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Die Lausitz23 – eine Übersicht

AKTION

4. Feb­ru­ar 2019: Die Bag­ger ste­hen still: Aktivist*innen von Ende Gelände & Robin Wood beset­zen in der Früh mehrere Bag­ger in den Kohlere­vieren Lausitz und im Leipziger Land. Darunter die Lausitz23 in den Tage­bauen Wel­zow Süd und Jän­schwalde. Die Beset­zung ist Teil ein­er Aktionswoche für den sofor­ti­gen Kohleausstieg und damit gegen den Abschluss­bericht der Kohlekommission.

FESTNAHME&GESA

Sämtliche Aktivist*innen wer­den von der Polizei geräumt und zur Iden­titäts­fest­stel­lung auf Polizeiprä­si­di­en gebracht. Sie mussten sich mehrfach nackt ausziehen. Vie­len Aktivist*innen wur­den die Tele­fo­nan­rufe ver­weigert. In der Lausitz wur­den einige Men­schen unter anderem über fünf Stun­den lang in gepark­ten, unge­heizten Fahrzeu­gen in Hand­fes­seln ohne Wass­er oder Tele­fon­möglichkeit fest­ge­hal­ten. Trotz teil­weise Durch­fall und Peri­ode wurde der Zugang zu Toi­let­ten ver­weigert. Im Gewahrsam wurde Men­schen die medi­zinis­che Behand­lung ohne die Angaben der Per­son­alien ver­weigert. Nach ihrer Ent­las­sung berichteten mehrere der Freige­lasse­nen über erfahrene Polizeige­walt in Form von Schlä­gen und Tritten.

Grüne und Linke fordern eine Aufar­beitung der Polizeimaß­nah­men im Recht­sauss­chuss des Bran­den­burg­er Land­tages: LINK zum Zeitungsbericht.

VORFÜHRUNG VOR DIE ZUSTÄNDIGE HAFTRICHTERIN

5. Feb­ru­ar 2019: Die Lausitz23 wer­den zwis­chen 14 und 23 Uhr der zuständi­gen Haftrich­terin vorge­führt. Unter­suchung­shaft bei leichteren Tat­en nach § 113 StPO wird ange­dro­ht: Der Tatvor­wurf Haus­friedens­bruch nach § 123 StGB ste­ht im Raum. Haft­grund ist Flucht­ge­fahr, da die Per­son­alien nicht bekan­nt sind. 5 Per­so­n­en geben ihre Per­son­alien an und wer­den ent­lassen. Draußen warten über 20 sol­i­darische Men­schen auf die Freige­lasse­nen, um sie in Emp­fang zu nehmen.

Ins­ge­samt 18 Per­so­n­en ver­weigern vor­erst weit­er­hin Angaben zur Per­son wer­den noch in dieser Nacht in JVAs überführt.

Pressemit­teilung von Ende Gelände: LINK

Zusam­men­fas­sung im neuen deutsch­land: LINK (Im Artikel wird fälschlicher­weise der Vor­wurf des Land­friedens­bruchs angegeben, der Vor­wurf lautet aber Hausfriedensbruch.)

UNTERSUCHUNGSHAFT&ENTLASSUNGEN

6. — 8. Feb­ru­ar 2019: Die 18 Men­schen, die die Angabe ihrer Per­son­alien ver­weigert haben, sind auf die JVAs Bran­den­burg (Hav­el), Luck­au-Duben und Cot­tbus-Dissenchen aufgeteilt. 15 Per­so­n­en geben am 6. und 7. Feb­ru­ar ihre Per­son­alien an. Bei der Vor­führung vor die zuständi­ge Haftrich­terin am Tag zuvor war es noch möglich gewe­sen, die Per­son­alien mündlich anzugeben, um frei zu kom­men. Nun ord­net die Rich­terin an, dass die Polizei jede Per­son mit ihrem* Per­son­alausweis abgle­icht und in ihren Daten­banken über­prüft. Die Bürokratie ver­langte dann die Aufhe­bung des Haft­be­fehls durch die zuständi­ge Rich­terin sowie deren Bestä­ti­gung per Fax an die jew­eili­gen JVAs, so dass die Per­so­n­en erst mehr als 24 Stun­den nach der Angabe ihrer Per­son­alien frei gelassen werden.

Artikel im neuen deutsch­land zur U‑Haft: LINK

STANLEY, NONTA & VINCENT

8.Februar 2019: Von den Lausitz23 bleiben am Fre­itag Abend nach wie vor 3 Aktivis­ten anonym und damit in Unter­suchung­shaft. Der erste Brief von Stan­ley, Non­ta und Vin­cent aus der Haft ist hier zu finden.

14. Feb­ru­ar 2019: Die Lausitz3 sind nun seit über ein­er Woche gefan­gen und warten auf die Hauptver­hand­lung. Hier soll der Vor­wurf Haus­friedens­bruch geprüft wer­den. Laut Staat­san­waltschaft Cot­tbus wird diese ein beschle­u­nigtes Ver­fahren nach § 417 StPO beantra­gen, so dass die Ver­hand­lung in der näch­sten Woche zu erwarten ist. Juris­tis­che Hin­ter­gründe dazu fol­gen eventuell.

Die Gefan­genen erfahren seit Beginn ihrer Inhaftierung viel Unter­stützung von außer­halb der Gefäng­nis­mauern. Die Unterstützer*innen ste­hen u.a. tele­fonisch mit den dreien in Kon­takt. Auch die ersten Briefe sind mit­tler­weile angekom­men, die Gefan­genen freuen sich über weitere.

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Antifaschismus

Braune Laubenpieper im internationalen Neonazimilieu

In Rathenow unter­hal­ten lokale Unter­stützer der Neon­azior­gan­i­sa­tion „Ham­mer­skins“ eine Immo­bilie. Laut Innen­min­is­teri­um Bran­den­burg find­en dort Szen­e­tr­e­f­fen statt. Nun wurde bekan­nt, dass Per­so­n­en aus diesem Umfeld am so genan­nten „Tag der Ehre“, einem inter­na­tionalen Gedenken an SS Ange­hörige in #Budapest mitmarschierten.

Sturm­lokal in Kleingartenidylle

Inmit­ten dieser Idylle für Spätherb­stro­man­tik­er find­et sich an einem Zaun­tor ein war­nen­des Hin­weiss­child. „Betreten ver­boten – Lebens­ge­fahr“ ist dort in deutsch­er und türkisch­er Sprache zu lesen. Hin­ter dem Zaun, so ist es durch die Stäbe der Ein­friedung erkennbar, befind­et sich ein langgestreck­tes Grund­stück, welch­es sich in Park­fläche, Bebau­ung und Frei­fläche gliedert. Im Zen­trum befind­et sich ein ursprünglich als Garten­laube genutztes Objekt, dass mit schw­eren Eisen­bahn­schwellen aus Stahlbe­ton einge­friedet ist. Ein Armee-Tarn­netz ist erkennbar, eben­so wie die Bran­den­burg­er Lan­des­flagge, die durch die Maschen leuchtet.

