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Antifaschismus

Nazikonzert am 15.09.2012 im Barnim

Für den kom­menden Sam­stagabend, den 15. Sep­tem­ber, kündigt Robert Geb­hardt, ehe­ma­liger Kad­er der Kam­er­ad­schaft Märkisch Oder Barn­im (KMOB) und möcht­gern Führer des KMOB-Nach­fol­gers Fre­un­deskreis Nord­bran­den­burg, einen Lieder­abend an. Tre­ff­punkt sei der Bahn­hof Eber­swalde (Barn­im).

 

Nieder­gang…

Auf Face­book kündigt Geb­hardt einen Lieder­abend unter dem Mot­to „Nieder­gang und Wieder­aufer­ste­hung“ an. Es soll der sech­ste dieser Art sein und gle­ichzeit­ig als Jahres­feier gel­ten, schreibt er selb­st. Um welchen Jahrestag es sich dabei han­delt, bleibt unklar. Seine Grup­pierung „Kam­er­ad­schaft Märkisch Oder Barn­im“ löste sich 2010 nach drei Jahren aus Angst vor einem staatlichen Ver­bot auf. Der Nach­fol­ger “Fre­un­deskreis Nord­bran­den­burg” scheint eben­so wie die KMOB von organ­isatorisch­er Schwäche und dem selb­stver­schulde­ten Nieder­gang gekennze­ich­net zu sein. Auch die Unter­stützung der NPD bei ein­er Demon­stra­tion im März diesen Jahres in Frank­furt Oder, kon­nte darüber nicht hin­weg helfen. Der Auf­marsch scheit­erte am bre­it­en antifaschis­tis­chen Gegen­protest. Seit dieser Nieder­lage wurde nicht ein­mal mehr die Inter­net­seite des “Fre­un­deskreis” aktu­al­isiert. Geb­hardt scheint ein­fach kein Glück mit seinen Demon­stra­tio­nen zu haben — sowohl in Frank­furt Oder als auch anderen Städten wur­den seine Aufmärsche ver­hin­dert. Im Jahr 2010 kon­nte eine ganze Auf­marschserie der KMOB be- und ver­hin­dert werden.

 

Ver­anstal­tung­sort as usual?

Ein Ver­anstal­tung­sort wird für die Feier nicht angegeben. Stattdessen wird ein Vor­ab­tr­e­ff­punkt um 19 Uhr am Bahn­hof Eber­swalde angekündigt. Aus der Ver­gan­gen­heit ist zu ver­muten, dass es sich beim Ver­anstal­tung­sort um das Gelände des ehe­ma­li­gen DVU Vor­stand Klaus Mann aus Finow­furt (Schorfhei­de) han­delt. Sein Gelände liegt etwa 20 km vom Eber­swalder Bahn­hof ent­fer­nt, und ist seit vie­len Jahr Anlauf­punkt für die Recht­srock­szene der Region. Geb­hardt ken­nt das Gelände, so half er doch bere­its beim NPD Som­mer­fest bei der Organ­i­sa­tion aus und kar­rte Musik­er vom Bahn­hof Eber­swalde zum Gelände in Finow­furt. Feste wie das DVU- bzw. später NPD- Som­mer­fest find­en dort jährlich statt. Auch der soge­nan­nte „Preußen­tag“ der Bran­den­burg­er NPD, in diesem Jahr am 06. Okto­ber, ist ein fes­ter Event auf dem Gelände der Fam­i­lie Mann. Die Geheimniskrämerei im Vor­feld der „Großevents“ wirkt über­zo­gen, ver­fügt doch die Szene um kaum weit­ere Möglichkeit­en Ver­anstal­tun­gen durchzuführen.

 

Vorher Nazi­auf­marsch in Potsdam 

Ab Sam­stag­mit­tag will die NPD in Pots­dam demon­stri­eren. Ob sich Aktivis­ten aus dem Nor­dosten dort zeigen wer­den, bleibt abzuwarten. Und auch umgekehrt, wer­den wohl wenige Kam­er­aden der NPD den Weg zu Geb­hardt find­en. War und ist die Zusam­me­nar­beit zwis­chen Partei und Freien Kräften zwar stark durch Prag­ma­tismus geprägt, so haben doch viele Aktivis­ten der NPD keine hohe Mei­n­ung von Geb­hardt — zu sehr belächel­ten sie seinen Über­mut im Jahr 2010.

 

Da über­licher­weise aus dem Ort Finow­furt kein Gegen­protest, abge­se­hen von einem Schild an der Auto­bah­nauf­fahrt, zu erwarten ist, wird die Feier ohne Störung ver­laufen kön­nen. Es sei denn die Kamerad_innen benehmen sich daneben und die Polizei schre­it­et ein. Das ist eben die Zivilge­sellschaft im Barnim.

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Antifaschismus

Für unsern Kiez: Babelsberg bleibt nazifrei

Pots­dam — Ein bre­ites Bünd­nis der Pots­damerin­nen und Pots­damer wird am Sonnabend gegen den geplanten NPD-Auf­marsch protestieren. Babels­berg 03 und die Aktion­s­ge­mein­schaft der Babels­berg­er Gewer­be­treiben­den beteili­gen sich mit ein­er Demon­stra­tion durch unseren Kiez an den Protestver­anstal­tun­gen gegen die NPD. Wir wollen mit unser­er Demon­stra­tion ver­hin­dern, dass die NPD und ihre neo­faschis­tis­chen Gesin­nungsgenossen ihr men­schen­ver­ach­t­en­des Gedankengut in unserem Stadt­teil ver­bre­it­en kön­nen. Weit­er­hin wollen wir zeigen, dass in Pots­dam, Babels­berg und aller Welt kein Platz für die plat­ten, nation­al­is­tis­chen Parolen der NPD ist, die let­ztlich darauf abzie­len, ras­sis­tis­che, anti­semi­tis­che oder islam­feindliche Vorurteile zu bedi­enen und Min­der­heit­en auszugrenzen.

