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Antifaschismus

Nazis stören Gedenken in Fredersdorf

Am 30.04.2022 organ­isierte die Gedenk­ini­tia­tive Phan Văn Toàn eine Kundge­bung mit anschließen­der Podi­ums­diskus­sion in Fred­er­s­dorf. Phan Văn Toàn geri­et 1997 in einen Stre­it mit mehreren Män­nern; Er ver­starb am 30.04.1997 im Kranken­haus an seinen schw­eren Verletzungen. 
Zu der Ver­anstal­tung waren 50 Men­schen aus Bran­den­burg und Berlin zusam­mengekom­men. Doch lei­der ver­lief das Gedenken nicht ungestört: Bere­its bei der Kundge­bung am S‑Bahnhof filmte Larsen Aslan vom Berlin­er III. Weg die Teil­nehmenden mit seinem Handy ab. Kurz darauf stießen Mal­wig Stel­ter (eben­falls III. Weg/ Divi­sion MOL) und ein weit­er­er Neon­azi dazu. Die drei blieben während der gesamten Zeit in der Nähe der Kundge­bung und taucht­en auch später wieder auf, als die Teil­nehmenden zur Podi­ums­diskus­sion gin­gen. Hier trat vor allem Larsen Aslan extrem agres­siv auf, belei­digte mehrere Teil­nehmende und griff sie an. 
Nach der Ver­anstal­tung wur­den Mal­wig Stel­ter und Thore Ondr­usch (eben­falls III. Weg/ Divi­sion MOL) dabei beobachtet, wie sie den ein­gerichteten Gedenko­rt für Phan Văn Toàn am Bahn­hof Fred­er­s­dorf zerstörten. 
Für die Neon­azi-Clique Divi­sion MOL ist das Gedenken an Phan Văn Toàn ein Reizthe­ma: 2021 war das Zer­stören des Gedenko­rtes eine ihrer ersten öffentlichen Aktio­nen. In der Zwis­chen­zeit haben sie eine besorgnis­er­re­gende Entwick­lung gemacht. 
Während Franz Schrandt mit­tler­weile nach Berlin-Köpenick gezo­gen ist und sich dort in Rich­tung NPD ori­en­tiert, sind ins­beson­dere Thore Ondr­usch und Mal­wig Stel­ter organ­isatorisch beim III. Weg Berlin angekom­men. Dass mit Larsen Aslan ein Berlin­er III. Weg-Aktivist sie beim Stören ein­er Gedenkkundge­bung unter­stützt, ist nur ein weit­er­er Beleg dafür. Der vierte bekan­nte Neon­azi der Divi­sion MOL aus der Region, Lion Zan­der, tritt eher als Schul­hof-Nazi in Erschei­n­ung, der mit ein­er Clique an der Lenné-Ober­schule in Hoppe­garten Mitschüler*innen schikaniert und auch ziem­lich gewalt­tätig ist.
Mal­wig Stel­ter dage­gen nimmt offen­bar jede extrem rechte Aktion mit. Er war nicht nur am 30.04. in Fred­er­s­dorf unter­wegs, son­dern fuhr am näch­sten Tag auch zum Auf­marsch des III. Weges nach Zwick­au. Er fuhr zusam­men mit dem Berlin­er Stützpunkt des III. Weges. Neben Mal­wig Stel­ter fuhren auch Franz Richard Schrandt und Erik Storch, welche auch zur Divi­sion MOL gezählt wer­den, mit nach Zwick­au. Auf ihrer Anreise waren die Berlin­er und Bran­den­burg­er Neon­azis maßge­blich an dem Angriff auf Antifaschist*innen auf dem Haupt­bahn­hof in Chem­nitz beteiligt. Bilder zeigen, dass Franz Schrandt und Erik Storch mit in dem Mob waren. Da sie in Zwick­au zusam­men mit Mal­wig Stel­ter anka­men, ist davon auszuge­hen, dass auch er bei dem angreifend­en Neon­azi-Mob dabei war. 
Mal­wig Stel­ter und Erik Storch beim Auf­marsch des III. Wegs in Zwickau
Mal­wig Stel­ter, Erik Storch und Franz Schrandt kom­men zusam­men mit den Berlin­ern in Zwick­au an, Quelle: Press­eser­vice Rathenow
Die Divi­sion MOL ist keine organ­isierte Gruppe, son­dern ein Neon­azi-Fre­un­deskreis, dessen Mit­glieder sich in Rich­tung unter­schiedlich­er Struk­turen ori­en­tiert haben. Der Ost­ber­lin­er Speck­gür­tel ist damit zu einem Nach­wuchs­beck­en für die Berlin­er Neon­azi-Szene gewor­den. Ins­beson­dere der III. Weg kann davon prof­i­tieren, seine AkteurIn­nen treten sehr selb­st­be­wusst auf und scheinen sich im Aufwind zu sehen. Es bleibt zu beobacht­en, ob noch mehr Jugendliche aus dem Berlin­er Umland ihren Weg dahin finden. 
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Antifaschismus

Division MOL — gewalttätige Nazis aus rechten Elternhäusern

Am 4.12.21 kam es in Berlin zu mehreren Angrif­f­en auf Journalist*innen. An dem Angriff beteiligt waren auch Akteure der Divi­sion MOL, unter anderem Franz Schrandt und Erik Storch. 