Das Objekt an der Rhi­now­er Land­straße ist bekan­nt in Rathenow. Seit 2004 sind dort regelmäßig Neon­azis zu unter­schiedlichen Anlässen zuge­gen. Allerd­ings dürfte es dabei sel­ten um den Erfahrungsaus­tausch im Kul­tivieren von Kle­ingärten gehen. Szeneken­ner berichteten, dass die Garten­laube bere­its vor Jahren zu ein­er Art „Sturm­lokal“ umge­baut wurde.

Damals hat­te die neon­azis­tis­che Kam­er­ad­schaft „Sturm 27“ hier ihren Sitz. Fotos aus dieser Zeit zeigen Neon­azis im Kam­er­ad­schafts­dress und T‑Shirts, auf denen Hak­enkreuze abge­bildet sind. An den Tis­chen und am Bartre­sen im Laubenin­neren drängten sich zudem orts­bekan­nte Nazi-Skins, die zum Hit­ler­gruß posierten.

Die Kam­er­ad­schaft „Sturm 27“ wurde zwar im April 2005 ver­boten, das „Sturm­lokal“ blieb jedoch offen. Die NPD bzw. deren im Juli 2005 gegrün­de­ter Ortsver­band Rathenow nutzen nun die Immo­bilie. Unter anderem wur­den dort mehrere „Kinder­feste“ der Partei veranstaltet.

Verbindun­gen ins inter­na­tionale Rechtsrockbusiness

2018 Crew 38 Auto
Ver­steck­spiel in Rathenow: Die „38“ ist ein Zahlen­code für Unter­stützer des inter­na­tionalen Neon­azinet­zw­erkes „Ham­mer­skins“. Mit „Garten of Hate“ ist die Garten­laube in Rathenow-Nord gemeint, die als Stützpunkt fungiert.

Nach­dem das Grund­stück viele Jahre kaum Beach­tung fand, scheint das Bran­den­burg­er Innen­min­is­teri­um das Objekt wieder im Visi­er zu haben. Dies geht aus ein­er Antwort auf eine par­la­men­tarischen Anfrage der Partei Die.LINKE her­vor. Neon­azis­tis­che Ver­anstal­tun­gen sollen auf dem Are­al stattge­fun­den haben und Neon­azis aus diesem Spek­trum inter­na­tionale Kon­tak­te knüpfen.

Der Bran­den­burg­er Ver­fas­sungss­chutzbericht von 2017 erwäh­nte beispiel­sweise  in diesem Zusam­men­hang einen „Lieder­abend“ mit 50 Teil­nehmenden, in dessen Rah­men auch das Musikpro­jekt „Flak“ in Rathenow auftrat.

Die For­ma­tion um den Neon­azi Philipp Neu­mann aus Rhein­land ist im Milieu für ihren gitar­ren­be­gleit­eten Lied­vor­trag, vor allem aber wegen der ein­schlägi­gen Texte bekan­nt. Auf dem ersten, mit­tler­weile indizierten Album „Feuer­taufe“ find­en sich beispiel­sweise Liedti­tel wie „AJAB“ („all jews are bas­tards“) oder „Alle Ver­räter wer­den hängen“.

Flak“ und dessen Mit­glieder sind im inter­na­tionalen Recht­srock­geschäft tätig, trat­en u.a. bei Konz­erten in Frankre­ich und in der Schweiz auf. Die Band soll zum Naziskin-Net­zw­erk der 1986 in den USA gegrün­de­ten „Ham­mer­skin Nation“ gehören. Deren Sym­bol sind zwei gekreuzte Häm­mer. Die englis­che Beze­ich­nung „crossed ham­mers“ bzw. die Anfangs­buch­staben „C“ und „H“ wer­den mit den Zahlen „3“ und „8“ als „38“ codiert. Die Unter­stütze­ror­gan­i­sa­tion der „Ham­mer­skins“ nen­nt sich dementsprechend „Crew 38“. Auch Flak-Sänger Philipp Neu­mann wird dazugerech­net. Auf einem Foto im Social­me­dia trägt er ein T‑Shirt mit dem Auf­druck „Crew 38“.

Der Zahlen­code „38“ find­et in Rathenow eben­falls Anwen­dung. Akteure aus der Immo­bilie an der Rhi­now­er Land­straße nutzen es als Erken­nungsze­ichen an PKW-Num­mern­schildern. Auf einem Fahrzeug eines Aktiv­en der „Crew 38“ find­et sich auch eine Auf­schrift mit direk­tem Bezug zur Laube: „Garten of Hate ‑Rathenow“.

Reise zum SS Gedenken nach Budapest

Die lokalen Köpfe des „Crew 38“-Netzwerkes sind Mar­tin K aus Rathenow und Stephan H aus Prem­nitz. Bei­de sind seit Ende der 1990er Jahre im neon­azis­tis­chen Kam­er­ad­schaftsm­i­lieu aktiv. Als die Polizei die Vere­insver­bote gegen die Kam­er­ad­schaften „Hauptvolk“ und „Sturm 27“ voll­streck­te und bei 39 Per­so­n­en Haus­durch­suchun­gen durch­führten, waren bei­de jedoch nicht betrof­fen. Das ist insofern ungewöhn­lich, da Szeneken­ner sie bere­its damals zum harten Kern des lokalen neon­azis­tis­chen Milieus zählten. Mar­tin K trat in dieser Zeit zudem durch mehrere Gewalt­de­lik­te strafrechtlich in Erschei­n­ung. Doch auch in einem Straf­prozess, in dem mehrere Gewalt­tat­en aus dem Jahr 2005 ver­han­delt wur­den, wurde Nach­sicht gegenüber ihn gewährt. Er wurde zu ein­er auf Bewährung aus­ge­set­zten Frei­heitsstrafe verurteilt.

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Unters „Volk“ gemis­cht: Mar­tin K und Stephan H während eines Auf­marsches des Bran­den­burg­er PEGI­DA-Ablegers „BraMM“ am 26. Jan­u­ar 2015 in Bran­den­burg an der Havel.

In den fol­gen­den Jahren nah­men K und H an ver­schiede­nen öffentlichen Ver­samm­lun­gen der NPD, dem Bran­den­burg­er PEGI­DA-Ableger „Bramm“ sowie vom „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ teil. Darüber hin­aus liegen belast­bare Hin­weise über die Teil­nahme Bei­der an Tre­f­fen des „Hammerskin“-Unterstützernetzwerkes vor.

Jet­zt wurde bekan­nt, das K und H am so genan­nten „Tag der Ehre“ in Budapest teil­nah­men. Auf Fotos sind Bei­de sog­ar mit Kennze­ichen der „Ham­mer­skins“ zu sehen, die auf eine Vollmit­glied­schaft bei dieser über­wiegend im Ver­bor­ge­nen arbei­t­en­den Organ­i­sa­tion hin­weisen. Die Patch­es mit den gekreuzten Häm­mern an den Jack­en von K und H deuten darauf hin.