Tre­ff­punkt zum Umzug in Babels­berg ist ab 10.30 Uhr in der Rudolf-Bre­itscheid-Straße zwis­chen Alt Nowawes und Glas­meis­ter­straße. Babels­berg 03 und die AG Babels­berg wün­schen einen friedlichen, fröh­lichen und kreativ­en Demon­stra­tionszug. Das Polizeiprä­sid­i­um hat den Aufzug unter dem Mot­to “Babels­berg bleibt naz­ifrei” genehmigt.

Infor­ma­tio­nen zu den Ver­anstal­tun­gen gegen den NPD-Auf­marsch in Pots­dam gibt es unter: https://inforiot.de/artikel/alle-wichtigen-infos-zum-15-september-potsdam

Da sich der Zeit­punkt für das Tre­f­fen der NPD um eine Stunde nach vorne ver­schoben hat, bit­ten wir alle Teilnehmer_innen unser­er Demo pünk­tlich oder wenn möglich etwas früher zu erscheinen! Start ist am Sonnabend, 15.09.2012, um 10.30 Uhr auf der Grün­fläche in der Rudolf-Bre­itscheid-Straße / Ecke Glasmeisterstraße. 

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Alle wichtigen Infos zum 15. September in Potsdam

Vor­abend­de­mo am 14. September 

Haupt­bahn­hof Pots­dam Nord­seite (Kau­fland Park­platz)
Auf­tak­tkundge­bung ab 18 Uhr | Start 19 Uhr

Wir rufen hier­mit alle Antifaschist_innen auf, an der Vor­abend­de­mo am Fre­itag, den 14. Sep­tem­ber teilzunehmen. Einen Tag vor dem Nazi­auf­marsch wollen wir die Gele­gen­heit nutzen, eigene Inhalte zu vermitteln.

EA-Num­mer
0331 95 10 714 und 01573 622 12 52

Anreise­tr­e­ff­punk­te 14. Sep­tem­ber
S‑Bahn S7 nach Pots­dam | 17.44 Uhr Ost­bahn­hof Gleis 10 | 17.52 Uhr Bahn­hof Friedrich­straße | 18.01 Uhr Bahn­hof Zool­o­gis­ch­er Garten | Ankun­ft 18.35 Uhr in Potsdam

 

Neon­azide­mo ver­hin­dern am 15. September

Anreiseempfehlung für nicht-Pots­damer_in­nen ist die Gegenkundge­bung des Bünd­niss­es (Karte: I7), bitte um 10 Uhr vor Ort sein! Wir leis­ten zivilen Unge­hor­sam gegen den Nazi­auf­marsch. Von uns geht dabei keine Eskala­tion aus. Wir sind sol­i­darisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, den Nazi­auf­marsch zu verhindern.

Anreise­tr­e­ff­punk­te 15. September

S‑Bahn S7 nach Pots­dam | 9.24 Uhr Ost­bahn­hof Gleis 10 | 9.32 Uhr Bahn­hof Friedrich­straße | 9.41 Uhr Bahn­hof Zool­o­gis­ch­er Garten | Ankun­ft 10.15 Uhr in Potsdam

EA-Num­mer
0331 95 10 714 und 01573 622 12 52

Infotele­fon
01577 30 90 239

Tick­er
demoticker.org

Als Rück­zug­sort für Ver­let­zte und Betrof­fene von Repres­sion und Gewalt ste­ht den ganzen Tag über das Gelände des “Frei­land” zur Ver­fü­gung. Dort gibt es auch Getränke so wie VoKü, und Sanitäter_innen.

Gebt Acht aufeinan­der! Wichtig zur Bewäl­ti­gung von emo­tionalem Stress ist ein unter­stützen­des Umfeld.

Infor­ma­tio­nen zum Ver­hal­ten auf Demon­stra­tio­nen
Tipps im Umgang mit Repres­sion­sor­ga­nen
Zum Umgang mit trau­ma­tisieren­den Fol­gen von Polizeigewalt

 

They shall not pass”-Afterdemo-Party im Spartacus

Unsere Freund_innen vom Spar­ta­cus haben am 15. Sep­tem­ber eine Par­ty organ­isiert. Nach hof­fentlich erfol­gre­ich­er Ver­hin­derung der Neon­azide­mo ist ab 19:00 Uhr der Spar­ta­cus für euch geöffnet. Es gibt VoKü und Musik.

Es wird ordentlich PunkRock auf die Ohren und später dann vom schön­sten 70er Soul­sound bis zum grot­tig­sten 80/90er Trash auf die Hüften geben.

Gehack­tes (crust NB)
Ver­wahlost (d‑punk NB)
Pub­lic Agony (hard­core NB)

Djanes

Usche Kus­zlovs­ki
Kalli Krawal­li

Spar­ta­cus Friedrich Engelsstr. 22 14473 Pots­dam alle weit­eren Infos zum Spar­ta­cus unter freiland-potsdam.de

 

+++ Für aktuelle Infor­ma­tio­nen http://theyshallnotpass.blogsport.eu +++

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Antifaschismus

Radikal, dezentral, phänomenal – Neonaziaufmarsch verhindern!

Pots­dam — Am 15.09.2012 wird ein Auf­marsch der NPD in Pots­dam stat­tfind­en. Dies ist der erste offizielle Neon­azi­auf­marsch in Pots­dam seit nun mehr sieben Jahren.

Dies heißt aber keines­falls, dass die Pots­damer Neon­aziszene in dieser Zeit nicht aktiv war. Im Gegen­teil. Schon seit Beginn des Jahres 2010 warn­ten antifaschis­tis­che Grup­pen vor einem Wieder­erstarken der Szene, welch­es mit gewalt­täti­gen Über­grif­f­en ein­her gehe. Die War­nun­gen stießen zwei Jahre lang auf taube Ohren. Erst Ende 2011 nahm auch die Stadt­poli­tik davon Notiz, denn das Bild vom bun­ten, tol­er­an­ten und touris­mus­fre­undlichen Pots­dam war gefährdet.