Die Divi­sion MOL ist eine Clique rechter Jugendlich­er, die in Märkisch-Oder­land in der S5-Region, in Berlin und auch darüber hin­aus unter­wegs ist. Die Gruppe beste­ht aus einem mobil­isierungs­fähi­gen Umfeld von bis zu 20 Per­so­n­en, das zwis­chen 14 und 20 Jahren alt ist. Ein erster Recherche-Artikel ist hier bere­its erschienen. Hier gibt es nun neue Infos und Erkenntnisse. 

Per­so­n­en und deren Einschätzungen
Der 15-jährige Thore Ondr­usch lebt in Peter­sha­gen und ist der Kopf der Gruppe.  Er besucht die Ober­schule Fred­er­s­dorf. Thore Ondr­usch ist mit­tler­weile beim III. Weg aktiv, pflegt aber auch Kon­tak­te zur NPD/JN in Berlin und zu Nazis aus Dort­mund und anderen Städten Darüber hin­aus knüpft er Kon­tak­te ins Hooli­gan-Milieu, so z.B. zu dem Hertha-Hool André Schlouns, der regelmäßig rechte Kundge­bun­gen und Demos besucht und als sehr gewalt­tätig gilt. Es ist davon auszuge­hen, dass Thore aus ein­er recht­en Fam­i­lie stammt.

v.l.n.r.: Mal­wig Stel­ter, Thore Ondr­usch und Franz Schrandt am 03.04.2021 in Berlin

Weit­er­hin wichtig in der Gruppe ist Franz Richard Schrandt, der ursprünglich aus Hoppe­garten kommt und nun eine Aus­bil­dung zum Dachdeck­er in Berlin-Köpenick macht. Dort lebt er bei sein­er Schwest­er Sarah Schrandt, die eben­falls extrem recht­es Gedankengut ver­tritt. Franz Schrandt ist gewalt­tätig war beteiligt an einem Über­griff auf Jugendliche auf dem Spielplatz Peter­sha­gen im Okto­ber 2020. Hier griffen die Nazis die nicht-recht­en Jugendlichen mit Pfef­fer­spray an, wobei min­destens eine Jugendliche ver­let­zt wurde. Franz Schrandt hat sich in Berlin ver­stärkt NPD-Struk­turen angenähert; so war er bei einem spon­ta­nen Auf­marschver­such der JN am 1. Mai 2021 am Alexan­der­platz in Berlin beteiligt. 

Franz Schrandt am 01.05.2021 bei einem Auf­marschver­such der NPD in Berlin

Mal­wig Stel­ter ist der Sohn des bekan­nten Neon­azis Andrew Ron Stel­ter. Er lebt bei sein­er Mut­ter in Peter­sha­gen nahe dem Bahn­hof Fred­er­s­dorf und geht auf die IB-Schule in Neuen­hagen. Sein Vater Andrew Stel­ter ist mit­tler­weile nach Straus­berg gezo­gen. Über seinen Vater ver­fügt Mal­wig Stel­ter über Kon­tak­te in die ältere Gen­er­a­tion von Neon­azis, so z.B. zu der extrem recht­en Band Exzess aus Straus­berg, der mit Tobias Vogt jemand mit Kon­tak­ten in das Ham­mer­skin-Net­zw­erk ange­hört. Mal­wig Stel­ter gilt als gewalt­tätig, wobei anzunehmen ist, dass er durch seinen Vater eine extrem rechte und autoritäre Erziehung abbekom­men hat. Beson­ders besorgnis­er­re­gend: Andrew Stel­ter ver­fügt über Schuss­waf­fen, zu denen zumin­d­est sein Sohn, wahrschein­lich aber auch andere Akteure der Divi­sion MOL, Zugang haben könnten.

Mal­wig Stel­ter (links) und Franz Schrandt am 28.08.2021 in Berlin
Mal­wig Stel­ter mit einem Shirt der Band “Exzess”
Andrew Ron Stelter
Mal­wig Stel­ter posiert mit ein­er Waffe
Ein  weit­eres Mit­glied der Gruppe ist Erik Storch. Er lebt in Berlin und kommt eben­falls aus ein­er Neon­azi-Fam­i­lie. Gemein­sam mit sein­er Mut­ter Ivonne Storch war er z.B. bei einem Info­s­tand des III. Wegs am 4.12.2021 in Berlin unter­wegs. Sein Vater Robert Storch fiel bere­its 2013 in Zusam­men­hang mit ein­er Recherche zur Neon­azi-Szene in Berlin-Buch auf, wo er sich im Umfeld des dama­li­gen Co-Train­ers der “Buch­er Ring­wölfe” Ben­no Atorf bewegte, der wiederum bekan­nte Buch­er Neon­azis trainierte. Robert Storch glänzte schon damals mit Post­ings wie “Krim­inelle Aus­län­der raus” oder “Ich bin stolz, Deutsch­er zu sein”. Wie es scheint, ist er mit diesen Ansicht­en in sein­er Fam­i­lie nicht allein.
Erik Storch beim Info­s­tand des III. Wegs in Berlin am 04.12.2021
Ivonne Storch am 04.12.2021 bei einem Info­s­tand des III. Wegs in Berlin
Erik Storch (links) und sein Vater Robert Storch
Erik Storch (in rot) am 21.04.2021 in Berlin.
Erik Storch (rechts)
Der in Mahls­dorf lebende Lion Zan­der besucht eben­falls die Lenné-Ober­schule und ist Teil der Divi­sion MOL. Wie die anderen gehört er zum eng­sten und extrem radikalisierten Kreis der Division. 
Lion Zan­der (rechts) und zwei weit­ere am 06.11.2021 auf der Quer­denker-Demo in Leipzig
v.l.n.r.: Erik Storch, Lion Zan­der, Thore Ondr­usch, (Name unbekannt)

Im Umfeld der Gruppe sind außer­dem Helia (Straus­berg), die bei der JN Berlin-Bran­den­burg aktiv ist, Brook­lyn (Hellers­dorf) Paul und Mau­rice (Peter­sha­gen) aktiv , deren Nach­na­men bish­er unbekan­nt sind.