2019.02.09 Budapest - Tag der Ehre
Stephan H. aus Prem­nitz (links) und Mar­tin K. aus Rathenow (rechts) im Ham­mer­skin-Out­fit, während des SS Gedenkens in Budapest (Ungarn). Foto: Pixelarchiv.org

Der „Tag der Ehre“ ist ein inter­na­tionales Ver­net­zungstr­e­f­fen von Neon­azis, welch­es der Glo­ri­fizierung der während des Zweit­en Weltkrieges im Kampf um Budapest 1945 gefal­l­enen Ange­höri­gen der Waf­fen SS dient. Bei der Zusam­menkun­ft am ver­gan­genen Woch­enende ver­sam­melten sich unge­fähr 300 Teil­nehmende aus Ungarn, Ser­bi­en, Nor­we­gen, Ital­ien, Ukraine, Rus­s­land und Deutsch­land in der ungarischen Haupt­stadt. Die Neon­azis gaben sich durch Fah­nen, Ban­ner und Klei­dungsstücke als Sym­pa­thisierende der neon­azis­tis­chen Net­zw­erke „Ham­mer­skin Nation“, „Blood & Hon­our“ und „Nordiska mot­stånd­srörelsen“ zu erken­nen.  Hitler­bild­nisse, Hak­enkreuze, SS Runen und ähn­lich­es wur­den offen zur Schau gestellt.

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Antifaschismus

Eberswalde: Unteilbar-Demo gegen Hetzkundgebung

In Eber­swalde (Land­kreis Barn­im) demon­stri­erte erneut „Heimatliebe Brandenburg“.
Das rechte Net­zw­erk agiert, ähn­lich wie dessen Süd­bran­den­burg­er Part­nervere­in „Zukun­ft Heimat“, im Rah­men eines Koop­er­a­tions­mod­ells zu Gun­sten der AfD.
Die Dauer­wer­bung für die rechte Partei erfuhr jedoch auch Wider­spruch, beispiel­sweise durch das Aktions­bünd­nis „Für ein tol­er­antes Eber­swalde“ (F.E.T.E.) unter dem Hash­tag #Eber­swalde­un­teil­bar.

150 Teil­nehmende bei extrem rechter Demon­stra­tion in Eberswalde

Der Mark­t­platz befind­et sich an zen­traler Stelle in der his­torischen Alt­stadt von Eber­swalde. Er hat eine Fläche von unge­fähr 4.550 m² und dürfte fast eben­so vie­len Men­schen einen beque­men Platz zum ver­sam­meln bieten. So viele wur­den es aber an diesem Sam­sta­gnach­mit­tag nicht, die sich für die angemeldete Ver­samm­lung des recht­en Net­zw­erkes „Heimatliebe Bran­den­burg“ interessierten.

Genauer gesagt wur­den es ger­ade ein­mal 150 Sym­pa­thisierende aus dem gesamten Land Bran­den­burg und Berlin, die der im Inter­net bewor­be­nen Ver­anstal­tung, welche let­z­tendlich bloß aus ein­er sta­tionären Kundge­bung bestand, bei­wohn­ten. Ein ursprünglich geplanter Marsch durch einzelne Straßen­züge hat­te die Ver­samm­lungsleitung – wegen schlecht­en Wet­ters – wieder abgesagt.

Die Orga-Crew um den recht­en Net­zw­erk­er Lars Gün­ther aus Bad Freien­walde (Land­kreis Märkisch-Oder­land), der u.a. das extrem rechte COMPACT Mag­a­zin  verteilt und dem Verbindun­gen zu Akteuren von NPD und Die.RECHTE nachge­sagt wer­den, ist noch in der Grün­dungsphase und bestrebt einen harten Kern für ihre Dauerver­samm­lun­gen zu konsolidieren.

Dass es für die Ver­anstal­tenden noch nicht ganz rund läuft, zeigte beispiel­sweise die für die heutige Ver­samm­lung als Mot­to genutzte Phrase: „Unsere Heimat – Unsere Werte“. Unter dem sel­ben Wort­laut führte näm­lich bere­its der CDU Kreisver­band Wesel beispiel­sweise im Früh­jahr 2018 eine Kam­pagne in Nor­drhein-West­falen durch. Die Bun­deskan­z­lerin, die aus der sel­ben Partei stammt, wurde hinge­gen von einem spon­tan einge­sprun­genen Red­ner aus Tem­plin wiederum mit den üblichen „Merkel muss weg“ – Rufen geschmäht.

Schmähun­gen macht­en übri­gens auch einen erhe­blichen Teil der Reden aus. Christoph Berndt von „Zukun­ft Heimat“ arbeit­ete sich beispiel­sweise an der „Amadeo-Anto­nio-Stiftung“ ab. Und das aus­gerech­net in Eber­swalde – dort wo der Namensge­ber der Stiftung im Jahr 1990 durch Neon­azis getötet wurde.

Auch Red­ner Stef­fen Kotré von der AfD wurde nicht Müde gegen bes­timmte Feind­bilder zu polemisieren. Sein The­ma war die ver­meintliche Islamisierung Bran­den­burgs, die er ins­beson­dere in der Lan­deshaupt­stadt Pots­dam auf dem Vor­marsch sah. Ihm störte in diesem Zusam­men­hang vor allem das Moslems dort öffentlich Beten kön­nen. Kotré sieht darin eine Macht­demon­stra­tion von Islamgläubigen.

Sein Parteikol­lege Stef­fen John dämon­isierte wiederum Geflüchtete. Er ver­mit­telte den Ein­druck, dass er in der Auf­nahme von Asyl­suchen­den vor allem eine „unkon­trol­lie Zuwan­derung von kul­turfrem­den und kul­tur­feindlichen Migranten“ sieht, die aus sein­er Sicht „wed­er moralisch, juris­tisch noch gesellschaft­spoli­tisch vertret­bar“ sei. Außer­dem störte John sich an der Arbeit rot-roten Lan­desregierung und forderte die Zuhören­den auf die AfD zu wählen.

Raumbe­set­zung im Sinne der AfD

Über­haupt scheint die AfD die Ver­samm­lun­gen von „Heimatliebe Bran­den­burg“ in Eber­swalde als Chance für ihre Selb­st­darstel­lung erkan­nt zu haben.

Es scheint deshalb kein Zufall sein, dass alle bere­its im Vor­feld zur heuti­gen Ver­samm­lung „Heimatliebe Bran­den­burg“ angekündigten Reden­den eine aktive Verknüp­fung mit dieser Partei haben. Drei der vier Red­ner – Christoph Berndt, Lars Gün­ther und Stef­fen John – befind­en sich auf der Lan­desliste der Bran­den­burg­er AfD für die Wahlen zum Lan­despar­la­ment im Sep­tem­ber 2019. Der vierte Red­ner, Stef­fen Kotré, sitzt bere­its seit 2017 für diese Partei im Deutschen Bundestag.

Ähn­lich sah es auch bei den vor­ange­gan­gen Ver­samm­lun­gen von „Heimatliebe Bran­den­burg“ im August und Novem­ber 2018 aus. Dort hat­ten eben­falls fast alle Redende eine aktive biografis­che Verknüp­fung mit der AfD und hoben durch ihr Engage­ment die Partei indi­rekt als Wählop­tion hervor.