Ebendiese Herange­hensweise ist in Pots­dam üblich. Die antifaschis­tis­chen Ini­tia­tiv­en und Grup­pen treiben die Stadt­poli­tik vor sich her. Reagiert die Stadt, so wird vergessen von welch­er Seite das Engage­ment aus­ging und mith­il­fe von sym­bol­is­chen „Tol­er­anzfesten“ die eigene Weste rein gewaschen. Dazu sagt die Press­esprecherin des ak_antifa: „Nie­mand kommt auf die Idee mit Betrof­fe­nen von Neon­az­iüber­grif­f­en oder antifaschis­tis­chen Grup­pen in Kon­takt zu treten und über die tat­säch­lichen Prob­leme oder gar Lösun­gen zu disku­tieren. Die Haupt­sache ist immer, dass das Image der Stadt nicht beschmutzt wird.“

Im Jahr 2004 wurde der Neon­azi­auf­marsch durch die Polizei gewalt­tätig geschützt. Den darauf fol­gen­den Auss­chre­itun­gen, welche als Imageschaden wahrgenom­men wur­den, ist es allerd­ings zu ver­danken, dass die Nazis nicht durch die Innen­stadt zogen. Das bürg­er­liche „Tol­er­anzfest“ war so weit ab vom Schuss, dass die Nazis noch nicht ein­mal die Bratwürste riechen kon­nten. Bere­its ein Jahr später, 2005, änderte das Bünd­nis „Pots­dam beken­nt Farbe“ seine Strate­gie. Den Neon­azis wurde sich nun direkt in den Weg gestellt. Die Block­ade gelang zwar, allerd­ings zogen die Neon­azis mar­o­dierend durch Berlin.

In diesem Jahr soll den Nazis wed­er eine Auswe­ichroute, noch ein Auf­marsch in ein­er anderen Stadt gelin­gen! Deshalb rufen wir, als eine der Grup­pen des Bünd­niss­es „They Shall Not Pass“, dazu auf den Neon­azi­auf­marsch radikal und dezen­tral zu ver­hin­dern. Im Rah­men der Mobil­isierung wur­den tausende Plakate und Aufk­le­ber verklebt, Ver­anstal­tun­gen in mehreren deutschen Städten durchge­führt und Youtube-Videos erstellt. Außer­dem wird am 14.9. um 19 Uhr eine Vor­abend­demon­stra­tion vom Haupt­bahn­hof in die Innen­stadt führen. Mit dieser Demon­stra­tion sollen über die Ver­hin­derung des Neon­azi­auf­marsches hin­aus, die alltäglichen Unter­drück­un­gen und Aus­gren­zun­gen inner­halb der Gesellschaft the­ma­tisiert wer­den. Denn Neon­azis ste­hen nicht am Rand der Gesellschaft, son­dern kom­men aus deren Mitte.

Bünd­nis They Shall Not Pass

Aufruf ak_antifa_potsdam

Mobilisierungsvideos: 

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Antifaschismus

Schwieriges Pflaster

Seit Monat­en beherrschen Berichte über die euopäis­che Finanzkrise die Medi­en. Auch die NPD ver­sucht das The­ma für sich zu nutzen und marschierte in diesem Jahr bere­its vier Mal mit EU- und Euro-feindlichen Slo­gans in Bran­den­burg auf. Mit mäßigem Erfolg. Block­aden und Gegen­proteste machen der Partei schw­er zu schaffen.

Am Sam­stag wollen die Neon­azis um Lan­deschef Klaus Beier unter dem Mot­to “Wir arbeit­en — Brüs­sel kassiert” in Pots­dam demon­stri­eren. Der vom NPD-Kreisver­band Hav­el-Nuthe angemeldete Neon­azi-Auf­marsch ist Teil des Demon­stra­tions­marathons “Aktion Klee­blatt”, mit dem die Partei seit März durch Bran­den­burg zieht.

They shall not pass!

Gegen den Auf­marsch mobil­isiert neben dem antifaschis­tis­che Zusam­men­schluss “They shall not pass” das städtis­chen Bünd­nis “Pots­dam naz­ifrei” . Während das Bünd­nis der Stadt zum Tol­er­anzfest ein­lädt, ruft “They shall not pass” dazu auf, dem NPD-Aufzug, der um 11 Uhr am Haupt­bahn­hof begin­nen soll, “mit allen nöti­gen Mit­teln” Wider­stand zu leisten.

Pots­dam ist immer wieder Betä­ti­gungs­feld für Recht­sradikale. Im ver­gan­genen Novem­ber und im Feb­ru­ar dieses Jahres wurde die Wald­stadt zur Bühne von zwei nächtlichen Fack­elmärschen. Mit Crimark existiert in Pots­dam mit­tler­weile eine neon­azis­tis­che Hooli­gan­grup­pierung, die sich im Umfeld des Fußbal­lzweitligis­ten Union Berlin bewegt. Das Antifaschis­tis­che Pressearchiv Pots­dam doku­men­tiert für 2011 mehrere gewalt­tätige Über­griffe und Pro­pa­gan­dade­lik­te von Rechts.

Trotz­dem gilt die Lan­deshaupt­stadt als schwieriges Pflaster für rechte Demon­stra­tio­nen. Der let­zte große Auf­marsch endete für die Neon­azis im Okto­ber 2004 in einem Debakel. Im Sep­tem­ber 2008 musste eine DVU-Kundge­bung vorzeit­ig abge­brochen wer­den, nach­dem ein Gen­er­a­tor der Ver­anstal­ter zer­stört wurde. Zulet­zt wurde im August die NPD-Deutsch­land­tour mit Schuh- und Eier­wür­fen auf dem Luisen­platz empfangen.

They did not pass!