Helia am 06.11.2021 auf der Quer­denker-Demo in Leipzig

Eine weit­ere rel­e­vante Per­son ist Sarah Schrandt, Franz Schrandts ältere Schwest­er. Sie lebt seit einiger Zeit in Berlin-Köpenick, ihr Brud­er ist für seine Aus­bil­dung zu ihr gezo­gen. Sarah Schrandt ist NPD-nah und ver­tritt extrem recht­es Gedankengut, da sie jedoch in ein­er Kita arbeit­et, ver­sucht sie nicht allzu sehr in die Öffentlichkeit zu ger­at­en. Es ist davon auszuge­hen, dass sie die Radikalisierung ihres Brud­ers zumin­d­est wohlwol­lend begleit­et, wenn nicht gar mit angestoßen hat. 

Verbindun­gen
Die Divi­sion ver­fügt trotz ihres jun­gen Alters über hochkarätige rechte Kon­tak­te, was zum einen auf die aktive Net­zw­erkar­beit von Thore Ondr­usch, zum anderen auf Neon­azi-Eltern wie Andrew Stel­ter zurück­zuführen ist. 

Sie ste­hen beispiel­sweise in engem Kon­takt mit dem III. Weg in Berlin. So nah­men Thore Ondr­usch, Franz Schrandt, Mal­wig Stel­ter und Erik Storch bere­its mehrmals an Infos­tän­den des III.Weg teil. Darüber sind sie in Kon­takt mit Sebas­t­ian Thom, Lilith Evler und auch dem neuen Parteivor­sitzen­des des III. Wegs aus der Uck­er­mark, Matthias Fis­ch­er. Dieser unter­hält gute Kon­tak­te in inter­na­tionale Neon­azi-Net­zw­erke. Ungek­lärt ist bis heute die Ver­bidung des III. Wegs zu zwei ver­suchten Bran­dan­schlägen auf ein alter­na­tives Haus­pro­jekt in Berlin Span­dau. 

Die Aufk­le­ber und Mate­ri­alien des III. Wegs sind in den Wohnge­gen­den der Divi­sion MOL sehr präsent.  III. Weg- Fly­er wur­den auch mehrmals am Ober­stufen­zen­trum Straus­berg aus­gelegt, und es ist davon auszuge­hen, dass Teile der Divi­sion am OSZ zur Schule gehen. Gerade die AkteurIn­nen des III. Wegs sind für ihre extrem dog­ma­tis­che Ide­olo­gie und Gewalt­bere­itschaft bekan­nt. Dieses Umfeld scheint zumin­d­est teil­weise zu erk­lären, warum die Jung­nazis der Divi­sion sich nicht mehr mit Aufk­le­ber kleben beg­nü­gen, son­dern mit­tler­weile zu gewalt­täti­gen Angrif­f­en überge­gan­gen sind.

Mit Andrew Ron Stel­ter, der auch beim III.Weg aktiv ist, haben die jun­gen Nazis einen erfahre­nen Men­tor. Seit ger­aumer Zeit trainiert Andrew Stel­ter die Jugendlichen in Kick­box­en, zunächst in sein­er Funk­tion als Train­er beim Straus­berg­er KSC, nach seinem Rauswurf ver­mut­lich pri­vat an anderen Orten.

Auszuge­hen ist auch von einem engen Kon­takt zu Chris­t­ian Schmidt, dem Leit­er der JN Berlin-Bran­den­burg. Dieser ist mut­maßlich­er Mit-Betreiber des Twit­ter-Accouns Aktions­blog Berlin-Bran­den­burg und eine zen­trale Fig­ur in der Neon­azi-Szene. Lange Jahre war er in Berlin-Buch aktiv, wo er (damals) junge Rechte um sich scharte. Heute ver­sucht er Ähn­lich­es mit den Jugendlichen der Division.

Aktio­nen
Neben unzäh­li­gen Sprühereien und Stick­er-Aktio­nen in der S5 Region ist die Divi­sion auch bun­desweit unter­wegs,  beispiel­sweise am 6.11.2020 mit JN-Fahne bei der Quer­denken-Demon­stra­tion in Leipzig oder bei der Neon­azi-Demo zum 13. Feb­ru­ar 2021 in Dresden.

Franz Schrandt und (Name unbekannt)
Franz Schrandt (Mitte, mit Son­nen­brille), Lion Zan­der (rechts daneben) und weit­ere am 06.11. in Leipzig

Mit­tler­weile ist die Divi­sion auch mehrfach durch gewalt­tätige Über­griffe aufge­fall­en Einer der ersten war sicher­lich der Pfef­fer­spray-Angriff auf andere Jugendliche im Okto­ber 2020 (s.o.).