Eine beson­ders bemerkenswerte Per­son­alie ist dabei der Wort­führer der extrem recht­en Vere­ini­gung „Zukun­ft Heimat“, Christoph Berndt aus Golßen (Land­kreis Dahme-Spree­wald), der nun schon zum drit­ten mal als Gas­tred­ner bei „Heimatliebe Bran­den­burg“ auf­trat. Im süd­bran­den­bur­gis­chen Cot­tbus  hat er gemein­sam mit seinem Vere­in der in Bran­den­burg eher extrem rechts aufgestell­ten AfD durch flüchtlings­feindliche Aufmärsche im vier­stel­li­gen Teil­nehmenden­bere­ich einen vor­poli­tis­chen Raum eröffnet, welch­er der Partei einen Weg zu extrem hohen Umfragew­erte ebnete und derzeit das Selb­st­be­wusst­sein ver­mit­telt, bei den kom­menden Wahlen stärk­ste poli­tis­che Kraft im Land zu wer­den. Berndts Engage­ment zahlte sich auch für ihn selb­st aus. Er wurde während des Lan­desparteitages der AfD in Rangs­dorf (Land­kreis Tel­tow-Fläming) auf Platz 2 der Lan­desliste für die Land­tagswahlen, gle­ich hin­ter Lan­deschef Andreas Kalb­itz, gewählt und dürfte damit – nach aktuellen Umfragew­erten – mit großer Wahrschein­lichkeit auch in das Bran­den­burg­er Lan­despar­la­ment einziehen. Berndt ließ daraufhin ver­laut­en, dass die Koop­er­a­tion sein­er „Bürg­erini­tia­tive“ mit der AfD ein Erfol­gsmod­ell sei, das er gedenke weiterzuentwickeln.

Bish­er gelang es ihm jedoch außer­halb von Cot­tbus kaum, qual­i­ta­tiv ähn­liche Struk­turen zu etablieren. Jedoch scheint zu min­destens im Raum Eber­swalde mit Lars Gün­ther ein rechter Net­zw­erk­er aktiv zu sein, der hier mit kon­tinuier­lichen Ver­samm­lun­gen den öffentlichen Raum zu Gun­sten der AfD offen hält und fähig zu sein scheint das „Cot­tbusser Koop­er­a­tions­mod­ell“ zumin­d­est im kleineren Maßstab auf den Nor­den Bran­den­burgs zu übertragen.

Auch in der Partei sel­ber find­et sein Aktion­is­mus dur­chaus Anerken­nung. Die Delegierten des AfD Lan­desparteitages hat­ten Gün­ther immer­hin auf Platz 26 (von 89 möglichen Plätzen) der Kan­di­daten­liste für die Bran­den­burg­er Land­tagswahl 2019 gewählt.

300 Men­schen bekan­nten sich zu #eber­swalde­un­teil­bar

Die von außen nach Eber­swalde hinein getra­ge­nen Het­zver­samm­lun­gen mit ihren vor allem geflüchteten- und islam­feindlichen Posi­tion­ierun­gen, stoßen in der Stadt jedoch auch auf Wider­spruch. Ver­schiedene Ini­tia­tiv­en riefen deshalb im Vor­feld der heuti­gen Ver­anstal­tung von „Heimatliebe Bran­den­burg“ zu Protestver­anstal­tun­gen auf. Das Aktions­bünd­nis „Für ein tol­er­antes Eber­swalde“ (F.E.T.E.) mobil­isierte beispiel­sweise unter dem Mot­to: „Unteil­bar gegen Hass“ zu ein­er Demon­stra­tion „für eine sol­i­darisches und soziales Miteinan­der“, statt „ Aus­gren­zung und Ras­sis­mus“. Unter­stützt wurde es dabei u.a. von der SPD, den Grü­nen, der LINKEn, deren Jugend­grup­pen sowie dem DGB, dem AStA der Fach­hochschule und der Eber­swalder Antifa-Gruppe „rum­ble“. Außer­dem waren einige Sym­pa­thisierende mit dem Zug aus Rich­tung Berlin gekommen.

Ent­lang des Bahn­hof­s­rings am Eber­swalder Haupt­bahn­hof bilde­ten die unge­fähr 300 Ver­sam­melten einen Demon­stra­tionszug, der über die Bun­desstraße 167, der Hauptverbindungsachse der Stadt in Ost-West Rich­tung, zur Alt­stadt führte und am Mark­t­platz in Hör- und Sichtweite zur Ver­anstal­tung von „Heimatliebe Bran­den­burg“ mün­dete. Von dort aus wider­sprachen die Protestieren­den laut­stark den het­zerischen Ver­laut­barun­gen der Reden­den des recht­en Netzwerkes.

Fotos: Press­eser­vice Rathenow, Oskar Schwartz, Nico­lai Koester

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Antifaschismus Geschichte & Gedenken jüdisches Leben & Antisemitismus Sonstiges

Todesmärsche sind Verbrechen im Sichtfeld der Bevölkerung

Rede­beitrag des VVN-BdA Potsdam

Danke für euer Kom­men und sol­i­darische sowie antifaschis­tis­che Grüße von der VVN-BdA Pots­dam. Wir haben uns hier in Pots­dam-Drewitz ver­sam­melt, um an den Todes­marsch der fast 2000 aus dem Konzen­tra­tionslager-Außen­lager Lieberose nach Nor­den in Rich­tung Sach­sen­hausen getriebe­nen Häftlinge zu erin­nern. In Lieberose fand Zwangsar­beit und Ver­nich­tung durch schwere Tätigkeit­en im Rah­men des dor­ti­gen SS-Trup­penübungsplatzes „Kur­mark“ statt. Bere­its Ende Jan­u­ar 1945 gab es den Befehl zur Auflö­sung und Besei­t­i­gung des Lagers und den Abtrans­port von rund 600 jun­gen und kranken Häftlin­gen mit dem Zug nach Sach­sen­hausen, wo sie in der Sta­tion Z ermordet wurden.

Am 02. Feb­ru­ar 1945 begann der Todes­marsch der knapp 2000 Häftlinge, die zurück­ge­bliebe­nen 1000 Men­schen, also kranke und marschun­fähige, erschossen die SS-Wach­mannschaften und ver­schar­rten sie anschließend in Gruben. Der Todes­marsch aus Lieberose führte über Goy­atz nach Teupitz und Zossen, weit­er nach Lud­wigs­felde und schließlich am 07. Feb­ru­ar nach Drewitz. Hier über­nachteten sie in ein­er Sche­une auf einem Gut­shof. Am 08. Feb­ru­ar zogen die Häftlinge weit­er durch Pots­dam, mit der Über­nach­tung in ein­er Rei­thalle ein­er Kaserne, bis es nach Falkensee und von wo es hier mit LKW oder S‑Bahn zum Zielort nach Sach­sen­hausen weiterging.