Auch am kom­menden Sam­stag ist mit mas­sivem Wider­stand gegen die recht­sradikale Partei zu rech­nen. Der in diesem Jahr block­ierte NPD-Auf­marsch in Frank­furt und die erfol­gre­ichen Gegen­proteste in Brandenburg/Havel und Cot­tbus zeigen, dass es der Neon­azi-Szene im Land immer schw­er­er fällt, ihren Anliegen außer­halb kon­spir­a­tiv organ­isiert­er Aufzüge auf die Straße zu tra­gen. Für den 10. Novem­ber hat die NPD eine weit­ere Demon­stra­tion in Frank­furt angekündigt.

Die Proteste gegen die NPD begin­nen bere­its am 14. Sep­tem­ber. “They shall not pass” ruft für Fre­itag zu ein­er Vor­abbend­demon­stra­tion auf. Start­punkt ist um 19 Uhr der Haupt­bahn­hof Pots­dam. Für Sam­stag, den 15. Sep­tem­ber, sind ab 10 Uhr Proteste am Haupt­bahn­hof angekündigt. Die Polizei teilte mit, mit einem Großaufge­bot von 1.500 Ein­satzkräften vor Ort zu sein.

 

Ter­mine

12. Sep­tem­ber, 19 Uhr (Spar­ta­cus, Pots­dam): Vor­trag und Demo 1x1
14. Sep­tem­ber, 19 Uhr (Haupt­bahn­hof Pots­dam): Vor­abbend­de­mo
15. Sep­tem­ber, 10 Uhr (Pots­dam): Nazi­auf­marsch ver­hin­dern
15. Sep­tem­ber, 19 Uhr (Spar­ta­cus, Pots­dam): After­de­mo-Par­ty

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(Anti-)Rassismus

Antirassistische Kritik unerwünscht

Und auch wenn Pup­pen­spiele, Chorgesänge und Kochgrup­pen von den Asylbewerber_innen mit organ­isiert wur­den, waren von den ca. 120 Bewohner_innen nur wenige anwe­send. Wo waren die anderen? Eine Frage die wir nicht beant­worten kön­nen. Die meis­ten Bürger_innen die auf diesem Fest waren, macht­en einen mehr oder min­der desin­ter­essierten Ein­druck an der Flüchtlings­the­matik. Wahrschein­lich weil sie gar nicht zum The­ma gemacht wurde. „Ein interkul­turelles Pro­gramm für Groß & Klein, sowie Raum und Zeit zum Ken­nen­ler­nen“ – Das war das The­ma bzw. der Sinn des Ganzen. Doch für kri­tis­che Töne war an diesem Tag kein Platz. Als Jugendliche aus dem Umfeld des JWP-Mit­ten­drins, einen zuvor zugesicherten Rede­beitrag hal­ten woll­ten, wurde ihnen dies von den Organ­isatoren des Festes unter­sagt. Darunter Dani­lo Kun­ze, Mitar­beit­er der Aus­län­der­be­hörde des Land­kreis­es OPR und Mar­tin Nowak, Quatier­man­ag­er der Fontanes­tadt Neu­rup­pin zur Konzepten­twick­lung der sozialen Daseinsvor­sorge. Kun­ze, der täglich am Schreibtisch über die Schick­sale von Men­schen richtet, ließ von vorn­here­in keine Diskus­sion zu und unter­sagte uns eine Poli­tisierung „seines“ Festes, da dieser Tag für ihn in keinem poli­tis­chen Zusam­men­hang stünde.

Um die Inhalte unseres Rede­beitrags den­noch an die Men­schen zu brin­gen, entsch­ieden wir uns spon­tan zur Vervielfäl­ti­gung unseres Beitrags, um sie als Fly­er auf der Ver­anstal­tung zu verteilen. Unmit­tel­bar nach Beginn der Aktion, wur­den uns und den Leuten, welche die Zettel schon erhal­ten hat­ten, diese von Kun­ze, Nowak und weit­eren Organ­isatoren aus der Hand geris­sen und mit Repres­sion durch die Staats­ge­walt gedro­ht. Den­noch bilde­ten sich vere­inzelte Diskus­sio­nen, die aber sofort durch ein Hausver­bot der Organ­isatoren unter­bun­den wur­den. Einzig und allein Sebas­t­ian Kil­ian, ein­er der Mitor­gan­isatoren, war zu weit­eren Gesprächen außer­halb des Gelän­des bereit.

Auch der an diesem Tag gepflanzte „Apfel­baum der Tol­er­anz“, täuscht nicht über die geheuchelte Für­sorge, der poli­tisch Ver­ant­wortlichen, hin­weg. Selb­st wenn die Inten­sion des Festes gut gemeint war, bringt es keine prak­tis­che Verbesserung der Lebenssi­t­u­a­tion der Asyl­suchen­den. Die Organ­isatoren bere­it­eten diesen Tag als „ober­flächige Wohlfühlshow“ vor, bei der sich mit her­zlichen Reden und war­men Essen gegen­seit­ig auf die tol­er­ante Schul­ter gek­lopft wurde. Die Tat­sache, dass die Kri­tik an den beste­hen­den Ver­hält­nis­sen im Heim aktiv ver­hin­dert wurde beweist, dass eine tief­ere Auseinan­der­set­zung mit der Prob­lematik nicht erwün­scht ist.

Wir fordern die Auflö­sung des Heims und eine dezen­trale Unter­bringung für alle Flüchtlinge! 

Bleiberecht für alle Asylsuchenden!

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(Anti)militarismus Bildung & Kultur

Bundeswehr raus aus den Schulen

Am 8. Sep­tem­ber macht­en wir uns mit 10 hochmo­tivierten Mitstreiter*innen auf den Weg ins Ober­stufen­zen­trum Straus­berg, um – wie so oft – gegen etwas zu sein: die Bun­deswehr im All­ge­meinen und ihre Wer­beak­tio­nen an Schulen.