Kurz danach, Anfang 2021, zer­störten sie den Gedenko­rt für Phan Văn Toản, der 1997 in Fred­er­s­dorf ermordet wurde. Sie entwen­de­ten eines der Gedenk-Trans­par­ente und posierten in Hooli­gan-Manier mit dem umge­dreht­en Trans­par­ent. Bei dieser Aktion trat die Gruppe zum bish­er einzi­gen Mal gemein­sam mit Andrew Stel­ter auf. Die Neon­azis schienen da bere­its über Kon­tak­te zu Chris­t­ian Schmidt zu ver­fü­gen, da ihre Aktion kurz danach auf den Kanälen des Aktions­blogs Berlin-Bran­den­burg gepostet wurde. 

Einen weit­eren Höhep­unkt stellt der Angriff von Franz Schrandt und Erik Storch auf Jour­nalist*innen am Rande eine Quer­denken-Demo am 4.12.21 in Berlin dar (s.o.).

Erik Storch (links) und Franz Schrandt greifen am 04.12.2021 in Berlin Journalist*innen an.
Mit­glieder der Divi­sion MOL am 04.12. in Berlin

Wie weit­er? 
Die Nazis der Divi­sion MOL sind sehr jung, aber sie sind gut ver­net­zt und zumin­d­est einige der Mit­glieder wer­den uns wohl eine Weile erhal­ten bleiben. Es ist stark davon auszuge­hen, dass zumin­d­est Thore Ondr­usch, Franz Schrandt, Mal­wig Stel­ter, Lion Zan­der und Erik Storch in der (Berlin­er) Neon­azi-Szene aktiv bleiben wer­den. Es lohnt sich also, sie im Auge zu behalten. 

Die Aktio­nen zeigen eine deut­liche und sehr schnelle Radikalisierung der Divi­sion und die Gefahr, die von ein­er Gen­er­a­tion aus­geht, deren Eltern knall­harte Neon­azis sind. Hier ist auf wenig Ein­sicht zu hof­fen. Das in Kom­bi­na­tion mit der guten Ver­net­zung mit bekan­nten Neon­azi-Kadern und dem Box­train­ing zeigt, dass die Angriffe auf Journalist*innen noch nicht das Ende des Aktion­sspek­trums der Divi­sion sind.

Meldet Infos zur Neon­azi-Grup­pierung Divi­sion MOL und ihren AkteurInnen an eure lokale Antifa: recherche-division-mol@riseup.net. Vie­len Dank für eure Hinweise!

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Antifaschismus

Aktive Neonazi-Jugendgruppe „Division MOL

Dieser Artikel doku­men­tiert den Stand der Recherche im Som­mer 2021. Seit­dem gibt es einige neue Erken­nt­nisse, die hier in einem Fol­geartikel erschienen sind. 

Seit Anfang 2020 kommt es im S‑Bahnbereich der S5 zwis­chen Neuen­hagen und Straus­berg ver­stärkt zu dem Auf­tauchen rechter Stick­er und Sprühereien bis hin zu einem Angriff auf andere Jugendliche. Die ver­ant­wortliche Gruppe ist gefährlich und erfol­gre­ich dabei, Net­zw­erke ins neon­azis­tis­che Milieu in Berlin-Bran­den­burg zu knüpfen – genau­so wie in die AfD. Trotz des jun­gen Alters der Akteure (von 14 Jahren bis Anfang 20) sind diese nicht als harm­lose Jugend­clique zu unterschätzen.


Divi­sion MOL – Von recht­en Stick­ern über organ­isierte Aktio­nen hin zum III. Weg 
Der „harte Kern“ der Divi­sion MOL bestand bis zum Herb­st 2020 aus Mal­wig Stel­ter (Jahrgang 2004), Franz
Richard Schrandt, Lion Zan­der, Erik Storch und Thore Ondr­usch. Es ist davon auszuge­hen, dass noch mehr Per­so­n­en unter der Beze­ich­nung agieren und es ein dynamis­ches Unter­stützerum­feld gibt. Erste Aktio­nen im Raum Peter­sha­gen trat­en bere­its im Jan­u­ar 2020 auf. Kurz nach­dem sich die Ober­schule, die am Peter­sha­gen­er Bahn­hof gele­gen ist, der Ini­tia­tive „Schule ohne Ras­sis­mus – Schule mit Courage“ anschloss, wur­den im Umfeld der Schule rechte Sprayereien ent­deckt (siehe Chronik rechter Vor­fälle in Märkisch Oder­land). Die Schmier­ereien über Runen, Hak­enkreuze und Schriftzüge wie „FCK ANTIFA“ häuften sich. Bis min­destens Novem­ber hat­te die Gruppe einen eige­nen Insta­gram-Account, dieser ist mit­tler­weile inak­tiv. Der Account hat­te mehr als 170 Abonnent*innen, darunter viele AfD- und NPD- Accounts oder neon­azis­tis­che Kad­er. Dort postete die Divi­sion nicht nur eigene Stick­er-Aktio­nen, son­dern auch Fotos mit ein­er Fahne der Jun­gen Nation­al­is­ten bei der großen Quer­denken-Demo am 7.11.2020 in Leipzig. Bei der Demon­stra­tion mit mehreren zehn­tausend Teil­nehmenden kam es zu gewalt­täti­gen Auss­chre­itun­gen durch Schwurbler*innen und Neon­azis. Am 31.01.21, im Nach­gang ein­er Gedenkkundge­bung für den von Ras­sis­ten tot­geprügel­ten Phan Văn Toản in Fred­er­s­dorf, zer­störte die Divi­sion MOL Blu­men, Schilder und ein Trans­par­ent. Mit dem umge­dreht­en Trans­par­ent posierten sie in Hooli­gan-Manier für ein Foto, welch­es später auf dem Twit­ter-Account der JN Berlin-Bran­den­burg veröf­fentlicht wurde. Die Divi­sion MOL beteiligte sich mit den Jun­gen Nation­al­is­ten Berlin-Bran­den­burg an der bun­desweit­en geschicht­sre­vi­sion­is­tis­chen Aktion “Gedenk Dres­den” im Feb­ru­ar 2021. Auch hier erfol­gten immer wieder Veröf­fentlichun­gen auf den Social-Media Accounts der JN-Berlin-Bran­den­burg. Nicht nur in Bran­den­burg, auch in Berlin fällt die jugendliche Naz­i­clique auf. So waren sie in Begleitung des Marzah­n­er Nazi-Hools André Schlouns am 20.03.2021 beim Auf­marsch von Neon­azis und Hooli­gans auf dem Platz des 18. März vertreten (https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/51058296388/in/album-72157718731325468). Gemein­sam mit Schlouns waren sie am 03.04.2021 auch bei der ver­schwörungside­ol­o­gis­chen Kundge­bung „Frei­heit ist nicht ver­han­del­bar“. (https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/51093858217/in/album-72157718845985513/, https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/51093842119/in/album-72157718845985513/, https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/51093764156/in/album-72157718845985513/, https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/51094571950/in/album-72157718845985513/)