Damit zog dieser Todes­marsch nicht ein­fach nur durch die Stadt Pots­dam, son­dern durch einen Großteil des heuti­gen Land Bran­den­burgs und ver­di­ent deswe­gen unsere Erin­nerung und unser Gedenken. Doch er war nur ein­er von vie­len Todesmärschen, die seit Ende 1944 vor allem im Kernge­bi­et Deutsch­lands durchge­führt wur­den. Es waren nicht viele, die die Todesmärsche über­lebten. Groß war die Zahl der­er, die tot auf dem Weg zurück­blieben. Hunger, Entkräf­tung, Kälte und Frost und nicht zulet­zt die Qualen der sie beglei­t­en­den SS-Mannschaften und ander­er Trup­pen, aber auch Gehil­fen oder Zivil­bevölkerung, waren ihre Begleiter.

Auch hier in Drewitz gab es kurz vor dem Weit­er­marsch nach Pots­dam die Aus­sortierung von soge­nan­nten Marschun­fähi­gen. Die Häftlinge mussten auf Befehl in ein großes Grab steigen und darin niederknien. Es ist kaum vorstell­bar, welche Gefüh­le die Häftlinge in diesem Moment erlebten. Wer nicht mit marschieren kon­nte, den erschoss unter anderem der SS-Rot­ten­führer Erich Schemel.

Die Todesmärsche sind Ver­brechen, die direkt im Sicht­feld der Bevölkerung stat­tfan­den. Und wie es in der Ein­ladung zur heuti­gen Gedenkver­anstal­tung ste­ht, waren die zahlre­ichen Todesmärsche der lei­den­den Häftlinge, die sich durch Dör­fer, aber auch durch Städte wie Pots­dam quäl­ten, mal­trätiert von ihren Peinigern, aber auch geduldet von der Bevölkerung, unüberse­hbar und der let­zte Akt des nation­al­sozial­is­tis­chen Ter­ror­regimes und sein­er bru­tal­en, anti­semi­tis­chen und ras­sis­tis­chen Ideologie.

Und auf einen Punkt will ich noch kurz einge­hen. Lieberose war nicht auss­chließlich Stan­dort eines Außen­lagers des Konzen­tra­tionslagers in Sach­sen­hausen, son­dern in den let­zten Jahren der nation­al­sozial­is­tis­chen Herrschaft wurde daraus das größte Konzen­tra­tionslager im Gebi­et des Deutschen Reichs, das in die Ver­nich­tung der europäis­chen Juden einge­bun­den war. Während vom Herb­st 1943 bis zum Som­mer 1944 vor­wiegend poli­tis­che Häftlinge aus Deutsch­land, Frankre­ich, Nor­we­gen, Polen und der Sow­je­tu­nion aus den Konzen­tra­tionslagern Sach­sen­hausen und Groß-Rosen nach Lieberose gebracht wur­den, änderte sich die Sit­u­a­tion mit der Ankun­ft eines Trans­portes von ungarischen Juden im Juni 1944 aus Auschwitz. Der Anteil der jüdis­chen Häftlinge in Lieberose erhöhte sich auf bis zu 90% und damit wurde das Lager zu einem Teil der Shoa auf deutschem Boden, also ein Ver­nich­tungslager hier im Land Brandenburg.

Been­den möchte ich meinen Rede­beitrag mit dem Gedicht ein­er 16-jähri­gen Schü­lerin und ihren Erfahrun­gen nach dem Besuch des Konzen­tra­tionslagers Sach­sen­hausen, in dem sie die schein­bare Ahnungslosigkeit aller Beteiligten und Nicht-Beteiligten, sowie das Unfass­bare der Ver­nich­tung aber auch gle­ichzeit­ig die Wichtigkeit des heuti­gen Erin­nern und Gedenkens zum Aus­druck bringt:

Ein Baum wird gepflanzt

- die Trauerweide -

Kann nichts fühlen

nichts ver­ste­hen

Doch jedes Blatt

und jed­er Zweig

erzählt ihre Geschichte

Ein Baum wird gepflanzt

- die Trauerweide -

Hörte Schreie

sah die Qualen

Und heut

ver­sucht sie

uns zu zeigen

wie hil­f­los

alle waren

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Klima & Umwelt

Raus aus dem Knast, Rein in die Grube!

Die Energiegewin­nung durch Kohle zer­stört unseren Plan­eten und das Leben auf ihm. Die Prof­ite machen dabei Wenige, die Schä­den tra­gen hinge­gen alle. Die kap­i­tal­is­tis­che Wirtschaftsweise, gestützt von staatlichen Repres­sion­sor­ga­nen, macht diese kli­maz­er­störende Energiepro­duk­tion erst möglich.
Wider­stand, der in diesem Fall nichts anderes ist als eine das Leben auf diesem Plan­eten erhal­tene Maß­nahme, wird krim­i­nal­isiert. Im Namen von Prof­it­max­imierung und dem Sta­tus Quo wird wegges­per­rt, wer sich für eine lebenswerte Zukun­ft und seine Umwelt ein­set­zt. Dem Staat liegt nicht das Leben und Über­leben „sein­er Schüt­zlinge“ am Herzen, son­dern die wirtschaftlichen Inter­essen weniger Großkonz­erne. Polizei und Jus­tiz tun den Rest und krim­i­nal­isieren Aktivisti mit­tels Ein­schüchterung, Iso­la­tion und Strafen.

Am 4. Feb­ru­ar block­ierten 23 Aktivisti Braunkohle­bag­ger im Abbauge­bi­et der bran­den­bur­gis­chen Lausitz. Mit­tler­weile sind sie den Repres­sion­sor­ga­nen aus­ge­set­zt, einige immer noch fest­ge­set­zt! Wir sol­i­darisieren uns mit der Aktion und allen von Repres­sio­nen Betroffenen.

Am Abend des 5. Feb­ru­ar nutzten wir deshalb eine von den Berlin­er Wasser­be­trieben zur Wer­bung genutzte Wand, um die Aktion aus dem Bran­den­burg­er Matsch in die Berlin­er Innen­stadt zu tragen.

Frei­heit für alle poli­tis­chen Gefan­genen! Kohleausstieg jetzt!

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(Anti-)Rassismus Antifaschismus

200 Personen protestieren gegen AfD-Landesparteitag

Quelle: Nico­lai Koester

INFORIOT — Knapp 200 Per­so­n­en beteiligten sich am 02. Feb­ru­ar an Protesten gegen den Lan­desparteitag der Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD) in Rangs­dorf. Auf diesem Parteitag sollen über zwei Tage die Lis­ten­plätze 29 bis 40 für die diesjährige Land­tagswahl vergeben wer­den. Die ersten 28 Lis­ten­plätze wur­den bere­its Anfang Jan­u­ar vergeben – eben­falls im See­ho­tel Rangs­dorf. Auch die Lan­desliste zur Bun­destagswahl 2017 wurde schon an gle­ich­er Stelle vergeben.