Denn beim Aus­bil­dungstag der Stadt Straus­berg stellte sich das Mil­itär als ganz nor­maler Aus­bil­dungs­be­trieb vor. Nach anfänglichen Stre­it­igkeit­en um das auf oder vor dem Gelände Ste­hen, blieben wir ein­fach da und wur­den schließlich von der Schullei­t­erin akzep­tiert. Für zweiein­halb Stun­den verteil­ten wir Fly­er, But­tons, ließen die Trans­par­ente und Schilder wirken und kamen mit inter­essierten Besucher*innen und Vertreter*innen der Unternehmen ins Gespräch, von denen sich so manche mit uns sol­i­darisierten. Die etwas über­rumpelte Schullei­t­erin bot eine Gespräch­srunde zum The­ma “Bun­deswehr in Schulen” an, um die Prob­lematik in Ruhe zu disku­tieren; es geht also weit­er! Schön war´s gewesen.

 

Fly­er­text:

Bun­deswehr raus aus den Schulen 

Liebe Schüler*innen , liebe Eltern, liebe Besucher*innen, heute hat die Stadt Straus­berg zum 17.Ausbildungstag am Ober­stufen­zen­trum ein­ge­laden, um Jugendlichen die Beruf­swelt näher zu brin­gen. Auf­grund des Fachkräfte­man­gels ist das eine sehr nette Sache, meinen sie nicht auch? 

Neben Infor­ma­tio­nen zu kaufmän­nis­chen und handw­erk­lichen Berufs­feldern präsen­tiert sich eine Insti­tu­tion, zu deren Auf­gaben das Töten gehört. Die Bun­deswehr ver­sucht sich bei solchen Ereignis­sen in einem friedlichen und human­is­tis­chen Licht zu präsentieren.

Ziel ist eine Akzep­tanz für Krieg­sein­sätze in einem bre­it­en Spek­trum der Gesellschaft zu erre­ichen, sowie Ziv­il- und Stre­itkräfte anzuwer­ben. Dazu hiel­ten zu Beginn des neuen Schul­jahres Jugend­of­fiziere im OSZ während der Unter­richt­szeit Vorträge über die mil­itärische Lauf­bahn und präsen­tierten ihre Aus­rüs­tung. Die Schüler*innen mussten an dieser Ver­anstal­tung teil­nehmen. Eine kon­tro­verse Diskus­sion war mit dem geschul­ten Per­son­al nicht möglich, da die Auf­gabe der Jugenof­fiziere auss­chließlich darin beste­ht, neue Mit­glieder zu werben.

Die in der Öffentlichkeit als human­itär beze­ich­neten Hil­f­sein­sätze stellen stattdessen eine Sicherung weltweit­er Han­del­srouten sowie den Zugang zu Ressourcen dar. 

Wir sol­i­darisieren uns mit allen Schüler*innen des Ober­stufen­zen­trums und rufen Eltern und Lehrer dazu auf, die Zusam­me­nar­beit mit der Bun­deswehr abzulehnen!

In diesem Sinne: “Schul­frei für die Bun­deswehr – Bun­deswehr abschaffen!”

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Arbeit & Soziales

Gemeinschaft WagenHausBurg Hermannswerder bleibt!

Die Stadtver­wal­tung Pots­dam hat sich trotz anders lau­t­en­der Arbeit­saufträge der Stadtverord­neten im Juni 2012 vor allem der Vari­ante „5 weit­ere Jahre Her­mannswerder plus Umzug nach Golm“ gewid­met. Dieses „faire“ – erneut befris­tete – Ange­bot bedeutet für uns Bewohner/innen ein Gebäu­deneubau auf einem brach­liegen­den, uner­schlosse­nen Grund­stück in Golm, von dem nicht abschließend mit­geteilt wurde, ob der Boden durch frühere Nutzung belastet ist. Gle­ichzeit­ig sind wir gezwun­gen, für das eben­falls mar­o­de wer­dende Gebäude auf Her­mannswerder und für die geforderte Ver­rück­ung der Bauwa­gen hohe, nicht nach­haltige Investi­tio­nen zu leisten.

Es ist ein Schlag ins Gesicht, dass uns nach dieser lan­gen Zeit das Grund­stück für knapp 2Mio Euro Kauf­preis ange­boten wird, das bere­its Ersat­zob­jekt ist und dessen Wert erst in den ver­gan­genen zwei Jahren so exor­bi­tant stieg. Instand­hal­tungs- und Ren­ovierungskosten sind noch nicht ein­mal einkalkuliert.

Eine seit 12 Jahren existierende Gemein­schaft, ein sich finanziell kom­plett selb­st tra­gen­des Pro­jekt mit vielfälti­gen unkom­merziellen Ange­boten und das Aus­bil­dung­spro­jekt des BUS e.V. sowie die Fahrrad­w­erk­statt der Diakonie Werk­stät­ten Pots­dam gGmbH sollen weichen, um auf dem gesamten Are­al hochw­er­tige – und damit vor allem höch­st­preisige — Woh­nun­gen bauen zu lassen.

Mit unser­er Ver­drän­gung wird in kein­er Weise die existierende Pots­damer Woh­nungsknap­pheit ver­min­dert. Ver­min­dert wird damit einzig und allein gün­stiger Wohn­raum in der Stadt. In „guter Lage“ zu wohnen ist defin­i­tiv nicht mehr leist­bar für eine ras­ant steigende Anzahl an Men­schen. Und will sich eine selb­st­be­wusste Stadt ern­sthaft zukün­fti­gen Mieter/innen beu­gen, die die Nach­barschaft zu ein­er Wagen­burg als Wert­min­derung empfinden?

Wir find­en es beschä­mend, dass Stadtkäm­mer­er Burkhard Exn­er unseren Verbleib in direk­ten Zusam­men­hang mit dem Bau neuer Kindertagesstät­ten und Schulen set­zt. Der angestrebte Erlös aus der von uns belebten Fläche füllt doch angesichts des Gesamthaushaltes ein­er Lan­deshaupt­stadt nur für kurze Zeit die Stadtkasse. Das ist ein­fach eng gedacht! Und schließlich hat Pots­dam bere­its öfter gezeigt, dass für ver­schiedene „Pro­jek­te“ aus­re­ichend Geld vorhan­den ist – z.B. die Schenkung eines Grund­stücks an die Stiftung Gar­nisonkirche, die damit ein äußerst umstrittenes Pro­jekt vorantreibt oder die Abfind­ung des ehe­ma­li­gen Stadtwerke-Chefs Peter Paffhausen von knapp 1 Mio Euro. Wir sind ganz entsch­ieden nicht die aktuelle Melkkuh für Finan­zlöch­er der Stadt!