 

Thore Ondr­usch (Mitte) und Franz Schrandt beim Auf­marsch am 20.03.21
v.l.n.r.: Mal­wig Stel­ter, Erik Storch und Franz Schrandt beim Auf­marsch am 03.04.2021
Franz Schrandt (links) und Thore Ondr­usch (rechts) am 03.04.2021
Die Divi­sion MOL, v.l. Thore Ondr­usch, Franz Schrandt, Erik Storch, Mal­wig Stel­ter, André Schlouns, am 03.04.2021
André Schlouns am 03.04.2021

Gle­ichzeit­ig ist Schlouns mit­tler­weile aktiv­er Teil der Free­dom Parade Berlin um Michael Brün­del und nimmt an deren Aufzü­gen teil, sowie er auch aktiv im Telegram-Kanal der Gruppe kom­mu­niziert. Es ver­wun­dert daher nicht, dass sich die jun­gen Nazis dann auch am 24.04.2021 auf ein­er Parade aus diesem Umfeld wieder­fan­den, zu deren Insze­nierung es gehört, den antifaschis­tis­chen Gegen­protest als Nazis zu beschimpfen, während man selb­st mit Nazis demon­stri­ert (siehe https://www.flickr.com/photos/paulhanewacker/51157153550/in/album-72157719086473843/ und https://twitter.com/FriedensWatch/status/1386024690553077760).

Mal­wig Stel­ter (links) und Erik Storch beim Auf­marsch am 24.04.2021

André Schlouns kommt aus dem hoch gewalt­täti­gen Umfeld von Enri­co Schottstädt, dem Grün­der der Berlin­er Gruppe „Bünd­nis Deutsch­er Hools“ (BDH) und war von 2015 bis 2018 regelmäßig Teil der Aufmärsche von Bärgi­da und “Wir für Deutsch­land (WfD)”.

Während Franz Schrandt, der mit­tler­weile von Münchehofe nach Trep­tow-Köpenick gezo­gen ist, weit­er­hin die Nähe zur JN hält (er war beispiel­sweise Teil von deren Spon­tandemon­stra­tion am 1. Mai 2021 auf dem Alexan­der­platz), suchen die anderen die Nähe zur neon­azis­tis­chen Kle­in­st­partei III. Weg. Neben Plakati­er- und Fly­er­ak­tio­nen in und um Straus­berg, engagieren sich unter anderem Thore Ondr­usch und Mal­wig Stel­ter auch bei Infos­tän­den, zum Beispiel im April in Berlin-Marzahn vor der East­gate-Cen­ter sowie am 12. 06.2021 vor dem Lin­den Cen­ter am Pre­row­er Platz (https://twitter.com/antifanordost/status/1403644952937209858). Damit befind­en sie sich in direk­tem Kon­takt mit der Span­dauer Neon­azistin Lilith Efler sowie mit Sebas­t­ian Thom, Ver­ant­wortlich­er für die Bran­dan­schläge im Neukölln-Kom­plex. Bei den Eltern­häusern nichts Ungewöhn­lich­es, haben wir es doch sowohl bei Thore Ondr­usch als auch bei Mal­wig Stel­ter mit jun­gen Nazis der zweit­en Gen­er­a­tion zu tun. Stel­ter geht auf die Ober­schule in Neuen­hagen in Träger­schaft des Inter­na­tionalen Bun­des (IB). Sein Vater Andrew Ron Stel­ter war bere­its in den Neun­ziger Jahren in der „Nation­al­is­tis­chen Front“ und der NPD aktiv und ist bre­it inner­halb der bun­desweit­en Naziszene ver­net­zt. Er ist seit Jahren regelmäßig Teil von neon­azis­tis­chen Aufmärschen und wurde 2020 immer wieder auch bei den Coro­n­aprotesten gese­hen. Am 03.10.2020 war der Vater Stel­ter auch beim Auf­marsch des III. Weg in Berlin-Hohen­schön­hausen dabei. Auch bei Thore Ondr­usch ist davon auszuge­hen, dass seine Fam­i­lie neon­azis­tisch geprägt ist. Sowohl die JN als auch der III. Weg üben sich in aktiv­er Jugen­dar­beit. Mit gemein­samen Wan­derun­gen, Sport­pro­gramm und poli­tis­chen Aktio­nen bieten sie eine rechte Lebenswelt, die Jugendliche enger an sie binden soll. Bei der Divi­sion MOL offen­sichtlich mit Erfolg. 

