
ihre Hände auf den Rück­en gefes­selt. Wie Schlachtvieh liegen sie auf dem
Asphalt. Dass die Polizis­ten das Haus bei der Durch­suchung absichtlich
ver­wüsteten, gar die von Lutz Boede behaupteten Ver­fehlun­gen beg­in­gen, ist nach
Ansicht
von Staat­san­waltschaft und Gericht durch nichts bewiesen. 

Am gestri­gen drit­ten Tag der Beru­fungsver­hand­lung erin­nerte sich der Stu­dent
Andreas S. (28), wie er sein Zim­mer nach dem Polizeiein­satz vor­fand: “Alle
meine Sachen waren auf dem Fuß­bo­den ver­streut. Kaputt war nichts, aber aus der
Kasse für Kohlen­geld, die ich in Ver­wahrung hat­te, fehlten 200 Mark.” Augen­zeuge
Karsten L. (29) kam während des Ein­satzes zufäl­lig am Ort des Geschehens
vor­bei und beobachtete, wie eine junge Frau von einem Beamten als Schlampe
beschimpft wurde. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Rechtsextremer Schläger aus Premnitz vor Gericht

Am Dien­stag, den 28. Sep­tem­ber 2004 find­et um 9.00 Uhr vor dem Amts­gericht Rathenow ein Prozess gegen den recht­en Schläger Jan F. statt. 

Der Recht­sex­trem­ist Jan F. schlug am 05.01.04 in Prem­nitz mit
Unter­stützung zweier rechter Jugendlich­er einen zum Tatzeit­punkt
14-jähri­gen alter­na­tiv­en Jugendlichen mit der Faust so schw­er ins
Gesicht, das er einen Jochbein­bruch erlitt. 

Zum Hin­ter­grund der Tat: Am ersten Schul­t­ag im neuen Jahr hat­te der
14-jährige alter­na­tive Jugendliche auf dem Schul­gelände seine Fre­undin
geschützt, als diese von zwei älteren recht­en Mitschülern als
„Gruftis­chwein“ und „Gruftis­chlampe“ beschimpft und bedro­ht wor­den
war. Sofort wurde er von den recht­en Mitschülern angegriffen. 

Nach Schulschluss hät­ten die bei­den Mitschüler gemein­sam mit dem
stadt­bekan­nten Recht­sex­trem­is­ten Jan F. vor dem Schul­gelände auf ihn
gewartet. Als er an der Gruppe vor­bei gehen wollte, wurde er von
hin­ten gepackt und fest­ge­hal­ten. Unter Anfeuerung der bei­den habe Jan
F. den Jugendlichen zu Boden geschla­gen. Die Fol­gen der Tat musste das
Opfer der Recht­sex­tremen noch lange schmer­zlich spüren. Er erlitt
einen Jochbein-bruch und war mehre Wochen krankgeschrieben. 

Nur ein Tag nach dem Angriff wurde der Jugendliche erneut von dem
Täter bedro­ht. Als sie vor einem Super­markt zufäl­lig aufeinan­der
trafen, ran­nte Jan F. auf ihn zu und rief: „Wir kriegen dich, du
Pock­en­schwein!“
Die Bedro­hun­gen und Ein­schüchterungsver­suche soll­ten sich in den
fol­gen­den Monat­en fort­set­zten und im Hin­blick auf den Prozess mas­siv
steigern. Ein Unbekan­nter, ver­mut­lich ein Bekan­nter der Täter, hielt
dem Jugendlichen nur weinige Wochen vor Prozess­be­ginn ein Mess­er an
den Hals; er solle seine Anzeige zurückziehen und keine Aus­sagen bei
Gericht machen. 

Judith Porath von Vere­in Opfer­per­spek­tive merkt dazu an: „Ich hoffe,
dass von Seit­en des Gerichts ein deut­lich­es Sig­nal geset­zt wird. Es
ist nicht hinzunehmen, dass Jugendliche von Recht­sex­tremen nur wegen
ihrem Out­fit zusam­mengeschla­gen und anschließend von Bekan­nten der
Täter mas­siv bedro­ht werden.

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Schalom heißt Frieden

“Ver­giss nie, wer du bist” sagte der Vater. “Du sollst leben!” set­zte
die Mut­ter hinzu. Für den 14-jähri­gen Sal­ly Perell wur­den diese Worte
zum elften und wichtig­sten Gebot. Ein Wieder­se­hen mit den Eltern sollte
es nicht geben. Knapp 70 Jahre später sitzt der in Peine bei
Braun­schweig geborene und heute in Israel lebende Autor des
Lebens­bericht­es “Ich war Hitler­junge Salomon” Rangs­dor­fer See-Schülern
gegenüber. Mit ihnen sprach Sal­ly Perell in dieser Woche über sein Leben. 

“Zeitzeu­gen sind die besten Geschicht­slehrer, die Geschichte selb­st ist
deren Lehrerin” sagt Sal­ly Perell, dessen Schick­sal als jüdis­ch­er
Hitler­junge weltweit für Auf­se­hen sorgte. Mehr als vier Jahrzehnte hat
der Sohn jüdis­ch­er Eltern sein Über­leben im Nazi-Deutsch­land ver­drängt.
“Um nicht ver­rückt zu wer­den”, wie er heute sagt, schrieb er sich sein
Schick­sal von der Seele. Das half, aufges­taute Schuld‑, und nie
über­wun­dene Angst­ge­füh­le zu verarbeiten. 