Das Weit­erbeste­hen des Gemein­schaft­spro­jek­ts Wagen­Haus­Burg Her­mannswerder am jet­zi­gen Stan­dort ist ein­deutig eine Frage des poli­tis­chen Wil­lens der Stadt Pots­dam. Wir fordern drin­gend dazu auf, den Tun­nel­blick der allein ver­w­er­tung­sori­en­tierten Ver­hand­lungslin­ie zu öff­nen und die Gespräche mit uns als Vertreter/innen eines langjähri­gen Pots­damer Pro­jek­ts in Rich­tung langfristige Nutzung fortzusetzen.

 

Am kom­menden Mittwoch, 12.09. soll ab 17h00 in der Haup­tauss­chuss­sitzung im Rathaus Pots­dam der Vorschlag „5 Jahre Her­mannswerder und dann Umzug nach Golm“ zur Abstim­mung gestellt wer­den. Diese Sitzung darf – zumin­d­est im öffentlichen Teil – gerne besucht werden!

 

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Antifaschismus

They Shall Not Pass – Sie werden nicht durchkommen!

Pots­dam — Am 30.10.2004 knallte es an der Lan­gen Brücke in Pots­dam. An diesem Tag woll­ten Neon­azis durch die Innen­stadt marschieren. Die Polizei ver­suchte den Protest gegen den Auf­marsch mit Gewalt zu unterbinden woraufhin entschlossene Antifaschist_innen sich mit Steinen, Flaschen und Pyrotech­nik zur Wehr set­zten. Kleinere Bar­rikaden wur­den gebaut und Polizeifahrzeuge ent­glast. Wegen weiträu­miger Polizeiab­sper­run­gen marschierten die Neon­azis let­z­tendlich nach Pots­dam-Babels­berg. Das Konzept ist also nur zur Hälfte aufgegangen.

FINGERMALFARBEN

Die bürg­er­lichen Proteste waren im Jahr 2004 noch sym­bol­is­ch­er Art, wie beispiel­sweise ein „Tol­er­anzfest“, das Basteln von großen Pup­pen oder mit dem Besen hin­ter den Neon­azis hin­ter­herzufe­gen — logis­cher­weise ver­hin­derten sie damit rein gar nichts. Aus der Erfahrung, dass Protest fernab des Geschehens kein erfol­gver­sprechen­des Konzept ist und es allein der Pots­damer Linken zu ver­danken ist, dass der faschis­tis­che Auf­marsch nicht unge­hin­dert durch die Innen­stadt ziehen kon­nte, zog das „Pots­dam beken­nt Farbe“-Bündnis einen entschei­den­den Schluss. Aus den damals durch die Region­al­presse geis­tern­den Bildern eines „bren­nen­den“ Pots­dams schlossen sie, dass man den linken Chaoten nicht das Feld (des Ruhmes im antifaschis­tis­chen Kampf) über­lassen könne. Sie stell­ten sich einem weit­eren Neon­azi­auf­marsch im Jahr 2005 direkt ent­ge­gen und block­ierten schlussendlich die Route und Seit­en­straßen. Was die Pots­damer Poli­tik in ihrem „Sieges­taumel“ zu erwäh­nen ver­gaß: die angereis­ten Neon­azis führten, wiederum mas­siv geschützt durch die Polizei, in Berlin einen Auf­marsch durch.

FEHLFARBEN

Es lässt sich fest­stellen, dass Neon­azis, ihr Umfeld und die von ihnen began­genen Gewalt­tat­en und Pro­pa­gan­daak­tio­nen, oft erst spät zu einem „offiziellen“ Prob­lem in Pots­dam wer­den. Üblicher­weise sind es linke Grup­pierun­gen und Einzelper­so­n­en, die auf der­ar­tige Prob­leme aufmerk­sam machen, lange bevor sie das bürg­er­liche Pots­dam wahrn­immt. So wurde im Jahr 2005 der soge­nan­nten „sum­mer of hate“, welch­er aus fast täglichen mas­siv­en gewalt­täti­gen Naz­iüber­grif­f­en bestand, in der öffentlichen Wahrnehmung erst zu einem Prob­lem, als sich linke Jugendlichen dage­gen wehrten und ver­sucht­en den Neon­azis Paroli zu bieten. Doch nun ver­schob sich die Wahrnehmung von der „Auseinan­der­set­zung zwis­chen rival­isieren­den Jugend­grup­pen“ hin zu ein­er ange­blich von links aus­gelösten „Gewalt­spi­rale“. Dass die Stadt Pots­dam ein mas­siv­en Prob­lem mit Neon­azis hat, wurde erst auf­grund inten­siv­en linken Engage­ments öffentlich anerkannt.

Auch an einem jün­geren Beispiel wird die Strate­gie der Stadt Pots­dam deut­lich, Prob­leme mit Neon­azis totzuschweigen, bis diese zu offen­sichtlich wer­den und den Ruf als „weltof­fene Stadt“ gefährden, um sich dann an die Spitze des Protestes zu stellen. Schon zu Beginn des Jahres 2010 warn­ten antifaschis­tis­che Grup­pen vor einem Wieder­erstarken der Neon­azi-Szene in Pots­dam, das ein­her gehe mit gewalt­täti­gen Über­grif­f­en. Erst Ende 2011, nach ein­er Vielzahl von weit­eren Über­grif­f­en und einem Fack­elzug der Neon­azis durch Wald­stadt, nahm sich das Bünd­nis „Pots­dam beken­nt Farbe“ dieses Prob­lems, wiederum mit ein­er rein sym­bol­is­che Aktion, an. Ein „Wald­stadtspazier­gang“ mit den Spitzen der Stadt­poli­tik in der ersten Rei­he wurde organ­isiert, damit auch sie mal “Farbe beken­nen kön­nen” um sich damit den Vor­wurf der Untätigkeit vom Hals zu hal­ten. Dass Neon­azis während dieser Demon­stra­tion Fotos von antifaschis­tis­chen Jugendlichen gemacht haben und ins Inter­net stell­ten – kein­er weit­eren Erwäh­nung wert. Einzige Schlussfol­gerung der Poli­tik aus dieser Demon­stra­tion: Ein Tol­er­anzfest muss her und zwar in Waldstadt.