Im Umfeld der Divi­sion MOL bewegte sich San­jay Sklarek. 2020 tauchte er dann bei mehreren AfD-Ver­anstal­tun­gen auf, seit Anfang 2021 wurde er allerd­ings nicht mehr bei recht­en Ver­anstal­tun­gen gesehen.

Nazis ernst nehmen – Betrof­fene schützen 
Die Divi­sion MOL ist kein los­er Zusam­men­schluss rechter Jugendlich­er. Vielmehr entstam­men sie auch dank früher Erziehung in entsprechen­den Fam­i­lien­zusam­men­hänge, ein­er gefes­tigten neon­azis­tis­chen Szene und haben mit den Kon­tak­ten zu JN, III. Weg und Nazi-Hooli­gans die besten Voraus­set­zun­gen, die näch­ste Gen­er­a­tion gewalt­tätiger Neon­azis zu stellen. Dies bedeutet eine direk­te Bedro­hung für alle, die nicht in ihr neon­azis­tis­ches Welt­bild passen, ob in Bran­den­burg, Berlin oder anderswo.

Lasst sie uns stop­pen, bevor es zu spät ist. 

Mis­cht euch ein und meldet Infos zur Neon­azi-Grup­pierung Divi­sion MOL und ihren Akteuren an eure lokale Antifa: recherche-division-mol@riseup.net

Kein Platz für Faschis­mus, kein Raum der Divi­sion MOL!

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Sonstiges

Themar (TH): Konsolodierung durch Musik — das Neonazi-Konzert aus Brandenburger Perspektive

Einchecken in Themar: Auch Brandenburger, wie NPD Landesorganisationsleiter Michel Müller (Mitte, mit Sonnenbrille), nahmen Rechtsrock-Großevent teil (Foto: Lukas Beyer)
Eincheck­en in The­mar: Auch Bran­den­burg­er, wie NPD Lan­des­or­gan­i­sa­tion­sleit­er Michel Müller (Mitte, mit Son­nen­brille), nah­men Recht­srock-Großevent teil (Foto: Lukas Beyer)