Die Demon­stra­tion und anschließende Kundge­bung vor dem See­ho­tel wurde von einem bre­it­en Bünd­nis getra­gen. Neben lokalen Bürger_innen, Parteien und ein­er anti­ras­sis­tis­chen Ini­tia­tive hat­te eben­falls die Berlin­er Kam­pagne „Kein Raum der AfD“ zu den Protesten aufgerufen. Nach der Auf­tak­tkundge­bung am Bahn­hof Rang­dorf liefen die Teil­nehmenden ca. anderthalb Kilo­me­ter quer durch den west­lichen Teil Rangs­dorfs zum See­ho­tel. Dort wurde über zwei Stun­den laut­stark gegen die Poli­tik der AfD protestiert und beteiligte Ini­tia­tiv­en, sowie Einzelper­so­n­en forderten in Rede­beiträ­gen eine antifaschis­tis­che und anti­ras­sis­tis­che Poli­tik in und jen­seits von Par­la­menten ein.

Während die Proteste ohne Zwis­chen­fälle ver­liefen ließen es sich einige Teil­nehmerIn­nen des Parteitags nicht nehmen sich zu präsen­tieren und die Gegen­proteste abzu­fil­men um anschließend Bilder des poli­tis­chen Geg­n­ers auf Face­book zu ver­bre­it­en. Andreas Kalb­itz zeigte dem Protest sein Smart­phone und im Inter­net seine Zähne, Andreas Galau nutzte die Kulisse eben­falls für ein Bild und ver­mutete auf Face­book „Der Rest schlief noch.“. Lars Gün­ther aus Bad Freien­walde (Lis­ten­platz 26 zur Land­tagswahl) ist anscheinend genau das passiert, er reiste erst Nach­mit­tags an.

Andreas Galau gibt im Netz den Frühauf­ste­her, während Lars Gün­ther zu spät kommt | Quellen: Facebook/Nicolai Koester

Weit­ere Bilder: hier

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Antifaschismus

Heimatliebe Brandenburg den Tag versauen!

Am 09.02. möchte der rechte Mob um Lars Gün­ther erneut durch Eber­swalde laufen. Bere­its im August und Novem­ber let­zten Jahres ver­anstal­tete Gün­ther unter dem Label „Heimatliebe Bran­den­burg“ Demon­stra­tio­nen in Eber­swalde. Wie bei seinen Kundge­bun­gen und ein­er von ihm organ­isierten Demon­stra­tion 2015 zeigte sich, dass Gün­ther zusam­men­bringt, was offiziell nichts miteinan­der zu tun haben will: AfD, Iden­titäre und (organ­isierte) Neonazis.

Die Demon­stra­tio­nen in Eber­swalde find­en seit Anfang an mit tatkräftiger Unter­stützung durch den völkisch-nationalen Vere­in „Zukun­ft Heimat e.V.“ aus Süd­bran­den­burg statt. Während es per­son­elle Über­schnei­dun­gen zwis­chen dem Vere­in und den ver­bote­nen „Spreelichtern“ gibt, tritt der Vor­sitzende Christoph Berndt auf Platz zwei der AfD-Lan­desliste zur Land­tagswahl an. Weit­ere Red­ner­In­nen der let­zten Demon­stra­tio­nen Gün­thers waren unter anderem Siegfried Däbritz, Mit­grün­der von Pegi­da Dres­den, und André Poggen­burg. Poggen­burg gehörte dem völkischen Flügel in der AfD an, trat im Jan­u­ar 2019 jedoch aus und grün­dete seine eigene Partei „Auf­bruch deutsch­er Patrioten“.

Gün­ther ist in der gesamten (neu-) recht­en Szene Berlin-Bran­den­burgs sehr gut ver­net­zt und extrem umtriebig: 2017 trat er in Bad Freien­walde für die AfD als Bürg­er­meis­terkan­di­dat zur Wahl an, 2018 organ­isierte er zusam­men mit Ley­la Bilge den recht­en Frauen­marsch in Berlin, er arbeit­et aktiv im AfD-Kreisver­band Märkisch-Oder­land mit und ist beru­flich bei Jür­gen Elsässers Com­pact-Mag­a­zin tätig. Offen­sichtlich ist ihm dies nicht genug und es scheint so, als wolle er im Raum Märkisch-Oder­land und Barn­im mit diesen Ver­anstal­tun­gen eine rechte Hege­monie etablieren.

Neben ein­er angenehmen Bah­n­fahrt und einem Eber­swalder Spritzkuchen gibt es also viele gute Gründe am 09.02. die Prov­inz zu besuchen!
Kein Raum der AfD!
Keine Ruhe in der Provinz!

14 Uhr Demo BHF Eber­swalde | 15 Uhr Kundge­bung Kirchhang

Detail­in­fos zu Lars Gün­ther gibt es hier.

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(Anti-)Rassismus Antifaschismus

#Eberswaldeunteilbar

Es find­et eine drama­tis­che poli­tis­che Ver­schiebung statt: Ras­sis­mus und Men­schen­ver­ach­tung wer-den gesellschafts­fähig. Was gestern noch undenkbar war und als unsag­bar galt, ist kurz darauf Reali-tät. Human­ität und Men­schen­rechte, Reli­gions­frei­heit und Rechtsstaat wer­den offen ange­grif­f­en. Es ist ein Angriff, der uns allen gilt. Wir lassen nicht zu, dass Sozial­staat, Flucht und Migra­tion gegeneinan­der aus­ge­spielt wer­den. Wir hal­ten dage­gen, wenn Grund- und Frei­heit­srechte weit­er eingeschränkt wer­den sollen. Das Ster­ben von Men­schen auf der Flucht nach Europa darf nicht Teil unser­er Nor­mal­ität wer­den. Europa ist von ein­er nation­al­is­tis­chen Stim­mung der Entsol­i­darisierung und Aus­gren­zung erfasst. Kri­tik an diesen unmen­schlichen Ver­hält­nis­sen wird gezielt als real­itäts­fremd diffamiert.
Auch am 09. Feb­ru­ar ver­sucht ein AfD-Bünd­nis wieder durch Eber­swalde zu ziehen und ihren Hass zu verbreiten.

Nicht mit uns – Wir hal­ten dagegen!
Wir treten für eine offene und sol­i­darische Gesellschaft ein, in der Men­schen­rechte unteil­bar, in der vielfältige und selb­st­bes­timmte Lebensen­twürfe selb­stver­ständlich sind. Wir stellen uns gegen jegliche Form von Diskri­m­inierung und Het­ze. Wir sind jet­zt schon viele, lasst uns laut, bunt und friedlich deut­lich machen, dass wir für eine offene Stadt sind und in Eber­swalde Hass und Het­ze keinen Platz haben.

Gemein­sam wer­den wir die sol­i­darische Gesellschaft sicht­bar machen!
Am 09. Feb­ru­ar 2019 wird von Eber­swalde ein klares Sig­nal ausgehen.
Für ein Europa der Men­schen­rechte und der sozialen Gerechtigkeit!
Für ein sol­i­darisches und soziales Miteinan­der statt Aus­gren­zung und Rassismus!
Für das Recht auf Schutz und Asyl – Gegen die Abschot­tung Europas!
Für eine freie und vielfältige Gesellschaft!
Unsere Alter­na­tive heißt Solidarität!