Auf­grund des geplanten Neon­azi­auf­marschs am 15.09. wird nun auch diese einzige Form des länger­fristiges Engage­ment der Stadt in Pots­dam-Wald­stadt aus­fall­en, da sie sich mit ihrem Tol­er­anzfest den Neon­azis am Haupt­bahn­hof in den Weg stellen will. Ob diese Strate­gie aufge­hen wird, liegt haupt­säch­lich an der Frage, welche Tak­tik die Polizei an diesem Tag fahren wird. Wird sie ihre Zusage ein­hal­ten, keine „Ham­burg­er Git­ter“ zu ver­wen­den um die Neon­azis und ihre Route von Protesten abzuschir­men? Wird sie gewalt­tätig Straßen­block­aden auflösen? Wird sie, um den Neon­azi­auf­marsch ungestört durch die Stadt marschieren zu lassen, die halbe Stadt absper­ren? Wird sie den Pots­damer Son­nenkönig und Ober­bürg­er­meis­ter Jakobs genau­so gewalt­tätig abräu­men wie sie es mit Protestieren­den in Neu­rup­pin tat? Wir wis­sen es nicht, aber diese strate­gis­chen Über­legun­gen zur Ver­hin­derung des NPD-Auf­marsches sind unser­er Ansicht nach auch nicht der sprin­gende Punkt. Für uns ist es viel entschei­den­der, warum der­ar­tige Bürg­er­bünd­nisse im Kampf gegen Neon­azis ver­sagen müssen.

BRAUN JA BRAUN SIND ALLE MEINE FARBEN

Um zu ver­ste­hen, warum der bürg­er­liche Staat im Kampf gegen rechte Gewalt und alltägliche Diskri­m­inierun­gen hoff­nungs­los scheit­ert und auch der Protest wohlwol­len­der Bürger_innen daran nichts ändern kann, wollen wir einen Blick auf den „Nation­al­sozial­is­tis­chen Unter­grund“ (NSU) werfen.

Die Tat­sache, dass diese Neon­azis über Jahre ihr mörderisches Unwe­sen treiben kon­nten, ist keinem Ver­sagen des staatlichen Sicher­heit­sap­pa­rats (Polizei, VS, LKA) zuzuschreiben. Die von Nazis nach dem zweit­en Weltkrieg aufge­baut­en Sicher­heits­be­hör­den sind schon von ihrer Struk­tur und ihrer Zielset­zung her nicht in der Lage Neon­azis Wider­stand ent­ge­gen zu set­zen. Sie scheit­ern mit diesem Anliegen nicht, weil sie groteske Fehler machen (beispiel­sweise einen Hellse­her befra­gen oder selb­st einen Dön­er-Imbiss eröff­nen) son­dern weil sie dieses Anliegen nicht haben, nicht haben kön­nen. In einem kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tem wie unserem schützen staatliche Sicher­heits­be­hör­den die wirtschaftlichen Inter­essen der besitzen­den Klasse. Dieser „Schutz“ wen­det sich gegen Men­schen, welche dieses Wirtschaftssys­tem angreifen wollen. Es sind eben nicht Neon­azis mit ihrem „roman­tis­chen Antikap­i­tal­is­mus“, der let­z­tendlich nur eine nation­al­isierte Vari­ante des Kap­i­tal­is­mus darstellt, die diese Inter­essen radikal in Frage stellen. Im Gegen­teil, sie nehmen die von dieser Gesellschaft pro­duzierte Aufteilung in Arm vs. Reich, Weiße Haut­farbe vs. Schwarze Haut­farbe, Deutsche Groß­mut­ter vs. pol­nis­che Groß­mut­ter, als naturgegeben hin, als seien diese Spal­tun­gen nicht von Men­schen gemacht, son­dern von Gott gegeben. Neon­azis wurzeln ide­ol­o­gisch also im kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tem und über­spitzen nur die in diesem Sys­tem pro­duzierte Welt­sicht. Sie berufen sich pos­i­tiv auf den deutschen Staat und fordern lediglich mehr völkisches Bewusst­sein. Somit gel­ten sie in der Öffentlichkeit als fehlgeleit­ete Jugendliche, die ab und an mal über die Strenge schla­gen, wohinge­gen auch die kle­in­ste linke Grup­pierung unter Ter­rorver­dacht ger­at­en kann. In diesem Zusam­men­hang ist es unmöglich die abge­drosch­ene Phrase von dem blind­en recht­en Auge nicht zu bemühen. Seit­dem die par­la­men­tarische Demokratie in Deutsch­land angekom­men ist bzw. zwang­seinge­führt wurde, sind es zumeist Linke, auf die sich staatliche Repres­sion auswirkt. Denn sie kämpfen für die völ­lige Abschaf­fung des Staates als kap­i­tal­is­tis­ches Herrschaftsin­stru­ment und fordern eine klassen­lose und herrschafts­freie Gesellschaft.

Aus diesen Grün­den bleibt bürg­er­lich-demokratis­ch­er Protest gegen Neon­azis hoff­nungs­los, solange nicht die tat­säch­liche kap­i­tal­is­tis­che Ide­olo­gie, son­dern nur ihre zuge­spitzte Form kri­tisiert wird. Antifaschis­tis­che Kri­tik bedeutet, dass der deutsche Staat als das erkan­nt wird was er ist: Gewaltherrschaft. Und die Faschist_innen sind seine Kinder.