 
Am ver­gan­genen Sam­stag fand im thüringis­chen The­mar ein Tre­f­fen von unge­fähr 6.000 Neon­azis statt. Die Ver­anstal­tung war von einem lokalen NPD Funk­tionär als öffentliche Ver­samm­lung angemeldet wor­den, hat­te aber, wie das Mot­to: „Rock gegen Über­frem­dung II“ schon offen­bart, eher den Charak­ter eines Szenekonz­ertes.  Zwar sollen auch mehrere „Poli­tik­er“ ver­schieden­er Neon­azi-Parteien auch Rede­beiträge gehal­ten haben, jedoch dürfte der größte Teil des Pub­likums wegen den angekündigten Auftrit­ten szenebekan­nter Recht­srock Bands, darunter „Stahlge­wit­ter“, „Lunikoff Ver­schwörung“, „Sleip­nir“ und „Uwocaust“, angereist sein.
Neon­azis­tis­ches Milieu aus Bran­den­burg vertreten
Die Teil­nehmenden kamen aus dem gesamten Bun­des­ge­bi­et und aus dem nahen europäis­chen Aus­land. Unter den Ver­samm­lungs­gästen waren auch viele Neon­azis aus Bran­den­burg. Auf Fotos von Beobach­t­en­den sind vor allem bekan­nte Szene-Akteure aus den kre­is­freien Städten Pots­dam und Bran­den­burg an der Hav­el sowie den Land­kreisen Prig­nitz, Ost­prig­nitz-Rup­pin, Havel­land, Pots­dam-Mit­tel­mark, Elbe-Elster und Spree-Neiße erkennbar. Der Großteil dieser Per­so­n­en gilt als Sym­pa­thisierende der NPD und ihr naher Label, wie den „Freien Kräften Prig­nitz“ oder den „Freien Kräften Neu­rup­pin-Osthavel­land“. Auf­fäl­lig war auch eine größere Gruppe Neon­azis, die  T‑Shirts mit dem Bran­den­burg­er Ort­sna­men „Fin­ster­walde“ tru­gen, wobei die Buch­staben „NS“ beson­ders her­vorge­hoben waren.
Bemerkenswertester Teil­nehmer aus Bran­den­burg war aber der erst­mals seit März 2016 wieder öffentlich aktive Rathenow­er Michel Müller, der im Lan­desvor­stand der NPD für den Bere­ich Organ­i­sa­tion zuständig ist. Er war mit drei weit­eren Per­so­n­en aus Rathenow, Nennhausen und dem Prem­nitzer OT Döberitz angereist, die, laut einem Schreiben des Bran­den­burg­er Innen­min­is­teri­ums, der offiziell „aufgelösten“ Kam­er­ad­schaft „Hauptvolk“ (Vere­insver­bot April 2005) ange­hörten. Müller gehörte, laut Min­is­teri­um, eben­falls dieser Organ­i­sa­tion an. Aktuell nimmt er, neben sein­er NPD inter­nen Funk­tion, auch zwei Man­date in Kom­mu­nal­par­la­menten in der Stadt Rathenow und im Land­kreis Havel­land war.
Eine ähn­liche kom­mu­nalpoli­tis­che Funk­tion hat der  Belziger André Schär, der am Sam­sta­gnach­mit­tag eben­falls in The­mar zu sehen war. Der NPD Funk­tionär ist Stad­trat in Bad Belzig und Kreis­rat im Land­kreis Potsdam-Mittelmark.
Weit­ere bekan­nte Poli­tak­teure, die am Konz­ert in The­mar teil­nah­men waren Markus N. aus Guben (ehe­ma­liger NPD Kom­mu­nalpoli­tik­er), der Witt­stock­er Ron­ny S. (Ver­anstal­ter mehrerer Aufmärsche im Raum Witt­stock-Pritzwalk) und Pad­dy B. aus Pots­dam (Sym­pa­thisant freier Kräfte sowie des „III. Weges“). Zudem soll Matthias Fis­ch­er aus Tem­plin („Gebi­et­sleit­er Mitte“ vom „III. Weg“) als Red­ner aufge­treten sein.
Außer­dem in The­mar anwe­send: Sascha L. aus Bran­den­burg an der Hav­el. Der Neon­azi saß sieben Jahre wegen Totschlag im Gefäng­nis. Er hat­te im Feb­ru­ar 1996 einen Punk in Bran­den­burg an der Hav­el zu Tode geprügelt.
Aus der neon­azis­tis­chen Musik­machen­den­szene war darüber hin­aus der Rathenow­er Lie­der­ma­ch­er Thomas Lange alias „Toiton­i­cus“ anwe­send. Außer­dem trat die Pots­damer Band „Uwocaust“ mit Sänger Uwe Men­zel, einem Haup­tak­teur der Bran­den­burg­er Recht­srock Szene, in The­mar auf.
Recht­srock als gemein­same Schnittstelle und Finanzspritze
Die deut­liche Präsenz Bran­den­burg­er Neon­azis auf der Konz­ertver­anstal­tung am 15. Juli 2017 in Thürin­gen scheint Annah­men zu bestäti­gen, dass sich die Szene in Bran­den­burg durch Recht­srock­events wieder kon­so­li­diert. Dafür spricht ein hoher Anteil von Konz­ert­teil­nehmenden, die zum Teil seit Jahren an der Organ­i­sa­tion von poli­tis­chen Ver­samm­lun­gen, ins­beson­dere im West­en Bran­den­burgs beteiligt waren. Diese Per­so­n­en bzw deren Struk­turen waren in den Vor­monat­en weit­ge­hend inaktiv.
Hin­ter­grund der zeitweisen Inak­tiv­ität kön­nten die Verurteilun­gen einiger bedeu­ten­der Aktive, beispiel­sweise der „Nauen­er Zelle“, und das Ver­bot der „Weisse Wölfe Ter­ror­crew“, aber auch die zeitweise starke Zugkraft von rechtsmo­tivierten Ver­samm­lun­gen der Bran­den­burg­er AfD oder PEGI­DA-ähn­liche Organ­i­sa­tio­nen im Land sein. Darüber hin­aus spiegel­ten sich im neon­azis­tis­chen Milieu aber auch die bun­desweit spür­baren Spal­ter­schei­n­un­gen, im Zuge des NPD Ver­botsver­fahrens sowie in der Mil­i­tanzde­bat­te wider. Neue Neon­azi-Parteien, wie „Die Rechte“ und „Der III. Weg“ trat­en in Konkur­renz zu den bish­er dominieren­den Nation­aldemokrat­en auf. Des Weit­eren reor­gan­isierte sich mit dem „Antikap­i­tal­is­tis­chen Kollek­tiv“ eine Struk­tur „Autonomer Nation­al­is­ten“, die durch kämpferische Aktio­nen auf Ver­samm­lun­gen eben­falls für Spal­tungs­de­bat­ten sorgten.
In The­mar trat das bun­desweit aktive neon­azis­tis­che Milieu am ver­gan­genen Woch­enende allerd­ings wieder erstaunlich geschlossen und kon­so­li­diert auf. Hochrangige Funk­tionäre oder Akteure aus NPD, „Die Rechte“, „Der III. Weg“, aus dem „antikap­i­tal­is­tis­chen Kollek­tiv“ sowie dem Thüringer PEGI­DA-Ableger THÜGIDA sollen, gemäß Pro­gramm, Rede­beiträ­gen auf ein­er gemein­samen Bühne gehal­ten haben. Sie alle einte offen­bar die Iden­ti­fizierung mit dem vielfach als „sub­kul­turell“ ver­harm­losten Recht­srock. Ein­er Par­al­lel­welt, dessen frühere Akteure, maßge­blich den „Nation­al­sozial­is­tis­chen Unter­grund“ (NSU) durch Logis­tik und Finanzen, die sie mut­maßlich aus ihren Ressourcen: Konz­erte, Ton­trägerver­trieb, Mer­chan­dise oder der Verteil­er­struk­tur schöpften, unter­stützt hatten.
Auch heute dürfte es im Recht­srock vor allem um die Akquirierung von Finanzmit­teln zu gehen, auch über das pri­vate Geschäftsin­ter­esse hin­aus. Soll­ten die Geset­ze näm­lich tat­säch­lich dahinge­hend geän­dert wer­den, dass Parteien mit erwiesen ver­fas­sungs­feindlich­er Pro­gram­matik keine staatlichen Finanzmit­tel mehr zu Gute kom­men, wer­den Konz­erte, wie in The­mar, wahrschein­lich die einzige Ein­nah­me­quelle für neon­azis­tis­che Parteien sein. Insofern ist bun­desweit mit ein­er Etablierung oder Steigerung solch­er Ver­anstal­tun­gen zu rechnen.
Beispiele für Bran­den­burg­er Neon­azis in The­mar (Fotos von Beobachtenden):
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Uckermark/Templin: III. Weg markierte Revier