Demon­stra­tion: 09. Feb­ru­ar 2019 – 14:00 Uhr vom Bahn­hofsvor­platz zum Kirch­hang (am Markplatz)
Kundge­bung: 09. Feb­ru­ar 2019 – 14:30 Uhr am Kirch­hang (Nähe Marktplatz)

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Antifaschismus Bildung & Kultur Dorfstraße

Kampfsportturnier in Strausberg mit Nazibeteiligung

Red Eagle Cup 2.0 – Ost­deutsche Ama­teur Muay Thai Meis­ter­schaft in Strausberg

Am Sam­stag, den 26.01.2019, lud die „Box­u­nion Straus­berg e.V.“ zur zweit­en Auflage des Ama­teur­turniers in Muay Thai in die Ernst-Grube-Halle auf dem Sport- und Erhol­ungspark (SEP) in Strausberg.

Der Ein­ladung fol­gten etwa 300 Zuschauer_innen, die für eine Stim­mung sorgten. Auch waren die Kämpfe fair und respek­tvoll von der Band­bre­ite an Teams geführt. Die teil­nehmenden Vere­ine kamen aus Marn­heim, Leipzig, Spey­er, Dres­den und dem pol­nis­chen Zary.

Jedoch gilt es einen beson­deren Blick auf das Pub­likum zu wer­fen, dass an solchen Ver­anstal­tun­gen teil­nimmt — oft­mals gewaltaffines Klien­tel, Per­so­n­en aus dem lokalen Sicher­heits­gewerbe, aus Motor­rad­klubs sowie jün­gere und ältere Neonazis.

Andrew Ron Stel­ter – Box­train­er in Strausberg

Als lizen­siert­er Train­er des „Box­club Straus­berg e.V.“ vom KSC Straus­berg – nicht zu ver­wech­seln mit der „Box­u­nion Straus­berg e.V.“ — trat ein­er der ehe­ma­li­gen führen­den JN-/NPD-Kad­eri bei der Ver­anstal­tung aufii.

Hier­bei war beson­ders erkennbar, dass er noch immer eine Vielzahl an Kon­tak­ten zu älteren und jün­geren Neon­azis unterhält.

Zum Einen beste­hen gute Kon­tak­te zu Mit­gliedern der ver­bote­nen Kam­er­ad­schaft „ANSDAPO“ aktuell als „AO Straus­berg“ aktiv und deren Umfeldiii. Darüber hin­aus hat er Kon­takt zu kampf­s­portaffinen Neon­azis, wie dem Mixed-Mar­tial-Arts-Kämpferiv und Sänger der Recht­srock­band „Exzess“v Tobias Vogt und anderen. Einige davon trainieren auch im „Box­club Straus­berg e.V.“ und zeigen dort über Tat­toos wie der „Schwarzen Sonne“ ein­deutig ihre Gesin­nung. Zum Anderen beste­hen Kon­tak­te zu jün­geren Neon­azis aus dem Raum Letschin und Oder­bruch, die bere­its 2015 die ras­sis­tis­chen Ver­samm­lun­gen und Aufmärsche des bran­den­bur­gis­chen PEGI­DA-Ablegers „Bran­den­burg­er für Mei­n­ungs­frei­heit und Mitbes­tim­mung (BraMM)“ bewar­ben und unterstützten.

Label 23/Boxing Connection“

Ein weit­eres Indiz für die Par­al­le­len zum recht­sex­tremen Milieu ist das zur Schau­tra­gen expliziter Mod­e­la­bel, die der Iden­ti­fika­tion zur Szene dienen. Was in den ver­gan­genen Jahren noch bevorzugt Mode von „Thor Steinar“ war, wird mehr und mehr von Kle­in­st­marken abgelöst.

Eine an Beliebtheit gewin­nende Marke ist „Label23/Boxing Con­nec­tion“ aus Cot­tbus, deren Ursprung ganz klar auf einen recht­en Hin­ter­grund schließen lässtvi. Auch am Turnier nah­men neben aktiv­en Sportlern auch Gäste in entsprechen­der Klei­dung teil.

Geschäft „Ger­man Melt­down (Crime)Store“ auf dem Lin­den­platz in Strausberg

Seit März 2017 existiert auf dem Lin­den­platz in Straus­berg der Laden „Ger­man Melt­down (Crime)Store“, in dem diese Klei­dung auch erwor­ben wer­den kann. Der Laden wird durch Kevin W. betriebenvii.

Das Geschäft wirkt nach Außen sehr unschein­bar, aber Beobach­tun­gen und ein Blick auf die Inter­net­seite beschreiben die Inten­tion dahin­ter sehr gut. Neben regelmäßiger Präsenz von Neon­azis aus der Kam­er­ad­schaftsszene bspw. von „Brud­er­schaft H8“, „AO Straus­berg“, dem oben genan­nten Front­mann der Recht­srock­band „Exzess“, rock­erähn­lichen Grup­pierun­gen oder Sportlern aus dem nahe gele­ge­nen Fit­nessstu­dio kaufen dort auch Jugendliche aus der Region ein. Die Kundschaft

erhält aller­hand pul­verisiert­er Muske­lauf­bauprä­parate, diverse gewaltver­her­rlichende Bek­lei­dung und eben jene, die aus der neon­azis­tis­chen Szene für die Szene pro­duzierten Klei­dungsstücke von „Label23/Boxing Con­nec­tion“ oder „Pro Vio­lence“viii.

Des Weit­eren trat das Geschäft bei dem recht­sof­fe­nen Kampf­s­port­turnier „Sprawl and Brawl“ix in Berlin als ein­er der Haupt­spon­soren aufx, bei dem u.a. auch offen­sichtliche Neon­azisxi und welche mit Nazik­lei­dungxii als Kämpfer ange­treten sind (ebd.).

Es ist anzunehmen, dass das Geschäft mehr als ein reines Bek­lei­dungs­geschäft ist und die Szene aktiv unter­stützt wird bzw. bere­its Teil eines ent­stande­nen Geschäft­snet­zw­erkes ist.

Faz­it

Der „Box­club Straus­berg e.V.“ vom KSC Straus­berg bildet eine eigen­ständi­ge Unter­abteilung und ist nicht mit dem Klub „Box­u­nion Straus­berg e.V.“ zu ver­wech­seln oder in einen Topf zu werfen.