Die Machtüber­nahme der Nazis erschüt­terte den ger­ade mal Achtjähri­gen
wenig. Das Ver­bot, als Jude die Schule zu besuchen, wird die erste tiefe
Wunde seines Lebens. Das pol­nis­che Lodz, wohin die Fam­i­lie flieht, ist
bald in deutsch­er Hand. Während die Eltern ins Ghet­to getrieben wer­den,
gelingt Sal­ly und seinem Brud­er die Flucht ins rus­sisch beset­zte Ostpolen. 

Der Aus­bruch des Zweit­en Weltkriegs über­rascht den inzwis­chen
16-Jähri­gen im Schlaf. Wenig später ste­ht er zusam­men mit anderen in
jen­er Rei­he, an deren Ende ein deutsch­er Sol­dat über Leben und Tod
entschei­det. Mit der Lüge, ein Volks­deutsch­er zu sein, ret­tet er sein
Leben. Vier Jahre bangt Sal­ly, nun als Schüler an ein­er Elite-Schule der
Hitler­ju­gend, ent­deckt zu wer­den. “Gelin­gen kon­nte dies nur, weil ich
mich ganz darauf ein­ließ”, weiß er heute. “Ich spielte nicht, son­dern
ich war Hitler­junge Josef.” Am Tag schrie er “Sieg heil” und übte
Marschieren, in der Nacht träumte er von Mama und Papa und malte
jüdis­che Sym­bole. Die Scham darüber währte 40 Jahre. 

Dass es 60 Jahre nach Kriegsende wieder Deutsche gibt, die Nazis wählen,
besorge ihn sehr. Nicht gewusst zu haben, was damals wirk­lich geschah,
beze­ich­net Sal­ly Perell als Lüge. Auch wenn die Jugend von heute keine
Schuld am “Damals” trifft — sich über die Wahrheit informieren müsse sie
schon. 

Nach mehr als zwei Stun­den Zuhören bestürmten die Schüler den Gast mit
ihren Fra­gen. “Was geschah mit nicht-arischen Kindern genau?”, “Wieso
spielte er seine Rolle als Hitler­junge so per­fekt?” “Warum haben die
Nazis aus­gerech­net die Juden zu ihren Fein­den gemacht?” 

“Wohltuend” nan­nte Perell das Inter­esse sein­er Zuhör­er. “Schalom”, zu
deutsch: Frieden, schrieb er in die Exem­plare sein­er Biografie, die ihm
viele der Schüler nacheinan­der auf den Tisch legten. An diesem Tag
schwang Hoff­nung mit.

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Grenzübertritt von 12 Personen vereitelt

Eine deutsch pol­nis­che Streife des Bun­des­gren­zschutzes (BGS) war in
dieser Woche bei einem nächtlichen Ein­satz erfol­gre­ich: Sie vere­it­el­ten
einen ille­galen Gren­züber­tritt ein­er Gruppe Aus­län­der. Seit sechs Jahren
laufen gemis­chte Streifen aus bei­den Län­dern die Gren­ze ent­lang. “Die
gemein­same Arbeit bringt einige Vorteile” , sagt Mirko Heinke, Leit­er
der Bun­des­gren­zschutzin­spek­tion Forst. 

Die deutsch-pol­nis­che Streife hat­te gegen 3.30 Uhr in der Ort­slage Groß
Bade­meusel zwölf Per­so­n­en bemerkt, die ver­sucht­en, die Gren­ze uner­laubt
zu über­queren. Die Beamten forderten Ver­stärkung an, so dass sechs
chi­ne­sis­che und ein ukrainis­ch­er Staats­bürg­er vor­läu­fig festgenom­men
wur­den. Nach Infor­ma­tion des BGS kon­nten zwei Ukrain­er und zwei Chi­ne­sen
fliehen. Mit Hil­fe des BGS-Hub­schraubers wur­den diese Per­so­n­en kurze
Zeit später ent­deckt und auf pol­nis­chem Gebi­et festgenom­men. Wie in
solchen Fällen üblich beka­men die ille­gal Ein­gereis­ten Anzeigen wegen
Ver stoßes gegen das Aus­län­derge­setz. Nach den Ermit­tlun­gen und
Befra­gun­gen zu eventuellen Schleusern wur­den sie aus Deutsch­land wieder
abgeschoben und den pol­nis­chen Grenzbe­hör­den übergeben. 