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Der bun­desweit aktive, neon­azis­tis­che „dritte Weg“ führte am Sam­stag mehrere Aktio­nen im nord­bran­den­bur­gis­chen Land­kreis Uck­er­mark durch. Schw­er­punkt der Aktiv­itäten des dor­ti­gen Parteistützpunk­tes war ein Auf­marsch in der Kle­in­stadt Tem­plin. Weit­ere Aktio­nen soll es, Polizeiangaben zu folge, auch in Pren­zlau, Schwedt und Anger­münde gegeben haben.
Auf­marsch in Templin
An der Demon­stra­tion des „drit­ten Weges“ in Tem­plin beteiligten sich unge­fähr 40 Per­so­n­en, die größ­ten­teils aus Bay­ern und Sach­sen sowie vere­inzelt aus Berlin und augen­schein­lich auch aus Rhein­land-Pfalz zugereist waren. Von den bekan­nten Bran­den­burg­er Funk­tionären der Partei war jedoch lediglich der so genan­nte „Gebi­et­sleit­er Mitte“, Matthias Fis­ch­er, vor Ort.
Der Aufzug des „III. Weges“ startete gegen 15.10 Uhr vor den Toren der mit­te­lal­ter­lichen Stadt­be­fes­ti­gung Tem­plins, auf einem Park­platz in der Oberen Müh­len­straße Ecke Heines­traße,  und führte zum barock­en Mark­tensem­ble in der Innen­stadt. Dort hielt die Partei eine Zwis­chenkundge­bung mit zwei Rede­beiträ­gen vor dem his­torischen Rathaus der Stadt ab. Die Reden wur­den von Matthias Fis­ch­er und dem „stel­lvertrete­nen Gebi­et­sleit­er Mitte“, Toni Gentsch aus Plauen, gehalten.
Bei der Gestal­tung ihres Auf­marsches legte der „dritte Weg“ offen­bar vor allem auf einen rel­a­tiv straff organ­isierten, pathetisch insze­nierten Auftritt wert. So zogen die Teil­nehmenden der Ver­samm­lung in Zweier­rei­hen sowie etlichen Fah­nen und Plakat­en durch die Stadt.
Entsprechend dem Ver­anstal­tungsmot­to: „Über­frem­dung stop­pen – Heimat bewahren“ posi­tion­ierte sich der „III. Weg“ haupt­säch­lich zum The­ma: „Asyl“. Während der Zwis­chenkundge­bung auf dem Mark­t­platz wurde aber auch wieder ein Plakat mit der Parole: „Arbeit adelt“ gezeigt. Diesen Slo­gan benutzte u.a. auch der seit 1945 ver­botene, nation­al­sozial­is­tis­che  „Reich­sar­beits­di­enst (RAD)“ als Erkennungszeichen.
Pro­fil­ierung gegen die Konkur­renz im eige­nen Milieu
Die Stadt Tem­plin scheint für den III. Weg von beson­derem Inter­esse zu sein. Möglicher­weise nicht nur weil dessen „Gebi­et­sleit­er Mitte“ dort geboren wurde, son­dern möglicher­weise weil dort auch die Konkur­renz von der NPD um Anhänger­schaft buhlt. Bere­its im März des ver­gan­genen Jahres sollen die neon­azis­tis­chen „Nation­aldemokrat­en“  beispiel­sweise eine Kundge­bung mit 60 Sym­pa­thisieren­den in der uck­er­märkischen Kle­in­stadt durchge­führt haben. Der „III. Weg“ kam eine Woche später „lediglich“ auf eine Per­so­n­en­stärke zwis­chen 40 und 50.
Anders nun die Sit­u­a­tion in 2017. In diesem Jahr sagte die NPD eine zunächst für den 16. Juni 2017 geplante Kundge­bung ersat­z­los ab, so dass sich der „III. Weg“ im lokalen, milieuin­ter­nen Rank­ing nun schein­bar deut­lich­er pro­fil­ieren kon­nte. Allerd­ings aber eben nur mit der mas­siv­en Unter­stützung aus anderen Bundesländern.
Über­re­gion­al spielte die 40 köp­fige Demon­stra­tion des drit­ten Weges in Tem­plin am Sam­stag jedoch inner­halb des neon­azis­tis­chen Milieus so gut wie keine Rolle. Die Haup­tat­trak­tion für Neon­azis war an diesem Tag ver­mut­lich eher das NPD-nahe Recht­srock-Event „Rock für Deutsch­land“ in Gera (Thürin­gen). An dieser Konz­ertver­anstal­tung sollen bis zu 800 Per­so­n­en teilgenom­men haben. Des weit­eren führte das „Pro Deutschland“-nahe extrem rechte Aktions­bünd­nis „Wir für Deutsch­land“ in Berlin einen Aufzug mit unge­fähr 500 Teil­nehmenden durch.
Weit­ere Fotos aus Tem­plin: hier

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