FARBE BEKENNEN 

Eben diese Dimen­sion beziehen Bürger_innen in ihre Proteste nicht mit ein. Sie feiern ein­fach nur die Vielfalt, Cous­cous neben Bratwurst, Con­ga-Trom­mel neben Klar­inette, Regen­bo­gen­fahne neben Gar­nisonkirche. Aber selb­st dieser Wun­sch nach Vielfalt ist kap­i­tal­is­tisch struk­turi­ert. Es ist nicht die Vielfalt als solche die gewün­scht wird, son­dern es ist Vielfalt die etwas „nutzt“, die etwas her­ma­cht und die vorgezeigt wer­den kann – wie zum Beispiel ein mul­ti­kul­tureller Markt, oder ein viet­name­sis­ches Restau­rant, oder eine Män­ner-Fußball-Welt­meis­ter­schaft unter dem Mot­to „Die Welt zu Gast bei Freunden“.

Vielfalt entspricht in diesem Zusam­men­hang nicht einem Ver­ständ­nis der ver­schiede­nen Leben­szusam­men­hänge in welchen Men­schen sich befind­en, son­dern ein­er sta­tis­chen Rol­len­zuschrei­bung. Die von ihnen propagierte Vielfalt ist ein äußerst dehn­bar­er Begriff. So lässt sich ein Drecks­blatt wie die Bild, eine deut­lich nach rechts offene Partei wie die CDU, die unter­schiedlichen Leben­sre­al­itäten von Leiharbeiter_innen und der Unternehmensleitung, wun­der­bar in diese Ide­olo­gie ein­rei­hen. Nichts ist wirk­lich falsch, alles hat eine Berechtigung.

Tat­säch­liche Kämpfe um gesellschaftliche Anerken­nung wer­den bagatel­lisiert und zum Aus­druck kul­tureller Ver­schieden­heit verniedlicht. So sind offiziell „gut inte­gri­erte“ Men­schen dem ras­sis­tis­chen gesellschaftlichen Druck immer noch aus­ge­set­zt – genau­so wie es nach wir vor in einem Großteil von Deutsch­land schwierig ist als les­bi_schwul_­trans-Pärchen Händ­chen hal­tend zu flanieren, oder mit einem David­stern um den Hals tra­gend einkaufen zu gehen. Dies zu erken­nen würde als Kon­se­quenz erfordern, nicht nur alle paar Jahre gegen Neon­azis auf die Straße zu gehen, son­dern den Kampf gegen Aus­gren­zung und Unter­drück­ung auf allen Ebe­nen mit allen Mit­teln aufzunehmen.

FARBENLEHRE 

Verän­derung ist mit Kri­tik allein nicht zu schaf­fen. Sie kann nur durch prak­tis­ches Han­deln erre­icht wer­den. Dieses zu entwick­eln, erfordert immer wieder Organ­i­sa­tion­ser­fahrun­gen. Deshalb rufen wir dazu auf, sich an den Protesten am 15.09.2012 zu beteili­gen. Proteste gegen Nazis, in all ihrer poli­tis­chen Begren­ztheit, haben zumin­d­est das Poten­tial, Erfahrun­gen zu ver­mit­teln, die ein­er wirk­lich antifaschis­tis­che Prax­is den Weg bere­it­en, sei es die Ohn­macht­ser­fahrung vor staatlich­er Repres­sion, die das Ver­trauen in den bürg­er­lichen Rechtsstaat zu erschüt­tern ver­mag aber auch das Erfol­gser­leb­nis, sich durchzuset­zen, den Nazis den Weg abzuschnei­den und der Polizei die Kon­trolle der Sit­u­a­tion zu entwinden.

Antifaschis­tis­che Prax­is wollen auch wir am 15.09.2012, im Rah­men des linken Bünd­niss­es “They shall not pass”, wal­ten lassen und den Nazis kräftig in den Arsch treten.

Radikal, Dezen­tral, Phänomenal! 

Ab 11.00 Uhr in der Innenstadt 

Check: http://ak.antifa.cc & http://theyshallnotpass.blogsport.eu

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Bildung & Kultur

Utopia e.V. begeht 14. Geburtstag

Rund 150 Gäste kamen unser­er Ein­ladung am ver­gan­genen Sam­stag nach und feierten das 14-jährige Beste­hen des Vere­ins mit einem bun­ten Pro­gramm am Nach­mit­tag und einem Konz­ert am Abend. Auch eine gut besuchte Infor­ma­tionsver­anstal­tung zum The­ma „Grau­zone und rechte Ten­den­zen in der Rock- und Punkmusik“ fand statt. Darüber hin­aus kon­nten sich Inter­essierte über die Arbeit des Vere­ins informieren.

Mehr Infor­ma­tio­nen zu der aktuellen Ver­anstal­tungsrei­he gibt es hier.

Kurz vor Ende des Festes ver­suchte jedoch eine Gruppe von 5 bis 6 Per­so­n­en, die der recht­en Szene von Frank­furt (Oder) zuzuord­nen sind, die Besucher_innen auf dem Hin­ter­hof der Berlin­er Straße anzu­greifen. Sie war­fen Flaschen und riefen rechte Parolen. Außer­dem wurde die Ein­gangstür der Bergstraße 189 beschädigt. Durch das besonnene Ver­hal­ten der Veranstalter_innen und Gäste wurde glück­licher­weise nie­mand verletzt.

Der Utopia e.V. ist ein gemein­nütziger Vere­in und anerkan­nter Träger der freien Jugend­hil­fe. Er ist in der anti­ras­sis­tis­chen und antifaschis­tis­chen Jugend‑, Kul­tur- und Bil­dungsar­beit tätig und ver­anstal­tet vielfältige Pro­jek­te zu The­men wie Flüchtlingspoli­tik, Neon­azis­mus und alter­na­tiv­en Gesellschaft­sen­twür­fen. Dabei ste­ht das Engage­ment für eine men­schen­würdi­gere Gesellschaft stets im Mit­telpunkt. Der Neon­azian­griff zeigt, dass dieses weit­er­hin notwendig ist.

Inforiot