“Die deutsch-pol­nis­chen Streifen haben sich gut bewährt” , sagt
Polizeirat Mirko Heinke auf RUND­SCHAU-Nach­frage. Das bringe viele
Poten­ziale. “Die bei­den Beamten reden miteinan­der, so dass sie über die
Arbeit des anderen informiert sind. Zudem ler­nen sie den jew­eils anderen
Bere­ich der Gren­ze gut ken­nen. Die Zusam­me­nar­beit schafft Ver­trauen und
erle­ichtert die Zusam­me­nar­beit.” Außer­dem wür­den die “Frem­den” im andern
Land an der Uni­form erkan­nt. So würde auch manch­er poten­zielle
Straftäter bald mit­bekom­men, dass die Gren­zschützer Hand in Hand
arbeit­en und sein möglich­es Vorhaben schnell ent­deckt wer­den kön­nte. Das
würde auch vor Straftat­en abschrecken. 

Ver­ständi­gung­sprob­leme haben die Beamten an der Gren­ze kaum. “Oft­mals
haben die gle­ichen Per­so­n­en dauer­haft an der Gren­ze zusam­men Dienst. Da
ken­nt man sich und lernt automa­tisch Worte vom anderen” , sagt Heinke.
Zum anderen wür­den auch Ange­bote zum Sprachen­ler­nen gut genutzt. Einen
biete das Bun­dessprachenamt in Köln. Lehrgänge fän­den auch in der
Inspek­tion sel­ber statt und die Volk­shochschule biete eben­falls welche
an. Zudem gibt es eine Broschüre für die Beamten, in der gängige
polizeiliche Begriffe und Redewen­dun­gen in bei­de Sprachen über­set­zt sind.

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Onkelz-Open-Air ist schon ausverkauft

Wahnsinn: das Open-Air-Konz­ert der “Böh­sen Onkelz” auf dem Lausitzring
wird die größte Ver­anstal­tung in der fün­fjähri­gen His­to­rie des
Moto­droms. Seit dieser Woche sind die Tick­ets fürs zweitägige
Musik-Event am 17. und 18 Juni 2005 ver­grif­f­en. Erwartet wer­den 100 000
Fans. Nach 25 Jahren Bandgeschichte feiern die “Böh­sen Onkelz” am
Lausitzring ihren Abschied von der Bühne.

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“Für ihn sind alle Menschen gleich”

“Für Noël Mar­tin gibt es keine Rassen, für ihn sind alle Men­schen
gle­ich.” Diese Erfahrung nen­nt Jas­min Wein­ert zuerst, fragt man sie nach
wichti­gen Ein­drück­en vom Aufen­thalt in Birm­ing­ham. Dort weilt die
15jährige Mahlow­erin derzeit mit weit­eren neun Schülern und zwei
Betreuern aus Blanken­felde-Mahlow. Im Mit­telpunkt der Reise ste­hen
Begeg­nun­gen mit jen­em Mann, der seit acht Jahren quer­schnitts­gelähmt im
Roll­stuhl sitzt, mit jen­em far­bigen Briten, dessen Bauar­beit­er­leben in
Mahlow abrupt ein Ende fand. Weil rechts­gerichtete junge Leute ihn und
Fre­unde durch den Ort ver­fol­gten, und er mit seinem Auto an einen Baum
prallte. 

An diesen frem­den­feindlichen Über­griff erin­nert heute am Tatort in
Mahlow ein Stein. Doch inzwis­chen find­en immer mehr Mahlow­er die Courage
dafür zu sor­gen, dass dieser Vor­fall nie vergessen wird. Ganz im Sinne
von Noël Mar­tin, der mit dem dama­li­gen Min­is­ter­präsi­den­ten Man­fred
Stolpe einen Fonds grün­dete, um Begeg­nun­gen zwis­chen Birm­ing­ham und
Mahlow zu unter­stützen, für eine tol­er­ante und weltof­fene Jugend. Dem
Fördervere­in “Fre­unde der Her­bert-Tschäpe-Schulen Mahlow” ist es
gemein­sam mit dem Bil­dungsmin­is­teri­um und der Stiftung “Großes
Waisen­haus zu Pots­dam”, die den Fonds ver­wal­tet, zu ver­danken, dass sich
nun zum drit­ten Mal junge Leute auf den Weg zu Noël Mar­tin gemacht haben. 

Nach­dem er die Jugendlichen bere­its am Mittwoch und Don­ner­stag emp­fan­gen
hat­te, stand gestern bei dem Briten jamaikanis­ch­er Herkun­ft
jamaikanis­ches Kochen für die deutschen Mäd­chen auf der Tage­sor­d­nung.
“Er inter­essiert sich trotz sein­er schlim­men Lage für alles, fragt uns
viel, wir haben ihm erzählt, wie sich Mahlow verän­dert hat und ein Video
übergeben”, schilderte Jas­min die Gespräche. Inzwis­chen unter­stützen
Fre­unde in Birm­ing­ham das Pro­jekt. Mit ihrer Hil­fe kann die Mahlow­er
Abor­d­nung am Woch­enende eine Fam­i­lie besuchen, und Marc Kant darf sich
in ein­er englis­chen Schule umsehen. 

Auch die Stadt Birm­ing­ham erobern die jun­gen Leute. “Hier ist es total
anders, viel offen­er, mul­ti­kul­tureller, viel bunter”, sagte Jas­min, die
alle Erleb­nisse auf­schreibt, damit die Gruppe zu Hause beim Erzählen
nichts vergisst.

Inforiot