Es ist erkennbar, dass sich alte und junge Neon­azis zu ein­er eigen­ständi­gen Szene entwick­elt haben, die gemein­same Geschäft­szweige durch Sicher­heit­sun­ternehmen, eigene Läden, eige­nen Box­club und Musik­bands. Es hat sich eine eigene rechte Sub­kul­tur etabliert, die auch geschlossen an recht­en Demon­stra­tio­nen teilnimmt.

i Antifaschis­tis­ches Infor­ma­tion­sportal Berlin Artikel: Andrew Stel­ter – Der Naz­i­handw­erk­er in dein­er Wohnung
https://www.antifa-berlin.info/recherche/1297-andrew-stelter—der-nazi-handwerker-in-deiner-wohnung
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
ii Foto- und Ver­anstal­tungsportal strausberg-live.de Bild 33: erste ste­hende männliche Per­son von links
https://www.strausberg-live.de/fotogalerie.php?id=75192
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
Foto- und Ver­anstal­tungsportal strausberg-live.de Bild 39: erste Per­son von links
https://www.strausberg-live.de/fotogalerie.php?id=75192
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
Foto- und Ver­anstal­tungsportal strausberg-live.de Bild 42: siebte Per­son von links
https://www.strausberg-live.de/fotogalerie.php?id=75192
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
iii Foto­por­tal Flickr: Fotograf Chris­t­ian Jäger Bild 1069: Demon­stra­tion gegen die Erstauf­nah­meein­rich­tung in Straus­berg – Per­son mit Schild „Die Köni­gin der Schlepper“ 
https://www.flickr.com/photos/boeseraltermannberlin/23332152279/in/album-72157662145501122/
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
Foto­por­tal Flickr: Fotograf Chris­t­ian Jäger Bild 1078: Demon­stra­tion gegen die Erstauf­nah­meein­rich­tung in Straus­berg – Per­son mit Schild „Die Köni­gin der Schlepper“
https://www.flickr.com/photos/boeseraltermannberlin/23332152849/in/album-72157662145501122/
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
Foto­por­tal Flickr: Fotograf Chris­t­ian Jäger Bild 1132: Demon­stra­tion gegen die Erstauf­nah­meein­rich­tung in Straus­berg – Per­son mit­tig mit grauer Schiebermütze
https://www.flickr.com/photos/boeseraltermannberlin/23332160829/in/album-72157662145501122/
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
iv Onlin­eauftritt Kam­pagne „Runter von der Mat­te – Kein Hand­shake mit Nazis“ Artikel: Das extrem rechte Kampf­s­port­turnier tiwaz – Kampf der freien Männer
https://runtervondermatte.noblogs.org/das-extrem-rechte-kampfsportturnier-tiwaz-kampf-der-freien-maenner/ #
kaempfer-bran­den­burg Let­zter Zugriff am 27.01.2019
v Infor­ma­tion­sportal www.inforiot.de Artikel: Exzess – umtriebige Neon­azis aus einem rock­erähn­lichen Milieu
https://inforiot.de/exzess-umtriebige-neonazis-aus-einem-rockeraehnlichen-milieu/Letztern Zugriff 27.01.2019
vi Onlin­eauftritt Kam­pagne „Runter von der Mat­te – Kein Hand­shake mit Nazis“ Artikel: Marken und Labels – Label 23/Boxing Connection 
https://runtervondermatte.noblogs.org/label-23-boxing-connection/
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
vii Foto- und Ver­anstal­tungsportal strausberg-live.de Artikel: Neues Geschäft in Straus­berg – Ger­man Melt­down Shop
https://www.strausberg-live.de/artikel-detail.php?id=66177
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
viii Inter­net­seite Ger­man Meltdown
https://german-meltdown.de/label-23/
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
Inter­net­seite Ger­man Meltdown 
https://german-meltdown.de/proviolence/
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
ix Onlin­eauftritt Kam­pagne „Runter von der Mat­te – Kein Hand­shake mit Nazis“ Artikel: Neon­azi kämpft bei „Sprawl and Brawl“ in Berlin
https://runtervondermatte.noblogs.org/neuigkeiten-von-der-matte‑2/#sprawlbrawl
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
x Antifaschis­tis­ches Infor­ma­tion­sportal Berlin Artikel S.90 — „Van­dalen und die K4 Alliance“
https://www.antifa-berlin.info/sites/default/files/dateien/artikel/fb_2018.pdf
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
xi Face­bookauftritt „Sprawl&Brawl“
https://www.facebook.com/SprawlandBrawlFC/photos/a.1443162475773337/1443182135771371/? type=3&theater
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
xii Face­bookauftritt „Sprawl&Brawl“
https://www.facebook.com/SprawlandBrawlFC/photos/a.1443162475773337/1443181635771421/? type=3&theater
https://www.facebook.com/SprawlandBrawlFC/photos/a.1443162475773337/1443185485771036/? type=3&theater
Let­zter Zugriff am 27.01.2019
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Antifaschismus Geschichte & Gedenken Law & Order

Gedenkveranstaltung zum Todesmarsch aus dem KZ Lieberose

Ein­ladung zur Gedenkver­anstal­tung anlässlich des Todes­marsches aus dem KZ Lieberose/Jamlitz

Hier­mit laden wir Sie her­zlich zur Gedenkver­anstal­tung anlässlich des Todes­marsches aus dem KZ Lieberose/Jamlitz am Sam­stag, den 09.02.2019, um 11 Uhr auf den Fried­hof in Drewitz ein.

Lieberose war nicht auschließlich Stan­dort eines Außen­lagers des KZ Sach­sen­hausen, son­dern in den let­zten Jahren der nation­al­sozial­is­tis­chen Herrschaft wurde daraus das größte Konzen­tra­tionslager im Gebi­et des Deutschen Reichs, das in die Ver­nich­tung der europäis­chen Juden einge­bun­den war.

Der Todes­marsch aus Lieberose in das Konzen­tra­tionslager Sach­sen­hausen, führte zwis­chen dem 07.02.1945 und dem 09.02.1945 durch Drewitz und Pots­dam. Ursäch­lich für den Trans­port der Häftlinge waren die ras­sis­tis­chen Über­legun­gen zur
Ver­nich­tung dieser Men­schen trotz der all­ge­meinen Kriegslage und die Befürch­tun­gen der Nation­al­sozial­is­ten, dass die Über­leben­den über die Ver­brechen der Täter*innen Auskun­ft geben könnten.

Die Todesmärsche sind Ver­brechen, die nun wirk­lich direkt im Sicht­feld der restlichen Bevölkerung statt fan­den. Unüberse­hbar waren die zahlre­ichen Todesmärsche der lei­den­den Häftlinge, die sich durch Dör­fer, aber auch durch Städte wie Pots­dam quäl­ten, mal­trätiert von ihren Peinigern, aber auch geduldet von der Bevölkerung.

Die deutsche Geschichte und Ver­ant­wor­tung wird derzeit lei­der immer wieder ver­harm­lost und rel­a­tiviert. Ger­dade deshalb ist es immer­noch wichtig den Opfern des Nation­al­sozial­is­mus und nun im speziellen, denen des Todes­marsches, zu gedenken.

Deswe­gen freuen wir uns, Sie am 09.02.2019 um 11 Uhr auf dem Fried­hof Drewitz begrüßen zu dürfen.

VVN-BdA Pots­dam, Die Andere, Vere­in zur Förderung anti­mil­i­taris­tis­ch­er Tra­di­tio­nen in der Stadt Pots­dam e.V. und Die Linke Kreisver­band Potsdam

Inforiot